Politik
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Montag, 08. Mai 2017

Weltpresse reagiert erleichtert: "Der Sieg von Macron rettet Europa"

Emmanuel Macrons Triumph bei der Präsidentenwahl in Frankreich nimmt die internationale Presse mit Freude und Erleichterung auf. Die Kommentatoren werten den Wahlausgang als Sieg für die EU. Deren Existenzkrise sei damit jedoch noch lange nicht überwunden.

Die Kommentatoren des Guardian geben sich unmittelbar nach Emmanuel Macrons Sieg erleichtert: "Jedes andere Ergebnis wäre eine europäische Katastrophe gewesen, und ausnahmsweise - Gott sei Dank - lagen die Meinungsumfragen richtig. Emmanuel Macron hat Marine Le Pen beiseite gefegt, um Frankreichs nächster Präsident zu werden." Dennoch warnt die britische Zeitung vor allzu großer Euphorie: "Er hat nun fünf Wochen Zeit bis zur ersten Runde der Parlamentswahlen, die ihn zu einem präsidentiellen Gefangenen einer feindlichen Nationalversammlung in einer Kohabitation machen könnten, die sich Frankreich kaum leisten kann. Letztlich besteht seine Herausforderung nun darin, Wahlkampf in Regieren und Slogans in Taten umzusetzen."

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"Europa atmet auf", heißt es bei der belgischen Zeitung De Standaard. "Die Angst vor einer populistischen Woge, die einen Dominostein nach dem anderen zum Umfallen bringt", hat sich laut der Zeitung nicht bewahrheitet. "Nach Österreich und den Niederlanden hat nun auch Frankreich sich gegen den Sprung ins Unbekannte entschieden. In Italien tritt Matteo Renzi wieder in Erscheinung und in Deutschland hat Angela Merkel offensichtlich die Dinge unter Kontrolle. Die meisten ökonomischen Indikatoren stehen, erstmals seit fast zehn Jahren, endlich wieder auf Grün. Anzeichen für einen gemeinsamen Versuch, die Europäische Union politisch wieder in die Spur zu bringen, sind knapp ein Jahr nach dem tragischen Brexit-Referendum erneut vorhanden. Und doch ist der Kampf um die Herzen und Köpfe der Europäer noch lange nicht gewonnen. Das Risiko ist groß, dass das Establishment erleichtert aufatmet und weitermacht wie bisher."

Auch La Repubblica jubiliert über Macrons Triumph: "Der Sieg von Macron rettet Europa, mit Le Pen als Präsidentin wären die Tage gezählt gewesen. Aber diese Geschichte der Rettung muss erst noch geschrieben werden [...]. Die Glückwunschschreiben, die umgehend von Merkel, Juncker und Gentiloni verschickt wurden, zeugen von einer nachvollziehbaren Erleichterung über die Tatsache, dass Frankreich im Herz Europas bleiben wird." Für die italienischen Kommentatoren ist Macrons Sieg jedoch keine Garantie dafür, "dass die Vision des neuen französischen Präsidenten über die Zukunft der EU zwangsläufig mit der seiner wesentlichen Gesprächspartner übereinstimmen wird."

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Die New York Times beschreibt den Triumph von Macron als "mächtige Erleichterung für jeden, der Angst gehabt hatte, dass Frankreich das nächste Land werden könnte, das der durch westliche Demokratien schwappenden Welle von Populismus, Nationalismus und Anti-Globalisierung erliegen könnte". Laut der US-Zeitung liegen nun aber "beträchtliche Herausforderungen" vor Macron: "Er übernimmt eine tief gespaltene Nation [...]. Dass eine Rechtsaußen-Nationalistin wie Frau Le Pen die zweite Runde der Wahlen vor den etablierten Parteien erreichen konnte und dann mehr als ein Drittel der Stimmen bekommt, war ein schonungsloser Beweis für die Hoffnungslosigkeit der Vergessenen. In seiner Siegesrede [...] räumte Macron die Spaltung der französischen Gesellschaft ein und beschwor mehrfach die immense Aufgabe, die vor ihm liegt. Diese beginnt unmittelbar."

Nach Meinung der französischen Tageszeitung Libération hat die Hoffnung bei der Präsidentenwahl gesiegt: "Am Ende hat ein bestimmtes Freiheitsideal überdauert. Dank dieser Wahl hat man gesehen, dass man dem Aufstieg des Nationalpopulismus widerstehen kann. Eine beispiellose Kampagne hat auf paradoxe Art geendet: Ein Land, von dem man sagt, dass es überaltert, nostalgisch, abgeschottet und bitter ist, bringt einen Mann von 39 Jahren und ohne politische Vergangenheit an die Macht, der in Europa verliebt und von der Weite des offenen Meeres fasziniert ist. Ein junger Neuling ist der erste Mann Frankreichs: Jetzt muss er sich noch in die Rolle einfinden."

Die Times bezeichnet den Sieg von Macron zwar als "überzeugend", doch die unterlegene Kandidatin sitzt dem künftigen Präsidenten laut dem Londoner Blatt weiter im Nacken: "Die Niederlage von Marine Le Pen scheint fürs Erste darauf hinzudeuten, dass der Trumpsche Populismus seinen Höhepunkt überschritten hat. Insbesondere, da sie auf eine recht ähnliche Niederlage von Geert Wilders im März in den Niederlanden folgte. Jedoch muss Macron dem französischen Volk nun zeigen, dass er die Alternative ist, auf die es gewartet hat. Gelingt ihm das nicht, steht Marine Le Pen - oder vielleicht auch ein anderer Le Pen - bereit."

Laut dem britischen Independent hat sich die Wahlverliererin die Niederlage selbst zuzuschreiben. "Marine Le Pen hatte geprahlt, dass Frankreich dem triumphalen populistischen Vorbild des Brexits und des Sieges von Donald Trump folgen würde. Doch ihre harsche und negative Wahlkampagne, die auf Widerstand gegen die EU, gegen Immigration und gegen Elitendenken setzte und zugleich für einen aggressiven Nationalismus eintrat, wurde von den Wählern nachdrücklich zurückgewiesen."

Zusammengestellt von Christoph Rieke

Quelle: n-tv.de

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