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Die vierte Mobilfunk-Generation: Was bringt LTE?

Mit der neuen und bereits vierten Mobilfunk-Generation LTE kann man nun unterwegs so schnell im Internet surfen wie auf dem Computer zu Hause. Noch im Mai 2012 gab es gerade mal ein einziges LTE-fähiges Endgerät. Das HTC Velocity war das erste Smartphone, dass mit den neuen Mobilfunk-Chip ausgestattet war.

Nur wenige Monate später gibt es von Apple das iphone 5 mit LTE, Samsung hat unter anderem das Galaxy S3 auf dem Markt, Nokia kommt mit dem Lumia 920 und Motorola mit dem Razr.

Laut Alexander Spier von der Computerzeitschrift C´t wird es in den kommenden Monaten immer mehr LTE-fähige Smartphone s geben: "Bei Smartphones wird LTE ganz groß dabei sein. Fast alle Highend-Geräte werden das auf jeden Fall haben. Auch die Mittelklasse wird das haben. Bei den kleineren Geräten muss man abwarten, ob sich das durchsetzt. Aber die Zukunft gehört eindeutig LTE."

Allerdings kann man zunächst via LTE nur im Internet surfen. Die Sprachqualität würde sich mit der neuen Funktechnologie zwar auch verbessern. Laut Bruno Jacobfeuerborn von der Telekom ist Telefonie über den Datenturbo aber bisher noch nicht standardisiert:

Bruno Jacobfeuerborn, Telekom Deutschland: "Das heißt, wenn heute ein Anruf kommt, fällt das Endgerät automatisch zurück auf den 2G oder 3G Standard. UMTS oder GSM. Um dann nach dem Gespräch wieder zurück zu gehen auf den LTE Standard. Ende 2014 wird es dann eine Speziallösung geben, die das dann nicht mehr nötig macht."

Fürs mobile Internet gilt aber: Mit LTE sind Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde möglich. Bei UMTS sind es dagegen maximal rund 40. Tatsächlich surft man allerdings im alten und neuen Mobilfunk in der Regel langsamer. Denn in einer Mobilfunkzelle sind oft viele Menschen gleichzeitig, die sich das Breitband-Angebot teilen müssen. Im Durchschnitt kommt man mit LTE auf 20 – 30 Megabit pro Sekunde. Bei UMTS sind es gern mal unter 10 Megabit.

Alexander Spier (C´t): "Es ist eigentlich nur spannend, wenn man unterwegs im Internet surfen will. Weil dann bringt es Geschwindigkeitsvorsteile. Im Gegensatz zu UMTS, wo die Zellen schon ziemlich voll sind, bietet LTE mehr Geschwindigkeit. Deswegen ist es ein Vorteil."

Seit 2010 haben vor allem die Telekom und Vodafone kräftig in den LTE-Netzausbau investiert. Dabei hatten sich die Anbieter verpflichtet, zunächst ländliche Gebiete ohne DSL-Breitbandanschluss mit LTE auszurüsten. Dafür wurden bereits benutzte UMTS-Masten mit neuen LTE-Antennen aufgerüstet.

Im Kontrollzentrum der Telekom werden die alten und neuen Mobilfunk-Frequenzen überwacht und kontrolliert, wann die Nutzung wo und wie am stärksten ist. In Deutschland werden drei LTE-Frequenzen benutzt. Alle Anbieter funken zum Beispiel im 800 Megaherzbereich auf dem Land.

Bruno Jacobfeuerborn, Telekom Deutschland: "Man nennt sie auch digitale Dividenden. Weil sie große Reichweiten überbrücken Und damit gerade im ländlichen Raum den Kunden eine entsprechende Versorgung bescheren. Sie können damit ins schnelle Internet mit den 800 Megaherz Frequenzen. Die anderen liegen über 1 GH – die 1800 und 2600 Megaherz-Bereich. Beide Bereiche haben wir abgedeckt und damit gehen wir in die Städte. Weil deutlich mehr Kapazität und deutlich schneller."

Vodafone setzt dagegen auch in der Stadt auf 800 Megahertz und will künftig nur in Hotspots 2.600 Megaherzt-Frequenzen verwenden. Das Problem: Wer sich nun ein LTE-fähiges Endgerät kaufen will, muss genau schauen, welche Frequenzen das Gerät kann.

Das erste LTE-fähige Smartphone – das HTC Velocity – hat zum Beispiel nur die Vodafone- Frequenzen unterstützt. Der Nachfolger das HTC One XL läuft dagegen bei allen Providern mit LTE. Auch den meisten Geräten der Konkurrenz wurde ein Chip eingebaut, der über alle deutschen LTE-Frequenzen funken kann. Überraschenderweise gilt das aber nicht für das iPhone von Apple.

Alexander Spier, C´t: "Die Apple Geräte funktionieren nur im Telekom-Netz. Weil sie nur mit 1800 Megahertz funktionieren. Das man kann sie nicht im Vodafone Netz nutzen. Man muss also auf die Telekom setzen, wenn man hier LTE haben will. Warum das Apple macht, weiß man nicht genau. Es ist einfach der verbaute Chip der kann nicht mehr."

Das gleiche gilt übrigens auch für das neue kleine und große iPad. Beide gibt es auch in der LTE-Variante – aber eben nur bei der Telekom.

Die Einführung von LTE könnte sich auf das Nutzungs-Verhalten von größeren Mobil-Geräten auswirken. Tablets wurden bisher eher selten auf Geschäftsreisen mitgenommen und vor allem zu Hause auf der Couch genutzt. Denn die meisten waren bisher nur W-LAN fähig.

Noch gibt es neben iPads auch nur wenige Tablets mit einem LTE-Sim-Karten-Schacht - zum Beispiel das Asus TF 300 und das Samsung Galaxy Tab. Doch langsam ziehen die Anbieter nach:

Bruno Jacobfeuerborn, Telekom Deutschland: "Wir sehen, die Kunden fangen an zu verstehen, wie schnell das Mobilfunknetz ist. Das sich überall wo ich mich bewege, Zugriff auf meine persönlichen Daten habe, sei es in der Cloud oder auf der meinem Server."

Oder bequem mit einem Tablet Filme online in HD schauen. Die Experten sind sich einig: Mit den ersten mobilen LTE-fähigen-Geräten macht surfen im Netz Spaß – jedenfalls dort, wo es den neuen Mobilfunkstandard gibt. Während die Provider die letzten Lücken schließen, wird übrigens schon kräftig weiter entwickelt. Die nächste Mobilfunk-Generation soll noch zehnmal schneller werden.

Quelle: n-tv.de