Politik

Manipulations-Skandal beim ZDF: "Nichts zu flach, um Quote zu machen"

ZDF-Unterhaltungschef Oliver Fuchs tritt zurück und zieht damit die Konsequenzen aus dem Skandal um manipulierte Umfrageergebnisse. Auch die Unterhaltungssendung "Deutschlands Beste", in der die gefälschten Umfrageergebnisse präsentiert wurden, wird eingestellt. Fuchs selbst soll laut einer internen Untersuchung des ZDF keine Kenntnisse von den Vorgängen gehabt haben. Die Presse mahnt die Öffentlich-Rechtlichen den Vorfall zum Anlass zu nehmen, ihr Konzept zu überdenken.

(Foto: dpa)

Der Mannheimer Morgen vergleicht die Manipulationen von Umfrageergebnissen der ZDF-Unterhaltungssendung mit den Ranking-Fälschungen beim ADAC: "Dass das ZDF die Rankings für "Deutschlands Beste" so massiv beeinflusste, ist ein Skandal. Er bringt nicht nur eine Sendung und einen einzigen Sender, sondern ein ganzes Rundfunksystem in Verruf." Daher wiege "dieser Betrug am Zuschauer" schwerwiegender als die Manipulationen beim ADAC. Hinzu komme beim ZDF außerdem, "dass das Prinzip der Zuschauerbeteiligung damit ad absurdum geführt wird nach dem Motto: Stimmen Sie ruhig ab, wir werden das Ergebnis gewiss verfälschen. Wer im Unterhaltungssektor so arbeitet, muss sich nicht wundern, wenn infolge dessen schließlich sogar noch die Glaubwürdigkeit der Nachrichtensendungen in Zweifel gezogen wird."

Die Nordsee-Zeitung aus Bremerhaven sieht die Ursache des Skandals in einer Kommerzialisierung der Fernsehlandschaft: "Offenbar ist nichts zu flach, um Quote zu machen. Den Grundstein zu dieser Entwicklung hat aber die Politik gelegt mit ihrer Entscheidung, das Fernsehen zu kommerzialisieren. Die Zulassung von RTL/Sat.1 und Co. zwang die Öffentlich-Rechtlichen in einen Wettbewerb, um gegenüber der Politik ihre Existenzberechtigung nachzuweisen. Dieser Druck hält bis heute an, wie die immer wieder aufflammende Diskussion über die Rundfunkgebühren zeigt."

"Das ZDF könnte den Moment der Einkehr nutzen, um darüber nachzudenken, ob derartige Shows überhaupt sein müssen", kommentieren die Lübecker Nachrichten. Eine Orientierung an den Privaten sei für ARD und ZDF nur selten von Erfolg gekrönt: "Das Debakel bei 'Deutschlands Beste' (...) zeigt: ARD und ZDF schaffen es nur in ganz seltenen Fällen, erfolgreiche Produkte aus dem Kommerz-TV ins vermeintlich staatstragende öffentlich-rechtliche Fernsehen zu übersetzen, ohne dabei zu stolpern und lang hinzuschlagen. Vielleicht wendet sich insofern etwas zum Besseren beim ZDF, als man sich darauf besinnt, was man kann. Und was die eigentliche Aufgabe ist. Ranking-Shows gehören ganz offensichtlich nicht dazu."

Der Nordkurier äußert sich besonders hinsichtlich der Rundfunkgebühren enttäuscht über die Manipulationen beim ZDF: "Monat für Monat zahlt der deutsche Fernsehzuschauer eine Zwangsabgabe für ARD, ZDF und Deutschlandradio im Glauben, er erhalte etwas Besseres, Informativeres, Kulturelleres, Fundierteres, handwerklich besser Gemachtes als es die Kommerzsender bieten. Doch weit gefehlt." Der Manipulationsskandal bei der ZDF-Show "Deutschlands Beste" beweise, "dass die Öffentlich-Rechtlichen keinen Deut anders sind als RTL, Sat.1, Pro-Sieben und Co". Nur würden die Privaten im Gegensatz zu den Öffentlichen keinen Hehl daraus machen, dass viele ihrer Unterhaltungsformate erfundene, vom Drehbuch vorgegebene Handlungen abbilden: "In dieser Hinsicht arbeiten sie sogar sauberer als das ZDF. Dort weiß der Zuschauer, was er bekommt. Darüber hinaus muss er für den Schmonzes keine Haushaltsgebühr abdrücken. Er kann sich dafür oder dagegen entscheiden."

"Bei einem Privatsender wäre der Aufschrei über die Manipulation wohl kaum so groß gewesen", schreibt auch die Frankfurter Neue Presse: "Jeder weiß, dass hier Quoten- und Kostendruck regieren, kein gesellschaftlicher Auftrag erfüllt wird. Bei einem öffentlich-rechtlichen Sender allerdings wiegt der Betrug schwer. Denn wer vom Zuschauer Gebühren nimmt, sollte ihn ernst nehmen." Die öffentlichen Rundfunkanstalten sollten sich, so die Zeitung weiter, wieder auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: "Zu oft ahmen die Öffentlich-Rechtlichen private Unterhaltungsformate schlecht nach, statt sich auf ihre eigentlichen Aufgaben und Stärken zu besinnen: etwa gut recherchierte Reportagen wie die der ARD über Amazon oder Ferkeltötungen. Damit ist der Aufklärung gedient, haben die Gebühren einen Sinn." In der Folge des ZDF-Skandals zweifle der Zuschauer nun aber zu Recht an den Zwangsabgaben: "Denn bei allen Pseudo-Mitentscheidungen bleibt ihm die wichtigste Abstimmung leider verwehrt: die über die Verwendung seiner Rundfunkgebühr."

Zusammengestellt von Aljoscha Ilg.

Quelle: n-tv.de

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