Politik

Glühbirnen und Möhren-Ingwer-Suppe: Notizen aus der Politik

Sigmar Gabriel und Jürgen Trittin verteidigen die Energiesparlampe, Cem Özdemir lässt sich nicht in die vegetarische Suppe spucken und Jürgen Rüttgers hat seinen Traumjob gefunden. Außerdem gab es die Forderung, Wahlversprechen notariell beaufsichtigen zu lassen. Und was haben die Grünen eigentlich gegen Alice Schwarzer?

Contra von Gabriel und Trittin

lampe.jpgTeure Energieleuchten und geplante "EU-Verbote" für Glühbirnen - das wollten SPD-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und sein Amtsvorgänger Jürgen Trittin von den Grünen so nicht stehenlassen. In der ARD-Sendung "Hart aber fair" boten beide Moderator Frank Plasberg heftig Paroli: "Wir laden Sie ein nach der Sendung und dann gucken wir mal, ob Ihre Vorurteile stimmen", sagte Gabriel belehrend. Er hielt eine Energiesparlampe hoch. Sie erspare über ihre Lebensdauer 73,20 Euro. Es gebe auch kein EU-Verbot von Glühbirnen, sondern nur ein langsames Umsteuern auf Sparlampen. Plasberg verwies aufs "kühle Licht" in Schlafzimmern und Küchen. Trittin: "Da muss man schon ziemlich eitel sein, sich eine 100-Watt-Birne ins Schlafzimmer zu packen." Für unfassbar hielt Gabriel, dass Plasberg nicht die Gefahren für den Klimawandel beschreibe, sondern "der Untergang des Abendlandes (scheinbar) darin besteht, dass die Kultur verschwindet, weil man eine andere Lampe reindreht".

Wahlversprechen unter Notar-Aufsicht

Eine bestechende Idee: Politiker sollten ihre Wahlversprechen unter notarieller Aufsicht abgeben. Es sei zwar nicht einklagbar, sagte Ideengeber Jens Kahlsdorf vom Alster Business Club (ABC) in Norderstedt bei Hamburg. "Wir erwarten aber, dass das, was uns versprochen wird, auch eingehalten wird." Die Idee zielt auf die Landtagswahl in Schleswig-Holstein - lässt sich aber weiter spinnen auch für die ebenfalls am 27. September kommende Bundestagswahl.

Özdemir auf Köhlers Spuren

Cem_im_Steinhaus_4272.JPGBei einem Besuch im sächsischen Bautzen konnte Grünen-Chef Cem Özdemir auf die Vorzüge vegetarischer Ernährung hinweisen. In der vegetarischen Gastronomie des soziokulturellen Zentrums "Steinhaus" gab es Möhren-Ingwer-Suppe und gefüllte Champignon-Köpfe auf Pasta mit Salbeisauce. "Ernährung ist ein wichtiger Faktor, was den Klimaschutz anbetrifft", sagte der überzeugte Vegetarier. Vegetarische Ernährung sei aber keinesfalls Programmlage für die Grünen. Özdemir hält es allerdings für wichtig, dass auf die Menge des Fleischkonsums und auf artgerechte Haltung von Tieren geachtet werde. Erst im Februar hatte Bundespräsident Horst Köhler das "Steinhaus" besucht – und war begeistert von der Arbeit des Küchenteams.

Mode-Preis für Guttenberg

Charme ist nicht alles - jetzt ist der Shooting-Star der CSU, Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, auch noch zum bestgekleideten Politiker Deutschlands gekürt worden. Sein Look "strahlt Kompetenz aus und kann international bestehen", urteilte die Jury im Auftrag des Magazins "Men's Health". Guttenberg profitiere jedoch auch "von der Mittelmäßigkeit seiner Kollegen. Unter Blinden ist der Einäugige König", zitiert das Blatt die Begründung. Platz 2 errang Bundeskanzlerin Angela Merkel, weil sie "stets passend gekleidet" sei und sich damit "wieder mal gegen (fast) alle Männer durchgesetzt" habe.

Rüttgers-Traum vom "Küsten-Inspektor"

strand.jpgIn diesen Sommerferien hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers interessante Berufsperspektiven entdeckt. In seinem Lieblingsurlaubsland Frankreich gebe es den sympathischen Beruf des "Inspecteur de Côte", berichtete der CDU-Politiker fasziniert beim Auftakt zum Kommunalwahlkampf in NRW. Dieser Küsten-Inspektor wandere ständig am Strand entlang und sehe nach dem Rechten. Für Rüttgers verlockend: "Wenn mir mal gar nichts mehr einfällt, melde ich mich da."

Grüner Al-Wazir als Fußball-Freak

Hessens Grünen-Chef Tarek Al-Wazir ist leidenschaftlicher Anhänger seines Heimatvereins Kickers Offenbach. Zum Leidwesen des 38-Jährigen fiel die Pokalbegegnung gegen den Lokalrivalen Eintracht Frankfurt Anfang August in den Familienurlaub. Schweren Herzens trat er seine Eintrittskarte als Geburtstagsgeschenk an eine Auszubildende in der Landtagsfraktion ab. Sie fand für ihn eine Sportkneipe in seinem österreichischen Urlaubsort heraus. Dort angekommen hatten sich dort schon vier weitere Kickers-Fans in Trikot und Schal für das Duell warmgesungen. Die Unterstützung aus den Alpen fruchtete indes wenig: Der Drittligist verlor 0:3 gegen den Bundesligisten aus Frankfurt.

Tillich mit falscher Wortwahl

plauen.jpgWie wichtig die richtige Wortwahl gerade in der Provinz ist, musste Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich jetzt im Landtagswahlkampf schmerzlich lernen. Ausgerechnet im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde der CDU-Politiker in Plauen wütend ausgepfiffen. Dabei hatte Tillich den Menschen auf dem Altmarkt geschmeichelt: Wie schön es doch für die stolzen Vogtländer sei, das "V" als Autokennzeichen tragen zu dürfen. Das sei ein Ausdruck von Stärke und von Selbstbewusstsein. Dabei hatten die Plauener bei der jüngsten Kreisreform gerade ihr geliebtes Kennzeichen "PL" verloren - sie sehen sich beim Auto als Plauener und erst dann als Vogtländer.

CDU-Politikerin ohne Wahlplakate

Personen-Wahlplakate der CDU-Politikerin Andrea Dombois aus Dippoldiswalde sucht man in Sachsen vergebens. Sie verzichtet bewusst auf derartiges Werben um Stimmen für die Landtagswahl am 30. August. "Solche Plakate bringen vielleicht etwas für Neueinsteiger, die noch unbekannt sind", sagt die 51-Jährige, die seit der Wende in Sachsens Landtag sitzt und bei allen bisherigen Wahlen ein Direktmandat errungen hatte. Dombois lenkt das eingesparte Geld in Sozialprojekte und ermöglicht sozial benachteiligten Kindern einen Theaterbesuch.

Grüne attackieren Alice Schwarzer

schwarzer.jpgDeutschlands Vorzeige-Feministin Alice Schwarzer ist nach Ansicht der Grünen in Nordrhein-Westfalen kein Sprachrohr der Frauenbewegung mehr. "Alice Schwarzer erfüllt die Funktion, kritische Stimme zu sein, immer weniger", sagte die Grünen-Landesvorsitzende Daniela Schneckenburger. Die 66-Jährige habe eine zu starke Nähe zur CDU entwickelt und es seit langem versäumt, zu frauenpolitischen Themen auf Bundes- wie Landesebene kritisch Stellung zu nehmen, meinte Schneckenburger. Unbestritten sei Schwarzer die Galionsfigur der Frauenbewegung gewesen und habe sich als solche in der Vergangenheit verdient gemacht. Doch inzwischen habe sie sich von der Lebensrealität der Frauen entfernt und "es sich im Vorhof der Macht sehr bequem gemacht", so die Grünen-Chefin.

Quelle: n-tv.de