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"Durch den Haupteingang"Seehofer ist da

07.10.2008, 21:06 Uhr

Der Bundestagsabgeordnete und Bundesminister ist Oberbayer aber irgendwie doch ein Mann von draußen, nicht belastet vom Wahldesaster und nicht Mitglied einer bajuwarischen Seilschaft.

Er trat ja so bescheiden auf. Nur wenn keiner der drei Landespolitiker, die sich offen beworben hatten, eine ausreichenden Mehrheit finden sollte, stand er für das Amt des Ministerpräsidenten zur Verfügung. Es klang nach Parteisoldatentum. In Wahrheit hat Seehofer die Stärke der Bewerber richtig eingeschätzt und auch das Stammesdenken, das in der CSU ein sorglich austariertes Gleichgewicht von Oberbayern, Franken und Schwaben erfordert - oder zu gegenseitigen Blockaden führt. Der Bundespolitiker kommt durch den Haupteingang in die Staatskanzlei.

Seehofers Erfolg ist ein Erfolg der Basis. Die Entscheidung fiel wider die Tradition der CSU nicht in Hinterzimmern unter den Baronen der Partei. In der Rückkoppelung mit ihren Verbänden mussten diese feststellen, dass weder der Schwabe Schmid, noch der Franke Herrmann, noch der Oberbayer Goppel bayernweit als der Neuanfang zu vermitteln war, dessen Notwendigkeit Täglich mehrfach zwischen Neu-Ulm und Rosenheim beschworen wird. Der Bundestagsabgeordnete und Bundesminister ist Oberbayer aber irgendwie doch ein Mann von draußen, nicht belastet vom Wahldesaster und nicht Mitglied einer bajuwarischen Seilschaft.

Seehofers Ansehen beim Parteivolk war immer weitaus größer als bei seinen Kollegen im Bundestag oder in der Landtagsfraktion. Seinen Ruf als eigenwillig und schwer berechenbar hat sich Seehofer erarbeitet. Das Parteivolk nahm ihm nicht übel, dass er gegen die auch von der Union akzeptierte Gesundheitspolitik Stellung bezog, woraufhin er den stellvertretenden Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion niederlegen musste. Ins Bundeskabinett kam er auch nicht als Landwirtschaftsminister, weil Angela Merkel in rief, sondern weil Edmund Stoiber ihn hineinzwang. Die Delegierten des CSU-Parteitags ließen Seehofer zwar zuletzt scheitern, als er gegen Erwin Huber für den Parteivorsitz kandidierte, aber mit einem Ergebnis, dass den Unterlegenen erhobenen Hauptes davon gehen ließ.

Nun ist er der Hoffnungsträger. Wie viel Hoffnung sie in ihn setzen, werden die Parteitagsdelegierten bei seiner Wahl zum CSU-Vorsitzenden, die Landtagsabgeordneten bei der Wahl zum Ministerpräsidenten zeigen.

Dass Seehofer eine Koalition mit der FDP zustande bringen wird, ist kaum zweifelhaft. Den Liberalen muss daran gelegen sein, ihre nach langen Jahren wieder gewonnene parlamentarische Existenz durch Beteiligung an der Staatsregierung über die Legislaturperiode hinaus zu sichern. Die CSU wird unter dem Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Seehofer lernen müssen, Rücksicht zu nehmen und Kompromisse zu schließen. Das kann ihr nur gut tun. Hochmut kam auch diesmal vor dem Fall.