Reise
Lagune am Unterwasser-Wasserfall vor dem Berg Le Morne Brabant auf Mauritius.
Lagune am Unterwasser-Wasserfall vor dem Berg Le Morne Brabant auf Mauritius.(Foto: imago/Anka Agency International)
Montag, 07. August 2017

Echt oder Täuschung?: Das Geheimnis des Mauritius-Wasserfalls

Das Naturphänomen im Süden von Mauritius sucht seinesgleichen. Direkt vor dem Berg Le Morne Brabant scheint es, als würde sich der Indische Ozean auftun und tonnenweise Wasser verschlucken. Ein Wasserfall, der also "im Meer ins Meer stürzt"? Zumindest fast.

Am Horizont gehen verschiedene Blautöne ineinander über. Oben Hellblau, darunter Tiefblau, eine Schicht weißer Schaumkronen, dann Türkis, Graublau: das Riff vor Le Morne Brabant. Der Berg im Südwesten von Mauritius ist ein Klotz. Er ragt aus der Halbinsel empor wie hingeworfen. Unter dem Berg sieht es so aus, als würde es im Meer unter Wasser einen Wasserfall geben.

Wasser? Nein, Sand.
Wasser? Nein, Sand.(Foto: imago/Anka Agency International)

Ist der Wasserfall also echt? Jein. Eine Art "Fall" ist es schon, aber anders als es für das menschliche Auge aussieht, stürzen sich nicht Wasser-, sondern Sandmassen in die Tiefe. Was wie ein unter Wasser liegender Wasserfall aussieht, ist also eine optische Täuschung. Die Strömungen und der Sog des Ozeans sind so stark, dass der Sand von der südwestlichen Küste der Insel wegspült und in die tieferliegenden Regionen des Meeres geleitet wird. Real und doch irgendwie surreal.

Wer den Bildern nicht so recht traut, kann das Schauspiel auch im Internet bewundern - oder Urlaub in Mauritius machen und sich mit eigenen Augen vom "Sandfall" überzeugen.

Aufstieg lohnt sich

Der Le Morne Brabant steht auf Privatgelände - mit einer geführten Tour kommt man aber hin.
Der Le Morne Brabant steht auf Privatgelände - mit einer geführten Tour kommt man aber hin.(Foto: imago/teutopress)

Auch der Aufstieg auf den Berg Le Morne Brabant lohnt sich. Wer hinaufklettert, sieht Mauritius so wie auf Postkarten. Ein Tor versperrt den Weg. Tourguides von Yanature, eine der zwei Organisationen, die hier mit Urlaubern wandern dürfen, schließen auf. Denn das Gelände, auf dem der Berg steht, ist seit Jahrhunderten in Privatbesitz.

Der Wanderpfad schlängelt sich den Berg entlang. Sanft geht es bergauf. Wenn es geregnet hat, rutschen die Füße auf dem schwammigen Untergrund aus, denn Urlaubsparadies hin oder her: Regen ist auf Mauritius keine Seltenheit. Vor allem in den Wintermonaten wechselt das Wetter hier gerne mal jede halbe Stunde.

Der erste Aussichtspunkt über die Lagune ist erreicht. Eine kleine Insel liegt darin, ein Sonnenstrahl durch eine Lücke in den Wolken hebt sie aus dem türkisfarbenen Wasser hervor. Bis auf 200 Meter steigt die Gruppe noch weiter gemeinsam auf den Le Morne hinauf. Dann aber hört der breitere Pfad auf, von nun an wird es schmaler - und vor allem steiler.

Dafür gibt es nach der Kletterpartie einen noch besseren Ausblick: rechts die Lagune, geradeaus die Hügelketten der Insel und links die kleine Île aux Bénitiers. Von hier ist es nun auch nicht mehr weit bis zum Gipfelkreuz. Es hat eine besondere Bedeutung, die mit der wechselhaften Geschichte von Mauritius zu tun hat.

Ursprünglich unbewohnt

Mauritius war ursprünglich unbewohnt. Dann wurde die Insel im Indischen Ozean erst holländische, dann französische, später englische Kolonie - und schließlich unabhängig. Die Franzosen brachten Sklaven aus Afrika auf die Insel, die Engländer Arbeiter aus Indien. "Die Sklaven hatten sich hier versteckt", erzählt Nico Queland von Yanature und deutet auf Le Morne Brabant. Als 1835 die Sklaverei abgeschafft wurde, kamen die Briten auf den Berg, um den Geflohenen die gute Nachricht zu überbringen. "Aber sie konnten nicht glauben, dass die Sklaverei tatsächlich abgeschafft worden war." Also sprangen sie in den Tod, um der gefürchteten erneuten Gefangenschaft zu entgehen.

So zumindest die Legende. Ganz sicher ist man sich nicht, wie es sich damals abgespielt hat, erzählt Queland. 2008 wurde der Berg in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen. Für die Nachfahren der Sklaven sei das sehr wichtig, sagt er. Um an die Verstorbenen zu erinnern, sei das Kreuz aufgestellt worden.

Quelle: n-tv.de

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