Politik
Silvio Berlusconi (r.) in seiner typischen bescheidenen Pose beim Euro-Gipfel.
Silvio Berlusconi (r.) in seiner typischen bescheidenen Pose beim Euro-Gipfel.(Foto: dpa)

"Wat fott es, es fott": Silvio Berlusconi, der Kölsche Jung'

eine Glosse von Udo Gümpel, Rom

Ein Mailänder soll Berlusconi sein? Da kann etwas nicht stimmen, die Menschen aus Mailand gelten als grundsolide. Silvio scheint eher dem Kölschen Grundgesetz zu folgen. Einer der Artikel daraus lautet: "Et hät noch immer joot jejange." Und das stimmte ja auch, bisher.

Nun wissen wir es: Silvio Berlusconi ist gar nicht in Mailand zur Welt gekommen, sondern in Köln! Während der Mailänder in Italien den Ruf der fleißigen, stets zuverlässigen Arbeitsbiene hat, zuverlässig bis auf die Knochen, nennt der Kölner eine ganz andere Lebensphilosophie sein eigen: eben jene, die wir nun bei Silvio endlich klar erkennen können. Man musste es nur erkennen wollen!

Nehmen wir zum Beispiel die italienischen Sparhaushalte: Nach monatelangem Tauziehen im Sommer dieses Jahres ließ Berlusconi einen zweimal neu geschriebenen Sparhaushalt verabschieden, der Italien bis zum Beginn der nächsten Legislaturperiode 2013 endlich einen ausgeglichenen Haushalt bescheren soll. Wie genau das geschieht, darüber sagt das Haushaltsgesetz des Finanzministers Giulio Tremonti wenig Konkretes, aber immerhin ist die Größenordnung festgelegt. Dafür erhielt Tremonti am 13. September offiziell das "Go" durch EU-Währungskommissar Olli Rehn.

Seitdem sind 40 Tage vergangen, aber natürlich hat Berlusconi nicht getan, was er Europa versprechen musste: ein Gesetzespaket zur Liberalisierung der Wirtschaft zu schnüren, um aus dem Nullwachstum herauszukommen. Denn alle Sparpläne sind Abwischpapier, wenn die Wirtschaft nicht angekurbelt wird. Doch der gute Silvio lebt ganz offenkundig nach einer anderen, der Kölschen Maxime: "Et hät noch immer joot jejange." Also weiter mit dem Schuldenmachen.

"Fott domet"

Auf den Einwand, Italien müsse bald, bliebe es beim derzeitigen Zins für italienische Staatsanleihen von 6 Prozent, rund 40 Milliarden Euro jährlich mehr an Zinsen zahlen - also statt wie heute 70 Milliarden Euro bald 110 Milliarden -, kann Silvio mit mehreren Lebensweisheiten seiner nun enthüllten Heimat antworten. Entweder ein glashartes "Wat fott es, es fott", mit dem dezenten Hinweis an die Kreditgeber, dass sie sich wenig Hoffnung auf eine Rückgabe des Kapitals machen sollten, oder, die wahrscheinlichere Antwort: "Hammer immer esu jemaat."

Udo Gümpel ist Italien-Korrespondent von n-tv.
Udo Gümpel ist Italien-Korrespondent von n-tv.

Das stimmt tatsächlich. Unter Berlusconi ist der Schuldenberg rasant gewachsen, von 103 auf heute knapp 120 Prozent, weil Rom im Euro-Raum lange Zeit billig an Geld zu deutschen Zinssätzen kommen konnte. Als Deutschland und Frankreich gemeinsam 2007 die Maastrichter Kriterien rissen, war die Freude in Rom riesengroß: Wenn selbst die Oberlehrer die Regeln umschmeißen, dann gibt es kein Halten mehr, dann wir auch, denn: "Et kütt wie et kütt." Wer Berlusconi jemals an seine Versprechen erinnern sollte, wie es jetzt Sarkozy und Merkel gewagt haben, der bekommt bestenfalls ein Lächeln mit Schulterklopfer, denn: "Jeder Jeck ist anders." Recht hat er, "et es, wie et es". Silvio ist wie er ist, das hätten Nicolas und Angela wissen können. Für den Euro allerdings gilt dann allerdings: "Nix bliev wie et wor." Aber auch darauf wüsste Silvio die Retourkutsche: "Hammer nit mähr, bruche mer nit, fott domet."

Quelle: n-tv.de

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