Politik

Studie zur Internetsucht: "Schrille Alarmrufe" sind unangemessen

Surfen, Chatten, Spielen - für rund 560.000 Deutsche ist das nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern eine Sucht. Besonders gefährdet sind einer Studie zufolge junge Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren. Ist das Internet also generell ein Teufelszeug? Nein, finden die Zeitungskommentatoren. Aber der richtige Umgang will gelernt sein.

Ein Mann spielt das Onlinespiel "War Rock".
Ein Mann spielt das Onlinespiel "War Rock".(Foto: dapd)

"Natürlich gibt es Menschen, die vor allem in Onlinerollenspielen die Kontrolle über sich und die Zeit verlieren. Ihnen muss wie anderen Spielsüchtigen geholfen werden. Aber nur weil sich immer mehr Kommunikation im Netz abspielt, heißt das noch lange nicht, dass das Netz krank macht", meint die Märkische Oderzeitung. Die Zeitung aus Frankfurt/Oder kritisiert die Studie, die "den Charme von kulturpessimistischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die in Auftrag gebende Drogenbeauftragte und die beauftragten Forscher" ausstrahle. "Sonst müsste auch die Sportsucht von Leistungssportlern untersucht werden, die vor lauter Training alte Sozialkontakte aufgeben. Oder die Büchersucht von Bibliophilen, die stundenlang ohne Sozialkontakt vor sich hin lesen."

Der Schwarzwälder Bote sieht ebenfalls keinen Grund zur Sorge: "Die Online-Jugend wird kapieren, dass sie mit Menschen aus Fleisch und Blut weit mehr anstellen kann als mit Bits und Bytes bei Facebook." Das Blatt aus Oberdorf hat aber noch weitere Fragen: "Welches Krankheitsbild steckt eigentlich hinter Forschern, die uns jedes Hobby, das halbwegs Spaß bereitet, als krankhaft vorhalten? Ist das womöglich die unheilbare Spielverderber-Sucht?"

"Dass manche nicht mehr ohne können, ist offensichtlich." Aber auch die Ostsee-Zeitung aus Rostock hält "schrille Alarmrufe" für nicht angemessen, denn "anders als mit Alkohol, Tabletten oder Drogen ruiniert man sich vor dem Bildschirm nicht die Gesundheit. Und ob die Online-Manie dauerhaft anhält, weiß niemand. Das noch recht junge Internet ist nun einmal ein faszinierendes Kommunikationsmedium. Ob es in einigen Jahren noch genauso in den Bann zieht, bleibt abzuwarten. Junge Menschen zu einer kontrollierten Nutzung anzuhalten, ist richtig, Dramatisierung nicht. Computer und Internet nutzen zu können, sind heute Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben."

Deswegen fordert die Berliner Morgenpost auch Internetunterricht in der Schule: "Das Netz ist weder gut noch böse. Es ist ein Instrument wie ein Fernseher oder ein Buch. Wir brauchen Lehrer, die fit im Netz sind. Das eine sind Fortbildungen." Wichtiger aber sei es, dass die angehenden Lehrer an Hochschulen und im Referendariat darin ausgebildet werden, "das digitale Erwachsenwerden der Schüler zu begleiten. Wenn Lehrer nicht nur wissen, wie man ein Buch liest, sondern auch, was im Internet passiert, werden Schüler auch vor der Sucht im Netz geschützt. Wir brauchen das Schulfach Internet."

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Quelle: n-tv.de

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