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Die Humboldt-Box auf dem Schlossplatz in der Nähe des Roten Rathauses (l) soll als Informationspavillon ...
Die Humboldt-Box auf dem Schlossplatz in der Nähe des Roten Rathauses (l) soll als Informationspavillon ...(Foto: dpa)

Hässlicher Klotz oder sexy Showroom?: Infobox zu Berliner Schloss öffnet

An der Baustelle am Potsdamer Platz war die rote Infobox jahrelang eine Touristenattraktion. Jetzt öffnet am Schlossplatz ein ähnliches Center - statt Begeisterung gibt's erstmal Zoff.

Das Jahrhundertprojekt zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses bekommt ein Gesicht. Mit der Eröffnung der sogenannten Humboldt-Box auf dem Schlossplatz soll von Mittwoch an umfassend über das mehr als 550 Millionen Euro teure Bauvorhaben informiert werden. Die Initiatoren hoffen, so die Herzen der Berliner zu gewinnen. Doch schon vor der Eröffnung gibt es Streit.

... für den geplanten Neubau des Berliner Schlosses dienen und nach Fertigstellung abgebaut werden.
... für den geplanten Neubau des Berliner Schlosses dienen und nach Fertigstellung abgebaut werden.(Foto: dpa)

"Berlins innovativster Ausstellungsort", schwärmen die Bauherren. "Hässlicher Klotz", "Charme einer Mülltonne" oder schlicht "Bausünde" schimpfen dagegen Berliner Zeitungen. Der Architekturprofessor Alfred Grazioli sprach in einem Radiointerview gar von einem "statischen Monster" und warf den Planern vor, unsensibel mit dem historischen Ort umzugehen.

Mitten in der Sichtachse

Wie ein mit türkisfarbener Folie verkleidetes Riesenrad steht das fast 30 Meter hohe Gebäude an einer der schönsten Stellen der Stadt - gegenüber dem weltberühmten Ensemble aus Berliner Dom, Zeughaus und Museumsinsel an der Prachtstraße Unter den Linden. Dominant schiebt es sich in die Sichtachse von Brandenburger Tor und Rotem Rathaus - und das mindestens für die nächsten acht Jahre.

Größe und Standort des Gebäudes seien bei der Ausschreibung vorgegeben gewesen, sagt Dorothea Vogel von der Firma Megaposter in Neuss, die das Info-Zentrum privat baut und betreibt. "Wir glauben, dass die Leichtigkeit unserer Architektur der richtige Kontrapunkt für das historische Umfeld ist."

Zukunftskonzepte für das Schloss

Auf fünf Stockwerken und insgesamt 3000 Quadratmetern können die künftigen Schlossherren in dem von der Architektengemeinschaft Krüger, Schuberth und Vandreike entworfenen futuristischen Würfel ihre Zukunftskonzepte für das Schloss präsentieren. Nur einen Steinwurf von der Box entfernt soll bis zum Jahr 2019 hinter rekonstruierten Fassaden ein modernes Kunst- und Kommunikationszentrum entstehen, Humboldt-Forum genannt. Nutzer werden die Humboldt-Universität, die Zentral- und Landesbibliothek und vor allem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit ihren außereuropäischen Sammlungen sein.

Stiftungspräsident Hermann Parzinger setzt deshalb große Hoffnung auf das neue Infocenter: "Die Humboldt-Box ist von zentraler Bedeutung, um einen Ort zu schaffen, an dem die Menschen sich über die Grundidee und die Inhalte des künftigen Humboldt-Forums informieren können und sehen, wie dort zentrale Fragen unserer Zeit berührt werden", sagt er.

Knallroter Besucher-Kasten war Vorbild

Pate der Info-Box war der beliebte knallrote Besucher-Kasten auf Stelzen, der von 1995 bis 2001 am Potsdamer Platz über die damalige Großbaustelle dort informierte. Gut neun Millionen Menschen nutzten das Angebot.

Infobox am Potsdamer Platz: In ihrer fünfjährigen Erfolgsgeschichte hatten seit Ende 1995 neun Millionen Menschen die Ausstellung zu den Bauarbeiten auf Europas größter Baustelle  besucht. Anfang 2001 wurde sie abgeríssen.
Infobox am Potsdamer Platz: In ihrer fünfjährigen Erfolgsgeschichte hatten seit Ende 1995 neun Millionen Menschen die Ausstellung zu den Bauarbeiten auf Europas größter Baustelle besucht. Anfang 2001 wurde sie abgeríssen.(Foto: picture-alliance / dpa)

Für den Pavillon am Schlossplatz rechnen die Betreiber mit rund 300 000 Gästen pro Jahr. Die Bau- und Betriebskosten von rund 15 Millionen Euro bis 2018/2019 sollen durch den Eintritt und spätere Werbung am Bauzaun des Schlosses wieder hereinkommen. Zudem wird im vierten und fünften Stock ein Eventcenter mit Dachterrasse und Rundumblick auf die City vermietet - 4000 Euro für 24 Stunden gelten laut Firma als Richtwert.

Schloss später, Info-Box später

Eigentlich hatte die Box schon Ende 2010 starten wollen. Doch der Aufschub für das Schloss sorgte auch für Verzögerungen beim Infocenter. Die Bundesregierung hatte den Baubeginn für die Rekonstruktion der Hohenzollernresidenz aus Spargründen von 2011 auf 2014 verschoben. Die Kosten sind inzwischen nach Berechnungen des Bauherrn teuerungsbedingt auf fast 600 Millionen Euro gestiegen.

Die Aufregung um die Info-Box sieht Parzinger gelassen. Ihre Form irritiere, aber das mache auch neugierig, sagt er. "Je schneller das Schloss entsteht, desto früher wird auch die Box wieder verschwinden."

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Quelle: n-tv.de