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Rendite mit Sonnenenergie: Rechnet sich die Solaranlage?

Momentan scheint es ja so, als ginge es mit der Energiewende nicht so richtig voran. Der Ausbau der Solarenergie macht da keine Ausnahme. Fördermittel stehen auf der Kippe und die Zeiten, in denen sich mit einer neuen Anlage auf dem Dach prächtige Renditen erzielen ließen, sind längst vorbei. Doch lohnt sich der Kauf einer eigenen Solaranlage überhaupt nicht mehr? Wir wollten es genau wissen und haben uns bei Experten umgehört.

Christian Mauch liebt es, wenn die Sonne scheint. Nicht wegen des Teints. Sondern weil er dann Geld spart. Denn auf dem Dach seines Hauses im Norden von Berlin produzieren fast 60 Solar-Module jede Menge Strom: "Grundsätzlich speise ich ins Netz ein, alles was ich nicht selbst verbrauche. Da ich an einem Tag wie heute etwa 70 KWh erzeuge und nur etwa 10 KWh selbst verbrauche, bleiben 60 KWh übrig, die ich ins Netz speise. Sonst würde sich das Ganze auch nicht für mich rentieren."

Im Jahr produziert Christian Mauch etwa 10.000 Kilowattstunden. Davon verbraucht er selbst 1.300, die er also nicht beim lokalen Netzbetreiber kaufen muss. Bei einem aktuellen Strom-Preis von 28 Cent pro Kilowattstunde, spart er damit schon einmal jährlich 360 Euro.

Einspeisevergütung deutlich gesunken

Seine ungewöhnlich große Anlage mit umfangreicher Technik hat allerdings 25.000 Euro gekostet. Um Solar-Anlagen schneller zu refinanzieren, speisen Solar-Anlagen-Betreiber nicht benutzten Strom ins Netz, auch wenn es dafür aktuell nur 13 Cent pro Kilowattstunde gibt: "Die Einspeisevergütung war ursprünglich mal viel höher als der Preis für den Strom, den ich einkaufe. Deshalb hat man bis vor wenigen Jahren den Strom ausschließlich ins Netz eingespeist. Inzwischen ist die Einspeisevergütung deutlich niedriger als der Strompreis. Und deshalb lohnt es sich den Strom selber zu verbrauchen.", so Solaranlagen-Experte Thomas Seltmann.

Sinkt die Einspeisevergütung weiter, würden es nur noch Sinn machen, kleinere Anlagen aufs Dach zu schrauben, die weniger kosten und genau so viel Strom erzeugen, wie man selbst verbraucht. Also Solar-Strom nur noch als Selbst-Versorgung. Pro Kilowatt Anlagen-Leistung kosten Photovoltaik Anlagen derzeit etwa 1.500 Euro – wenn man sich für ein deutsches Modell entscheidet. Asiatische Anbieter liefern günstiger.

Solaranlagen für den Balkon

Wer kein eigenes Hausdach hat oder eine kleinere Anlage möchte, für den könnten Mini-Photovoltaik-Varianten die Lösung sein. Günther Harder aus Norderstedt hat sich gerade zwei Solar-Module als Balkon-Photovoltaik-Anlage angeschafft: "Das war eben für den Balkon konzipiert und nicht für die Gesamtversorgung, sondern für die Unterstützung. Also das man einen Teil des Gesamt-Bedarfes damit abdeckt."

Der Anschluss eines Balkonkraftwerks an den hauseigenen Stromkreis erfolgt über handelsübliche Stecker. Ein hohes Risiko heißt es vom Verband der Elektrotechnik. Davon ist auch der Bund der Energie-Verbraucher überzeugt: "Steckdosen-Stromkreise im Haushalt sind nur dafür ausgelegt, dass Strom aus den Steckdosen entnommen wird. Da beides in der Unterverteilung befinden sich Leitungsschutzschalter, die den Strom, der durch die Leistungen fließt, messen. Die Gefahren reichen hier von einem elektrischen Schlag bis hin zur Brandgefahr.", so Louis-F. Stahl vom Bund der Energieverbraucher.

Ein zusätzlicher Schutz ist nachrüstbar – kostet aber extra. Anbieter von Plug-In-Kraftwerken sehen die Kritik allerdings gelassen: "Wir reden hier von Leistungen zwischen 50 und 300 Watt bei sechs Modulen. Maximal. Die an der Steckdose auftreten können. Das sind Leistungen in der Größe eines Rasierapparats. Wir sehen dort keinerlei Gefährdung.", erklärt Holger Laudeley vom e.cube systems.

Wer sich ein Balkonkraftwerk anschaffen will, muss direkt beim Anbieter bestellen, erklärt Louis-F. Stahl vom Bund der Energieverbraucher: "Balkonkraftwerke die, die nötigen Schutzeinrichtungen eingebaut haben, beginnen bei 600 Euro und haben eine Leistung von 250 Watt. Gemessen auf die Leistung von einem Kilowatt entspricht das 2.500 Euro zusammen mit Montagematerial. Dachanlagen für Einfamilienhäuser kosten aber nur etwa 1.500 Euro pro Kilowatt."

Günther Harder ist trotzdem von seiner Anschaffung überzeugt. Denn die Mini-Varianten gibt es mit eingebautem Akku – das heißt eigene Stromversorgung – auch wenn die Sonne nicht mehr scheint.

Auch für Dachanlagen wären Speicher sinnvoll. Denn scheint die Sonne nicht, müssen auch Besitzer so einer großen Solar-Anlage ihren Strom aus dem Netz beziehen. Bereits entwickelte Speichersysteme würden laut Experten einen fast doppelt so hohen Eigenverbrauch möglich machen. Allerdings kosten die um die 6.000 Euro. "Es gibt aber eine Förderung in Form eines zinsgünstigen Kredits von der KfW Bank. Und da wird einem ein Teil dieses Darlehens erlassen als Zuschuss. Trotzdem rechnen sich diese Speicher in den meisten Fällen noch nicht. Wer warten möchte, die Anlagen werden in den nächsten Jahren sicher preisgünstiger.", so der Solaranlagen-Experte Thomas Seltmann.

Quelle: n-tv.de