Politik

Gewaltsame Proteste in Frankfurt: "Sie nahmen Tote in Kauf"

Brennende Autos und Gewaltexzesse: So hat sich die EZB die Feierlichkeiten zur Eröffnung ihres neuen Sitzes nicht vorgestellt. Kapitalismus-Kritiker zeigten sich in Frankfurt von ihrer gewaltbereiten Seite. Dafür werden sie nicht nur von den Sicherheitskräften, sondern auch von der Presse in die Mangel genommen.

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"... eine offene Gesellschaft muss scharfe Proteste und machtvolle Demonstrationen nicht nur aushalten, sie muss geradezu stolz auf sie sein", schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Dennoch seien die Proteste anlässlich der feierlichen Eröffnung des neuen EZB-Turms unverhältnismäßig und die Gewalt mit nichts zu rechtfertigen. In der Kritik steht besonders der hessische Linken-Abgeordnete Ulrich Wilken, der die Proteste angemeldet hatte. "Einem ... Neunzehnjährigen mag man die Naivität durchgehen lassen, er habe doch nur demonstrieren wollen, den Wilkens und Genossen aber nicht. Sie wussten genau, was sie taten. Sie nahmen Tote in Kauf. Erst brennen die Streifenwagen, dann die Menschen".

Die Nürnberger Zeitung nimmt hingegen EZB-Chef Mario Draghi in die Pflicht. Er hätte "bereits im Vorfeld deeskalieren können", stellt das Blatt fest und setzt fort: "Statt mit illustren Gästen Einweihung zu feiern, hätte die EZB-Belegschaft schlicht und einfach die Arbeit im turmhohen Glaspalast beginnen sollen - zu tun gibt es in Zeiten der Eurokrise ja genug".

"Einen derartigen Ausbruch von Gewalt hat Frankfurt noch nie erlebt", erinnert sich die ortsansässige Frankfurter Rundschau. Sie zeigt zwar Verständnis für die Anliegen der Protestierenden, doch "so berechtigt diese Wut auch sein mag - jeder Demonstrant, der sie in Gewalt münden ließ, hat sein politisches Anliegen gezielt verraten." Für die Kritiker des Kapitalismus sei das fatal, denn "die Rauchschwaden über der Stadt haben die Werte einer kapitalismuskritischen Bewegung nicht nur vernebelt - sondern erstmal verschluckt".

Die Schwäbische Zeitung aus Ravensburg vergleicht die Blockupy-Proteste aus Frankfurt gar mit denjenigen der Pegida-Bewegung und attestiert: "Doch beide sind von tumben, unguten Gefühlen gesteuert, beide sind konzeptlos und politikunfähig. Beide Bewegungen sind im Grunde antidemokratisch und antirechtsstaatlich. Wehe dem Land, in dem Wutbürger an die Schalthebel der Macht gelangen!"

Einen Schritt weiter geht der Bonner Generalanzeiger und setzt den Vergleich nicht bei Pegida, sondern beim rechten NSU-Terrorismus an. "In den vergangenen Monaten ist viel über den Rechtsterrorismus gesprochen worden. Nach den NSU-Morden war diese Debatte überfällig. Dass es auch auf der linken Seite des Spektrums ein radikales und gewaltbereites Potenzial gibt, ist dabei offenbar ein wenig aus dem Blick geraten." Dabei sollten nicht nur die Einsatzkräfte die Augen offenhalten und vorbereitet sein. Gefordert sei "die ganze Gesellschaft".

Die Kritik an der linken Protestkultur treibt Die Welt auf die Spitze, wenn sie behauptet: "Die linken Anführer der Republik sind in Politik wie Medien Bürgerkinder, Millionenerben, moralische Selbstbeglücker, die als Gute gegen das Böse kämpfen wollen. Ihr Politikverständnis ist romantisch. Sie glauben, Randale und Rabatz an symbolischen Orten wären der Beginn von etwas ganz Großem." Die einzigen "Arbeiterkinder" seien aber in den Reihen der Polizei zu finden, gegen die Steine geworfen werden. "So geht Klassenkampf", stellt das Springer-Blatt zynisch fest.

Zusammengestellt von Katja Belousova.

Quelle: n-tv.de

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