Volker Jacobs kommentiertArbeitnehmerkapitalismus
Seit den 50er Jahren wird darüber diskutiert, bislang ohne Ergebnis. Nun haben sich beide Koalitionsparteien erneut des Themas aus dem Geist der Sozialpartnerschaft angenommen: Arbeitnehmer sollen am Produktivkapital der Wirtschaft beteiligt werden.
Seit den 50er Jahren wird darüber diskutiert, bislang ohne Ergebnis. Nun haben sich beide Koalitionsparteien erneut des Themas aus dem Geist der Sozialpartnerschaft angenommen: Arbeitnehmer sollen am Produktivkapital der Wirtschaft beteiligt werden. Der Eifer von Union und SPD ist beachtlich. Skepsis bleibt gleichwohl angebracht.
Sie resultiert weniger daraus, dass Union und SPD völlig verschiedene Vorstellungen über die Realisierung des gemeinsamen Ziels haben. Zwischen dem Deutschlandfonds der SPD und dem Investivlohn der Union ließe sich eine Brücke bauen. Wo die Beteiligung des Arbeitnehmers am Betrieb seines Arbeitgebers nicht vereinbart werden kann, weil der der eine oder der andere oder beide nicht daran interessiert sind, könnte alternativ der Deutschlandfonds gewählt werden. Dabei ist dem Investivlohn eindeutig der Vorzug zu geben, weil er anders als der anonyme Fonds eine direkte Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern herstellt, das Interesse der Beschäftigten am Erfolg seines Betriebes fördern kann. Aber er ist das weitaus schwierigere Konzept und wirft eine Fülle von Problemen auf. Werden mit der Beteiligung auch Kontroll- und Mitbestimmungsrechte verbunden und wie werden sie ausgeübt? Wann wird der Investivlohn ausgezahlt? Kann er gegen Verlust durch Konkurs gesichert werden? Dass der Deutschlandsfonds der SPD dieses Risiko durch Streuung der Anlage vermeidet, ist sein größter Vorteil. Er wirft allerdings die Frage auf, wer den Fonds verwaltet. Der Staat sollte jedenfalls die Finger heraushalten.
Die Begründung für Forderung nach Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital liegt im Gedanken der Sozialpartnerschaft und ebenso in der Einkommensentwicklung. Kaum je zuvor ging zwischen der Entwicklung von Löhnen und Gehältern auf der einen, der Kapitaleinkommen auf der anderen Seite so weit auseinander. Nahezu stagnierenden Realeinkommen der Arbeitnehmer stehen beachtlich steigende Kapitalgewinne gegenüber. Ein Dilemma aber kann weder das Modell der Union noch das der SPD lösen. Beide werden nur den Arbeitnehmern helfen und durch Steuerbegünstigung etwas dazugeben, die überhaupt in der Lage sind, von ihrem Lohn etwas zu investieren. Wer das nicht kann, bekommt auch nichts.