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ZwischenrufDer Gipfel der Beliebigkeit

08.07.2009, 15:29 Uhr
imageManfred Bleskin

Die G8 sind wenig mehr als ein Medienereignis, das dem Zuschauer vorgaukelt, die Geschicke der Welt zu bestimmen. Die Wirkung lässt nach, sobald das Fernsehgerät ausgeschaltet ist, meint Manfred Bleskin.

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Der G8-Gipfel wird vor allem wegen der Bilder betroffener Politiker vor dem Hintergrund des erdbebenzerstörten Onna in der Nähe des Tagungsortes L’Aquila in Erinnerung bleiben. (Foto: AP)

Die Erwartungen an den Gipfel der G8 sind hoch. Doch noch vor Beginn des Treffens in den Abruzzen dämpfte US-Präsident Barack Obama die Hoffnungen. Seinen Berater Denis McDonough ließ er beim Abflug in Moskau sagen, in Sachen Klimaschutz seien "konkrete Ergebnisse nicht absehbar". Da wird es wohl nichts mit dem Durchbruch, von dem nach der Zustimmung Chinas und Indiens zum sogenannten Zwei-Grad-Celsius-Ziel nach Abschluss der Beratungen des Major Economies Forum in Rom die Rede war. Zudem ist der Ausgangspunkt unklar, ab dem die Temperaturerhöhung bis 2050 gemessen werden soll. Wenn tatsächlich "die Zeit vor Beginn der Industrialisierung" zugrunde gelegt wird, ist das erstens reichlich vage und zweitens reichlich bescheiden.

Selbst wenn sich die acht Staats- und Regierungschefs auf eine - dringend gebotene - Regulierung der internationalen Finanzmärkte einigen sollten, muss dies noch lange und nicht überall umgesetzt werden. Die Ergebnisse der Treffen sind nicht bindend. Das ist das Hauptproblem. Die G8 sind wenig mehr als ein Medienereignis, das dem Zuschauer vorgaukelt, die Geschicke der Welt zu bestimmen. Die Wirkung lässt nach, sobald das Fernsehgerät ausgeschaltet ist.

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US-Präsident Obama dämpfte die Hoffnungen bereits vor Beginn des Treffens. (Foto: AP)

Die Teilnehmer, mit Ausnahme des Pausenclowns Silvio Berlusconi vielleicht, sind sich ihrer eigenen Begrenztheit sehr wohl bewusst. Nicht umsonst sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Teilnehmerkreis müsse erweitert werden. Aber auch ein G20-Gremium unter Einschluss Brasiliens, Chinas, Indiens und Südafrikas ist keine Lösung. Es blieben dann immer noch rund 180 Staaten, die nicht mit am Tisch säßen. Die einzig repräsentative Organisation sind die Vereinten Nationen. Deren Reform ist mehr als überfällig. Doch das Ziel, weitere Staaten, etwa Deutschland, Indien oder Japan als ständige Mitglieder in den Sicherheitsrat aufzunehmen ist auch keine Lösung, gleich ob diese Länder nun Vetorecht erhielten oder nicht. Eine tatsächliche Demokratisierung der UNO gäbe es nur, wenn die Beschlüsse ihres höchsten Organs, der Vollversammlung, verbindlich wären. Dies aber wird am Widerstand der G5 im Sicherheitsrat scheitern. Illusorisch – wenn auch im Prinzip richtig – ist auch der Vorschlag einer Art Weltregierung von Benedikt XVI. in seiner Sozialenzyklika "Caritas in veritate".

So wird uns der G8-Gipfel vor allem wegen der Bilder betroffener Politiker vor dem Hintergrund des erdbebenzerstörten Onna in der Nähe des Tagungsortes L’Aquila in Erinnerung bleiben. Falls nicht, wie in der britischen und italienischen Presse angekündigt, bis zum Ende des Treffens am Freitag, weitere Nacktfotos des Cavaliere auftauchen.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.