Von "Richtig" bis "Klappe halten"Die Presse über Steinbrück
Die Steinbrück-Äußerungen zum Thema Altersvorsorge treffen auch in der Presse auf geteiltes Echo.
Die Steinbrück-Äußerungen zum Thema Altersvorsorge treffen auch in der Presse auf geteiltes Echo.
"Der Finanzminister hat in der Sache recht", meint n-tv.de: "Aber wie so oft in der deutschen Politik sind Zeitpunkt und Formulierung schlecht gewählt. Natürlich müssen die Bundesbürger den Gürtel in den kommenden Jahren noch enger schnallen. Große Einkommenssteigerungen sind nicht zu erwarten. Gleichzeitig ist unbestritten, dass mehr für die private Altersvorsorge getan werden muss, möchte man als Rentner nicht unter die Armutsgrenze rutschen. Dafür muss dann unter Umständen das nächste Auto eine Nummer kleiner ausfallen oder weniger Geld für den Urlaub ausgegeben werden. Der eigentliche Witz ist, dass ausgerechnet FDP und Grüne besonders laut schreien. Die Parteien mit der wohlhabendsten Klientel und den wenigsten Geldsorgen."
Ganz anders sieht das die Oldenburgische Volkszeitung: "Das sollte ein illustrierendes Beispiel sein, ist aber viel mehr: nämlich eine Unverschämtheit. Es reichte anscheinend nicht, dass Steinbrück mit seinen Aussagen im Kern die Unfähigkeit der Regierung eingestand, für ein ordentliches Wachstum zu sorgen. Ein Wachstum, das mehr Jobs schafft und letztlich auch mehr Steuergelder fließen lässt, um die staatlichen Sozialleistungen für die Zukunft zu sichern. Nein, er konnte nicht umhin, auch noch vorzuschreiben, wo der Bürger demnächst kürzer treten solle. Das ist nicht volksnah, sondern einfach nur oberlehrerhaft."
In die gleich Kerbe schlägt Bild: "Schon wieder einer, der uns ermahnt: Wir sollen sparen, sparen, sparen! Vielleicht sollten die Politiker selbst erst mal lernen zu sparen - statt immer nur bei uns abzukassieren! Immer höhere Steuern und Beiträge reingepumpt in mutlose Reformen - da wird das meiste Geld vernichtet!"
Kritik kommt auch von der WAZ: "Sparen fürs Alter als erste Bürgerpflicht? Mehr vorsorgen, weniger Urlaub? In Steinbrücks Attacke auf die Urlaubsnation schwingt der moralinsaure Vorwurf mit, es werde nur so geprasst in Deutschland, Geld auf Ibiza oder Mallorca verschwendet. Richtig ist: Die private Altersvorsorge wird wichtiger. Seine Belehrungen mit erhobenem Zeigefinger hätte sich Steinbrück aber verkneifen sollen."
Auch die Rhein-Neckar-Zeitung ist nicht einverstanden: "Der Durchschnittsmensch möchte konkrete Vorbilder sehen - und keine Minister, die fortlaufend Wasser predigen, sich selbst aber die edelsten Tropfen gönnen."
Ebenso die Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung: "Man kann die Litanei wirklich nicht mehr hören! Steinbrücks Reise-Tipp geht dazu an der Realität vorbei. Viele Haushalte haben den Gürtel bereits so eng schnallen müssen, dass an Urlaub nicht mehr zu denken ist. Was sagen dazu eigentlich Politiker und Minister, die bereits nach wenigen Jahren üppige Versorgungs- ansprüche erwerben und einem materiell unbeschwerten Ruhestand entgegensehen?" Wahrscheinlich nichts. Sie gehen auf Reisen."
Selbst der Münchner Merkur schimpft: "Finanzminister Steinbrück hat eine glänzende Gelegenheit verpasst, die Klappe zu halten: Sein Rat an die Bundesbürger, fürs Alter zu sparen und dafür auf die Urlaubsreise zu verzichten, ist ebenso ärgerlich wie überflüssig."
Vom Schwarzwälder Boten hingegen kommt ein Lob: "Solche Männer braucht das Land: Schonungslos hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den Deutschen ins Stammbuch geschrieben, worum es geht: nicht um Einzelinteressen, sondern um die Zukunft der Republik. Und da muss jeder seinen Beitrag leisten. Auch wenn es manchen schwer fällt. Der Mann hat Mut, auch Mut vor der nächsten Wahl. Chapeau, Steinbrück."