Ratgeber
Video

Geplanter Verschleiß?: Eingebauter Murks bei Technik-Geräten

Von Franziska Schmidt

Eingebauter Murks bei Waschmaschinen, Druckern oder Kaffeemaschinen? Was immer als Gerücht kursierte, soll jetzt endlich mal geklärt werden. Da haben sich sogar die Grünen eingemischt und ein Gutachten erstellen lassen. Technik mit eingebautem Verfallsdatum - Legende oder Tatsache?

Eben noch gekauft und schon wieder kaputt – zufällig kurz nach Ablauf der Garantie. Dass dahinter eine Masche der Technik-Industrie steckt, vermuten viele: Geplante Obsoleszenz nennen Fachleute das Phänomen.

Beispiel Waschmaschine

Hielt sie früher 20 Jahre, ist heute auch bei Qualitätsprodukten nach sieben Jahren Schluss. Elektromeister Georg Dimitrow: "Besonders der Waschbottich bei Waschmaschinen geht häufiger kaputt oder ist ein Schadensfall, da der vorwiegend aus Kunststoff gefertigt wird."

Beispiel Tintenstrahldrucker

Viele Kartuschen sollen ein regelrechtes Verfallsdatum eingebaut haben, kritisiert Stefan Schridde, vom Internetportal "Murks, nein danke": "Die Zahnräder zählen runter bis 15 tausend Seiten und dann meldet die Kartusche sie sei leer. Tatsächlich ist es aber so: dieser Zähler ist schon dreimal zurück gedreht worden und die druckt immer noch!"

Beispiel Handys oder Tablets

Nirgendwo lassen sich absichtlich eingebaute Lebenszeitbegrenzer so leicht verstecken wie in Produkten, die programmiert werden müssen, urteilt Theodor Krall vom Kölner Reparaturservice Phonecare: "Ich hab schon den Eindruck, dass die Geräte so konstruiert sind, dass sie halt doch kaputt gehen."

Die geplante Obsoleszenz hat jetzt auch die Politik auf den Plan gerufen: Die Grünen haben den vorzeitigen Verschleiß in einer Studie untersuchen lassen. Ergebnis: 100 Millionen Euro zahlen die Deutschen dafür pro Jahr, sagt Nicole Maisch verbraucherpolitische Sprecherin von Bündnis '90 / Grüne: "Für die Verbraucher bedeutet das natürlich, dass sie mehr Geld ausgeben, weil wenn der Rasierer nur noch sechs Jahre anstatt zehn hält, dann gibt man mehr Geld aus für neue Produkte. Ressourcenmäßig ist es ein Problem, dass wir Knappheit an bestimmten Produkten wie Koltan, seltene Erden, bestimmte Metalle haben. Und aus umweltpolitischer Sicht wird der Müllberg größer und größer."

Politik und Kritiker auf dem Plan

Als Kronzeuge für die Grünen fungiert Stefan Schridde. Er ist kein unbekannter Kritiker: Auf seinem Internet-Portal MURKS NEIN DANKE melden Verbraucher seit Jahren Hinweise auf Produkte, die scheinbar zu früh kaputt gehen: "Besonders überrascht hat mich, dass gerade auch bei führenden Markenherstellern solche Fehler auftauchen, also auch die, die sich eigentlich im Markt im mittleren Segment mit Qualitätsargumenten bewähren wollen, in ihren Produkten so bauen, dass sie auf kurzzeitige Nutzung angelegt werden."

Aber auch die Verbraucher sind vielleicht nicht ganz unschuldig an der geplanten Obsoleszenz: Geht das alte Produkt kaputt, leisten sie sich eben schnell das neueste Gerät. Theodor Krall repariert jeden Tag kaputte Tablets oder Smartphones. Er kennt viele Sollbruchstellen in Hightech-Produkten, fest verbaute Akkus sind für ihn nur ein Beispiel:

"Hier haben wir von der Firma Apple ein Display vom iPhone4. Und im Gegensatz zu den vorherigen Modellen, wo man halt diese Scheibe, die ja meistens kaputt geht, separat reparieren kann, ist hier direkt das ganze Display als Kompletteinheit fällig. Und das ist natürlich weder günstig für den Kunden noch besonders umweltfreundlich."

Die Murks-Masche der Hersteller funktioniert wohl so, auch wenn sie es bestreiten. Für so manchen Wissenschaftler ist der geplante Verschleiß pures Kalkül, sagt Marketing-Experte Klaus-Peter Wiedmann: "Der wichtigste Aspekt ist natürlich einfach Umsatzsteigerung. Das heißt Unternehmen sind natürlich ein Stück weit gezwungen, zu wachsen. Und wenn wir Sättigungserscheinungen haben, müssen Firmen schauen, wie sie ein Wachstum erzeugen. Und das macht man natürlich zum Beispiel durch geplante Obsoleszenz."

Thomas Meier vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie wehrt den Vorwurf ab: "Wir als ZVEI haben keine Hinweise, Indizien dafür, dass es tatsächliche Fälle für den bewussten, vorzeitigen Verschleiß von Elektrogeräten gibt. Wir stellen im Gegenteil fest, Elektrogeräte sind langlebig, sind gekennzeichnet durch eine hohe Qualität."

Und wer hat jetzt recht? Christian Wölbert vom Computermagazin c’t beobachtet die Diskussion schon lange. Auch er findet die Kritik an den Herstellern berechtigt, weil sie in immer kürzeren Abständen neue Modelle auf den Markt bringen. Die Schuld trifft sie aber nicht allein: "Da könnte die Politik nachbessern. Zum Beispiel bei den fest eingebauten Akkus ist es ja so, dass es eine gesetzliche Regelung gibt. Die ist aber so ausgestaltet, dass die Hersteller keine Strafen befürchten müssen, wenn sie die Akkus fest einbauen, obwohl der Gesetzgeber gesagt hat, die Akkus sollen wechselbar sein."

Produkte ohne eingebaute Sollbruchstellen

Auch das Umweltbundesamt beschäftigt sich schon länger mit dem Thema. Geplant ist eine eigene Studie, doch Ergebnisse sollen erst Ende des Jahres kommen. Bis sich etwas ändert, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. So lange müssen Verbraucher aber nicht warten. Mit ein paar Tipps kriegen Kunden ein Produkt auch ohne eingebaute Sollbruchstellen, rät Verbraucherschützer Philip Heldt aus Nordrhein-Westfalen: "Also wichtig ist es, erst mal zu schauen, ob es schon irgendwelche Tests gibt von den jeweiligen Produkten, wie lange die halten. Dann im Freundeskreis immer mal nachfragen, ob schon jemand Erfahrungen mit dem Produkt gemacht hat. Gucken, ob es vielleicht auch Produkte mit dem Blauen Engel gibt, die sind auch meistens langlebiger. Und dann im Laden selbst nochmal schauen, hat das Produkt Schrauben, die ich öffnen kann, so dass ich da unter Umständen selbst eine Reparatur oder einen Akkuwechsel vornehmen kann."

Und auch wenn der Laptop streikt, muss es nicht gleich eine teure Reparatur sein: In vielen deutschen Städten gibt es inzwischen so genannte Repair-Cafés. Dort helfen sich Verbraucher gegenseitig, reparieren gemeinsam Elektronik-Produkte, schildert Alexander Speckmann vom Kölner Repair-Café: " Nachhaltigkeit, weniger weg schmeißen und auch Selbstbewusstsein von Verbrauchern stärken, das ist unser Ziel."

Eingebauter Verschleiß bleibt schwer nachzuweisen. Verbraucher können Herstellern aber trotzdem ein Schnippchen schlagen: Einfach reparieren statt wegwerfen...

Quelle: n-tv.de