Politik
(Foto: AP)

Neue Umfragen aus Griechenland: Tsipras könnte sein eigenes Werk zerstören

Ein Kommentar von Christoph Herwartz

Wenn die Wahl am 20. September so ausgeht, wie es derzeit vorhergesagt wird, dann steht der Syriza-Chef vor einem Problem. Schafft er es abermals, mit seiner Linkspartei Verantwortung zu übernehmen?

Alexis Tsipras hat es weit gebracht mit seiner Partei. Er hat ein Sammelsurium an Kleinparteien zuerst zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen. Dann hat er aus diesem Bündnis eine Partei geformt und hat mit dieser Partei im Januar mehr Stimmen bekommen als alle anderen. Der Aufstieg der Syriza hat viel mit der Popularität ihres Vorsitzenden zu tun. Tsipras inszenierte sich als Anti-Politiker, frei von Korruptionsverdacht und unempfindlich für Druck aus der EU – das gefiel den Griechen. Sie wählten Syriza nicht aus Sympathie für die Kommunisten, Maoisten und Trotzkisten, die auch in der Partei vertreten sind, sondern für den linken, optimistischen Politikentwurf zur etablierten Klientelpolitik. Für diesen Gegenentwurf stand Alexis Tsipras, seine Popularität einte die Partei.

Im Juli stand der Regierungschef dann vor der Entscheidung, einen Großteil seiner Vorstellungen über Bord zu werfen oder sein Land im Chaos zu versenken. Er entschied sich für den pragmatischen Weg, auch wenn er dabei nicht alle Genossen mitnehmen konnte. Seitdem wirkte Syriza gereift: Die Geldgeber äußerten sich auf einmal positiv über die Arbeitsatmosphäre, Sozialdemokraten öffneten ihre Arme, Tsipras war nicht länger das Schmuddelkind am Tisch der europäischen Regierungschefs. Am Ende stand eine Vereinbarung, die vielen neue Hoffnung brachte, dass Griechenland zu stabilen Verhältnissen zurückfindet.

Doch nun steht Syriza eine neue Probe bevor: Die Umfragen zeigen an, dass Tsipras die von ihm angepeilte absolute Mehrheit bei den Neuwahlen am 20. September verfehlen könnte. Für eine Regierung ohne die Beteiligung von Syriza wird es aber wohl auch nicht reichen – dafür werden die rechtsextreme Goldene Morgenröte und die sozialistische Syriza-Abspaltung Volkseinheit wohl zu stark. Der bisherige Syriza-Koalitionspartner, die rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, werden laut aktuellen Umfragen zu schwach, um Tsipras abermals in die Regierung zu verhelfen.

Behalten die Demoskopen Recht, steht Syriza also vor der Herausforderung, einen neuen Koalitionspartner zu finden. Gelingt das nicht, wäre es für Griechenland fatal: Eine Blockade im Parlament oder nochmalige Neuwahlen kann sich das Land nicht leisten, will es Wort halten und die bis Ende Oktober zugesagten Reformen umsetzen.

Für Syriza wäre es eine Zumutung, mit den alten, in der Vergangenheit oft korrupten Parteien zusammenzuarbeiten. Tsipras hat schon angekündigt, einer solchen Regierung nicht angehören zu wollen. Macht er diese Drohung war, könnte er vieles zerstören, was er selbst für Griechenland auf den Weg gebracht hat.

Quelle: n-tv.de

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