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Zwischenruf"Wie Kim lernte, die Bombe zu lieben"

25.05.2009, 16:40 Uhr
imageManfred Bleskin

Es wird Zeit, dass die Nordkoreaner sagen: "Geliebter Führer, Du kannst endlich gehen." In Richtung Abfallhaufen der Geschichte, meint Manfred Bleskin.

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Nordkorea hat seinen zweiten Atomtest bestätigt. Das Satellitenbild zeigt die Atomanlage Yongbyon. (Foto: dpa)

Mit seinem zweiten, diesmal durchgängig erfolgreichen, Atombombenversuch hat sich Nordkorea endgültig in der Riege der Nuklearmächte etabliert. Wie die irrwitzige Filmfigur von Stanley Kubrick sieht sich Machthaber Kim Jong Il von einer Verschwörung bedroht und ist bereit, dafür alles auf eine Karte zu setzen.

Die Bombe ist der letzte Schutzschild gegen den Zerfall eines Systems, das mit dem Anspruch angetreten war, das Leben der Menschen grundlegend zu verbessern, und zur Karikatur seiner selbst degeneriert ist. So makaber es klingt: Der Schutzschild ist wirksam. Ein Einmarsch à la Irak oder Afghanistan ist im Falle der Diktatur von Pjöngjang nicht möglich.

Kim handelt nach der bösen Logik des "Gleichgewichts des Schreckens" aus der Zeit des Kalten Kriegs. Der Unterschied besteht darin, dass es sich hier um ein "Ungleichgewicht des Schreckens" handelt, das wie sein "Vorbild" gleichwohl angetan ist, unzählige Menschenleben zu vernichten. Denn Nordkorea verfügt weder über eine Erst- noch über eine Zweitschlagskapazität. Aber selbst ein einziger Sprengkopf genügte, um binnen kurzer Zeit weit mehr als hunderttausend Menschen zu töten; die Zahl der Langzeitopfer wäre ähnlich hoch. Der nordkoreanische Sprengkopf besitzt eine Kraft von bis zu 20 Kilotonnen TNT, die US-Bombe auf Hiroshima hatte 15 Kilotonnen.

Das nordkoreanische Regime hat mit dem Test wie schon zuvor im April mit dem Start einer Langstreckenrakete nicht nur seine erklärten Gegner im Westen brüskiert, sondern auch Russland und vor allem China in die Bredouille gebracht. Außer einer neuerlichen Verurteilung Pjöngjangs und einer möglichen weiteren Verschärfung der Sanktionen wird aber auch der auf Moskauer Initiative einberufene UN-Sicherheitsrat nichts beschließen können. Der einzige Weg ist der von Verhandlungen im Rahmen der so genannten Sechsergruppe. Alles andere würde in ein regionales Massenmorden münden. Dr. Strangelove sagt am Ende des Films: "Mein Führer, ich kann wieder gehen." Es wird Zeit, dass die Nordkoreaner sagen: "Geliebter Führer, Du kannst endlich gehen." In Richtung Abfallhaufen der Geschichte.

Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.