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ZwischenrufAvanti, dilettanti!

04.11.2009, 12:23 Uhr
imageManfred Bleskin

Nun also will GM Opel doch behalten. Eine in der deutschen Nachkriegsgeschichte beispiellose Schmierenkomödie erreicht damit ihren vorläufigen Höhepunkt.

Mit der Entscheidung, Opel selbst behalten zu wollen, erreicht eine in der deutschen Nachkriegsgeschichte beispiellose Schmierenkomödie ihren vorläufigen Höhepunkt. Monatelange Verhandlungen, unzählige Treffen, transatlantische Reisen, Besuche von Bundeskanzlerin und Vizekanzler bei den Beschäftigten. Vollmundige Versprechen. Vor den Wahlen. Leere, wie sich nach den Wahlen herausstellt.

Wenn General Motors jetzt urplötzlich (?) erklärt, nein, wir behalten Opel lieber, fallen alle Beteiligten aus den Wolken. Das heißt, Angela Merkel muss nach ihrer Rede vor dem Kongress erst einmal von Wolke Sieben herabsteigen. Wenn sie bei ihrem Treffen mit Barack Obama das Thema Opel nicht angesprochen hat, ist dies schlechterdings unverständlich. Wenn doch, und ihr Gastgeber hat ihr eine Absage erteilt, zeigt dies, dass es eine graue Realität jenseits der blumigen Welt der gegenseitigen Liebesschwüre gibt. Soll niemand sagen, die US-Administration habe keine Macht, auf GM Druck auszuüben. Schließlich geht es dem Konzern nur deshalb wieder so gut, dass er Opel mit drei Milliarden Euro „sanieren“ will, weil er zuvor staatliche Hilfen in Dollarmilliardenhöhe erhalten hatte. Zudem ist der GM-Aufsichtsrat fest in der Hand von Obama-Vertrauten.

Hinter der Entscheidung, Opel behalten zu wollen, steht die Furcht von GM, den europäischen Markt zu verlieren. Und neben Magna mit der staatseigenen russischen Sparkasse Sperbank, die größte des Landes, auch den Kreml zum Konkurrenten zu haben. Die Entscheidung von Detroit entspricht mithin auch den strategischen Interessen Washingtons.

Wer sich mit GM einlässt, muss früh aufstehen. Die alte wie die neue Bundesregierung haben den rechten Zeitpunkt verschlafen. Wie dreist das mit allen Wassern des Eriesees gewaschene Detroiter Weltunternehmen ist, wird auch deutlich, wenn es von der Bundesregierung jetzt jene 1,5 Milliarden Euro verlangt, die Berlin dem bisherigen Kaufkandidaten Magna versprochen hat. Die Bundesregierung hingegen will ihre anderthalb Milliarden zurück, die sie Opel als Überbrückungsfinanzierung gewährt hatte.

Die Leidtragenden sind die Opelaner, nicht nur in Deutschland, auch in Belgien und Spanien. Ein drastischer Arbeitsplatzabbau steht ins Haus, höher als von Magna anvisiert. Wenn nicht gar die Schließung ganzer Betriebe.

Der erste Glitzerauftritt des damaligen Bundeswirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg am New Yorker Times Square, einen Steinwurf vom Broadway entfernt, war ungewollt symptomatisch. Theater. Nur dass man am Broadway besser spielt als im Berliner Regierungsviertel.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.