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Donnerstag, 17. April 2014

Der schöne Schein trügt: Fake-Bewertungen im Internet

Wenn andere das Hotel klasse fanden oder das Smartphone spitze - muss da ja was dran sein, denken viele von uns, wenn sie Produkt oder Service-Bewertungen im Internet lesen. Aber Vorsicht ! Experten schätzen, dass ein erheblicher Teil der Einträge gefälscht ist - zum Teil produziert von Profis, die engagiert werden, um uns Verbraucher an der Nase herumzuführen.

Brillant oder hochwertig – solche Produktbewertungen klingen verlockend. Denn beim Online-Shopping kann man die Produkte weder anfassen noch ausprobieren. Auch im Hotel ist vorher Probeliegen nur schwer möglich. Deshalb setzen viele auf die Meinung anderer. Auch wenn der ein oder andere skeptisch ist, für immer mehr sind Online-Bewertungen eine große Entscheidungshilfe. Das spürt auch Ender Rasit. Er führt ein kleines Hotel in Köln. Viele Sterne bedeuten für ihn auch viele Buchungen: "Mittlerweile wird fast ausschließlich online gebucht. Die Zahl der Online Buchungen ist enorm gewachsen. Wir können uns im Grunde nicht erlauben, so viele negative Bewertungen zu erhalten, da dann die Wahrscheinlichkeit da ist, dass die Buchungen zurückgehen."    

Bewertungen sind also mittlerweile eine wichtige Währung im Online-Handel. Doch bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erfahren wir von Boris Wita, dass 20 bis 30 Prozent davon eine dreiste Lüge sind. Es gibt Agenturen, die ihr Geld damit verdienen, positive Fantasie-Bewertungen zu schreiben.  Erstmals liegt den Verbraucherschützern jetzt der Arbeitsvertrag einer solchen  Agentur vor.  1800 Euro im Monat – fürs Fälschen im Home-Office: “Wir können zumindest darauf schließen, dass es hier eine professionelle  Struktur gibt. Aufgrund dieses Vertrages müssen wir jetzt davon ausgehen, dass es hier eine ganze Branche gibt, die damit Geld verdient, hier möglichst positiv zu bewerten."

Loben unter falscher Identität

Einige Agenturen verfassen die Bewertungen selbst, andere beauftragen externe Schreiber. Wie die vorgehen sollen, steht in dem Vertrag ganz genau, weiß Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein: "Ja es liegt hier richtig eine Bedienungsanleitung vor zum Fälschen. Es ist so aufgebaut, dass hier tatsächlich Ziele vorgegeben sind, wie viele Bewertungen, auf welchen Portalen ... und auch tatsächlich was da teilweise geschrieben werden soll."

Die Jobbeschreibung: Bei neun Online-Portalen sollen sie Produkte loben. Dafür soll sich der Autor falsche Identitäten zulegen. Im Leitfaden steht, es sei  “ (…) erforderlich, für jede abzugebende Bewertung ein neues E-Mail Postfach anzulegen!“ und “ Bei Gesamtbewertung geben Sie 5 von 5 möglichen Sternen an.“

Produktbewertungen Fälschen ist verboten. Unlauterer Wettbewerb – trotzdem gibt es sie. Aber: Sind erfundene Bewertungen tatsächlich so einfach zu platzieren? Wir machen die Stichprobe. Wir bewerten eine Kaffeemaschine, außerdem ein Restaurant und posten eine Hotelbewertung.

Wir schreiben in allen Foren positive Bewertungen. Geben die volle Punktzahl – so wie es ein professioneller Fälscher tun würde. Bei der Kaffeemaschine machen wir es ganz offensichtlich. Wir loben wir den geringen Spritverbrauch – das sollten die Portale auf jeden Fall herausfinden.  Die meisten geben an, die Texte nach einer gewissen Zeit zu veröffentlichen. Wir sind gespannt, wie viele Bewertungen online gehen. Schauen später nach.

Nicht alle Fake-Bewertungen fliegen auf

In der Zwischenzeit treffen wir Dirk Baranek von restaurant-kritik. Er zeigt uns ein Beispiel für eine Falschbewertung:  “Also hier haben wir den Versuch eines Gastronoms, vermutlich, der eine Lobhudelei, eine nicht-authentische Bewertung, textidentisch auf verschiedenen Plattformen eingestellt hat. Das heißt man könnte als Nutzer es zum Beispiel so machen, wenn eine Bewertung zu gestelzt erscheint, man kopiert einfach mal den ganzen Satz aus der Bewertung raus, kopiert es in die google Suche rein, und guckt mal, taucht dieser Satz noch sonst wo im Netz auf und wenn man dann noch x Seiten irgendwo hat, dann weiß man, ist nicht authentisch.“

Fake-Bewertungen also schlummern also überall und es gibt Möglichkeiten Sie zu entdecken, aber eben auch nicht alle. Das belegt auch unsere Stichprobe: Lediglich billiger.de und holiday.check habe unsere Bewertungen entdeckt. Selbst unsere vollkommen offensichtliche Fälschung - mit dem geringen Spritverbrauch - steht bei drei von vier Portalen immer noch online. Längst gibt es übrigens schon ganz legale Wege, wohlwollende Produktbewertungen unters Volk zu bringen.

Testen, ausprobieren und behalten und im Gegenzug viele Sterne einkassieren. Für die Unternehmen ist das eine lohnende Praxis. Und wo Bewertungen zu einem mächtigen Marketing-Instrument heranwachsen, sind Fälschungen nicht weit. Es gibt aber einige Tricks, wie Verbraucher die entlarven können, weiß Bernhard Rohleder, BITKOM Hauptgeschäftsführer: "Lassen Sie sich nicht ein x für ein u vormachen und überprüfen Sie jeden einzelnen Eintrag, ob er mehr im Werbesprech formuliert ist oder ob er authentisch formuliert ist. Schauen Sie, ob es möglicherweise weitere Belege dafür gibt, dass eine Bewertung authentisch kritisch oder authentisch positiv ist, zum Beispiel Fotos oder gleichlautende Bewertungen von anderen Autoren."

Das heißt also: Wer ganz sicher gehen will, sollte sich nie auf einzelne Bewertungen verlassen, sondern zusätzliche Einträge lesen. Das A und O ist ein kritischer Blick und die Einsicht, dass man eben nicht jede Bewertung für bare Münze nehmen darf.

 

               

 

Quelle: n-tv.de