Mittwoch, 04. November 2009
Luftangriff in Afghanistan: NATO-Kritik an Bundeswehr
Die NATO erhebt schwere Vorwürfe gegen die Bundeswehr. Hintergrund ist der Bericht zur Aufklärung des von dem deutschen Oberst Georg Klein angeordneten Luftangriffs auf zwei entführte Tanklastwagen in Afghanistan.
Oberst Georg Klein droht ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung.
(Foto: AP)
So hätten sich die US-Piloten der angeforderten Kampfflugzeuge fünf Mal versichert, ob sie die beiden entführten Tanklastzüge tatsächlich bombardieren sollen, obwohl wichtige Einsatzregeln für diesen Befehl nicht eingehalten würden. Das berichtete die "Kölnische Rundschau" unter Berufung auf den als geheim eingestuften Bericht.
Weiter werde in dem Bericht darauf hingewiesen, es hätten sich zum Zeitpunkt des Angriffs weder Bodentruppen bei den Tanklastzügen aufgehalten, noch sei vor der Bombardierung das Hauptquartier der internationalen ISAF-Truppe eingeschaltet worden. Auch sei eine "Gefahr im Verzug", mit der Klein seine Anforderung begründet hatte, nicht nachvollziehbar gewesen, da die benzinbeladenen Lkw auf einer Sandbank am Ufer des Kundus-Flusses festsaßen. Darüber hinaus fiel der ISAF-Führung laut Bericht auf, dass ein afghanischer Nachrichtenermittler außergewöhnlich häufig, nahezu im Minutenabstand, betont habe, dass sich ausschließlich Terroristen an den Tanklastzügen aufhielten.
Scharfe Kritik an Jung
Der Luftangriff galt zwei Tanklastern, die von Taliban-Kämpfern entführt worden waren (Bild vom Tag nach dem Angriff am 4. September).
(Foto: dpa)
Besonders scharfe Kritik übt die NATO laut "Kölnischer Rundschau" an der Kommunikation des Verteidigungsministeriums. Es sei unverständlich, dass der damalige Minister Franz Josef Jung (CDU) und die Bundeswehr-Führung wider besseres Wissen noch zwei Tage nach dem Luftschlag erklärt hätten, dass es keine zivilen Opfer gegeben habe. Bei dem Angriff Mitte September nahe des nordafghanischen Kundus waren zahlreiche Menschen getötet worden, darunter auch Zivilisten.
Der NATO-Bericht wurde vom Bundesverteidigungsministerium bislang nur Mitgliedern des Verteidigungsausschusses sowie den Fraktionschefs im Bundestag zugänglich gemacht.
AFP
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