Politik

Fußball-WM in Russland und Katar: "Kommerz und Korruption haben gesiegt"

Die Fußball-WM findet 2018 im Riesenreich Russland und 2022 im Zwergenstaat Katar statt. Mit der Vergabe setzt die Fifa wieder einmal aufs große Geld. Blatter und Co treiben die Kommerzialisierung der schönsten Nebensache der Welt weiter voran, urteilt auch die Presse, sie gehen dahin "wo für sie der Rubel rollt".

Das Computerbild zeigt das Doha Port Stadium in Katar.
Das Computerbild zeigt das Doha Port Stadium in Katar.(Foto: dpa)

Damit habe "die Altherren-Riege des Fußball-Weltverbandes Fifa ein überraschendes Votum abgegeben", konstatiert die Märkische Allgemeine. Es sei wohl kein Zufall, dass beide Länder über viel Öl verfügen und der Fifa im Vorfeld der Abstimmung Millionen-Gewinne in Aussicht gestellt haben, bemerkt das Blatt aus Potsdam und weiter: "Mit beiden Ausrichtern erschließt der Weltverband neue Märkte. Womöglich überwog dieser Vorteil die offensichtlichen Nachteile. In Russland sind die Flug- und Zugverbindungen schlecht, die Distanzen zwischen den Spielorten aber riesig. In Katar kann das Thermometer im Sommer auf bis zu 50 Grad steigen. Es mangelt zudem an Fußball-Tradition... Nun steht Russland im Fokus. Hoffnung auf höhere demokratische Standards macht das aber nicht. In China hat das bei Olympia 2008 auch nicht geklappt.

Die Glaubwürdigkeit der Fifa ist schwer erschüttert, stellt der  Fränkische Tag fest und rät zu einer "Strukturreform". Das, so das Blatt aus Bamberg, würde der Weltregierung des Fußballs gut tun: "Mehr Transparenz im Geschäftsgebaren, und neues, am besten hauptamtliches Personal sind dazu die Grundvoraussetzungen. Doch solange der allmächtige Joseph Blatter an der Spitze des Männerbundes steht, wird sich bei der Fifa nichts ändern. Das hat sich auch gestern wieder gezeigt. Die Fifa geht dorthin, wo für sie der Rubel rollt!

Fußball-WM 2022 in Katar - "ein Alptraum statt eines Sommer-Märchens",  schreibt die Bild-Zeitung und erinnert daran, dass es in dem Mini-Staat am Golf "viel Wüste gibt und mit Doha eine Stadt, die noch ein bisschen kleiner ist als Duisburg". "Hier sollen im Umkreis von 20 Kilometer (!) zwölf vollklimatisierte Stadien gebaut werden, kommentiert das Blatt. Draußen herrschten bis zu 50 Grad und es gebe nicht einmal Bier. Es liege der Verdacht mehr als nahe, dass die Seele des Fußballs gegen harte Öl-Dollar verkauft wurde. Kommerz und Korruption haben gestern in Zürich über den Sport gesiegt." Deshalb gibt es für das Blatt nur eine Lösung: "Fifa-Präsident Sepp Blatter, der dies zumindest nicht verhindern konnte, muss sofort zurücktreten! Denn unter seiner Regie wurde unser schöner Fußball in die Wüste geschickt."

Die Lübecker Nachrichten sehen das ganz ähnlich: "Dass Katar den Zuschlag für 2022 bekommt, ist ein Skandal, kommentiert das Blatt und fordert Blatters Rückzug. Es sollte der letzte Skandal sein, für den Verbandspräsident Sepp Blatter und seine Corona, im Dunste von Korruption und Vetternwirtschaft, verantwortlich zeichnen." Katar und die anderen Emirate hätten es zuletzt immer wieder verstanden, so das Blatt, große Sportevents in ihre Wüste zu kaufen. Aber ob Tennis, Fußball oder Formel 1 da springe kein Funke über. Denn: "Bei 50 Grad Außentemperatur erfrieren in Sport-Kühlhäusern die Emotionen. Und die gehören vor allem bei einer Fußball-WM dazu. Fröhliche, bunte Bilder wie aus Südafrika, Fanfeste wie in Deutschland vergessen wirs. 2022 werden fürchterlich sterile Spiele. Die Fifa hat ihr einziges Gut, den Fußball, verraten und verkauft."

Extremer hätte das Votum in Zürich nicht ausfallen können, urteilt auch die Märkische Oderzeitung aus Frankfurt/Oder: "Hier das Riesenreich mit seinem zweifellos großen Potenzial, aber auch ebenso großen gesellschaftlichen Problemen, dort ein Zwergstaat mitten in der Wüste, von dem viele gar nicht wissen werden, wo er überhaupt liegt." Schon jetzt dürfe man sehr gespannt darauf sein, wie Fußball bei 50 Grad im Schatten funktionieren wird. Ganz klar ist: "Im Milliardenspiel Fußball hat wieder einmal das große Geld den letzten Ausschlag gegeben. Russland sowie Katar und damit im weitesten Sinne der arabische Raum sind für die Fifa noch unerschlossene Gebiete. Neue Märkte mit riesiger Finanzkraft. Es dürfte daher nicht abwegig sein zu sagen: Die Millionen von Gazprom und die der Scheichs haben die gestrigen Entscheidungen der Fifa-Oberen bestimmt."

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Quelle: n-tv.de

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