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"Toyota ist nichts weiter als der nächste Treppenabsatz", meint Manfred Bleskin.

"Toyota ist nichts weiter als der nächste Treppenabsatz", meint Manfred Bleskin.
(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Mittwoch, 03. Februar 2010

Zwischenruf: Toyota: Ex und hopp!

Manfred Bleskin

Wer sich wegen der nunmehr zweiten Rückrufaktion von Toyota ins deutsche Fäustchen lacht und meint, "unseroana fährt koanen Japoner", lässt seiner Häme an der falschen Stelle ihren Lauf. Bei gut 8.000 Audi Q5 besteht die Gefahr, dass sich beim Auslösen des Airbags die Verkleidung der A-Säule lockert und Insassen verletzt werden. Auch die gepriesenen Fahrzeuge aus U-S-A haben so ihre Macken. General Motors läuft der Angstschweiß den Rücken hinunter, weil beim "Chevrolet Cobalt” die Servolenkung ausfallen kann.

Nicht nur in der Automobilbranche sinkt die Qualität. Millionen von Bankkunden stehen ohne Bargeld da, weil ihre Karten falsch programmiert sind. Bei der Deutschen Post gehen Briefe verloren; die Deutsche Bahn kommt nicht mehr aus dem ICE-Loch heraus, ihre Berliner S-Bahn-Tochter ist zur Lachnummer verkommen. In Nürnberg bleiben die fahrerlosen U-Bahn-Züge immer mal wieder stehen, auf deutschen Flughäfen bricht bei Schnee das schiere Chaos aus. Dabei soll es Insidern zufolge früher auch schon einmal heftig geschneit haben. Einer Viertelmillion Münsterländern dürfte der November 2005 mit seinen tagelangen Stromausfällen noch in schlechtester Erinnerung sein. Kunden in Discountersupermärkten stehen sich die Beine in den Bauch, weil die Kassiererin wieder einmal mit dem Öffnen von Kisten oder der Säuberung des schneenassen Fußbodens beschäftigt ist. Autobahnbaustellen werden zu Langzeitärgernissen, weil Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit zu teuer wird. Callcenter erteilen reihenweise falsche Auskünfte, Mitarbeiter renommierter Autohilfsdienste wissen nicht, wie sie bei der Marke XYZ die Glühlampen wechseln sollen. Die Liste der Unvollkommenheiten ist unvollständig.

Härtester Konkurrenzdruck veranlasst Produzenten und Dienstleister zu immer drastischeren Sparmaßnahmen. Der Billiglohnsektor in Deutschland und andernorts verzeichnet höchste Zuwachsraten, die Löhne dort verzeichnen höchste Fallgeschwindigkeit. Zeit- und Leiharbeit verhindern, dass auch der Produzent auch nur ansatzweise eine Beziehung zum Produkt herausbildet. Unausgereifte Technik wird eingesetzt, weil das Damoklesschwert des Profitverlustes über den Köpfen von Managern, Eigentümern und/oder Anteilseignern schwebt. Privatisierungswahn führt zu Qualitätsverlust, fordert gar Menschenleben. Stichwort: British Railways. Der Arbeitsplatz wird zum Job im schlechten Sinne des Wortes: Ex und hopp! Anders ausgedrückt: Die Entfremdung strebt ihrem Höhepunkt entgegen. Toyota ist da nichts weiter als der nächste Treppenabsatz.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.

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