Reise
Abendstimmung auf Hvar in Stari Grad.
Abendstimmung auf Hvar in Stari Grad.(Foto: imago/Westend61)
Sonntag, 09. Oktober 2016

Roadtrip zu Filmdrehorten: Kroatien ist mehr als nur Badestrand

Von Christian Bartlau

Kroatien gehört zu den Lieblingszielen der Deutschen und hat viel mehr zu bieten als nur Strand. Die Vielfalt des Landes lässt sich am besten auf einem Roadtrip entdecken.

Kroatien ist für deutsche Urlauber ein perfektes Ziel: einfach und schnell zu erreichen, warm und relativ preiswert. 2015 kam rund jeder vierte der gut 2,5 Millionen Besucher in Kroatien aus Deutschland. Weil die Türkei als Urlaubsland für viele Touristen nicht mehr in Betracht kommt, rechnen viele Experten für diese Saison sogar noch mit einem deutlichen Zuwachs dieser Zahlen.

Doch wohin genau soll es gehen, wenn die Wahl auf das Land an der Adria gefallen ist? Zu den Touristenhochburgen an der Küste, wo man bis in den Spätherbst hinein im klaren Wasser baden kann? An den Ort, an dem Old Shatterhand Winnetous Schwester Nscho tschi küsste? Oder dorthin, wo die Macher der umjubelten US-Serie "Game of Thrones" die perfekte Kopie der zentralen Stadt King's Landing fanden? Man könnte sich der Qual der Wahl aussetzen - oder einfach auf Entdeckungsreise zu all diesen Orten fahren, mit dem Wohnmobil, einem Van oder einem Mietauto. Ein bezahlbarer Campingplatz (im Regelfall 20 bis 30 Euro pro Nacht für eine vierköpfige Familie) ist in Kroatien nie weit, an einigen Plätzen kann man sogar einfach für eine Nacht stehen bleiben.

Bezaubernde Kulisse auf der Insel Rab.
Bezaubernde Kulisse auf der Insel Rab.(Foto: imago stock&people)

Wer von Deutschland aus kommend an der Küste Richtung Südosten bis zur Grenze nach Montenegro kommen möchte, sollte für die rund 650 Kilometer mindestens zehn Tage und drei bis vier Stopps einplanen – es gibt einfach sehr viel zu sehen. Wer drei Wochen Zeit hat, für den bietet sich ein Abstecher auf die spektakulären Inseln an, zu den wichtigsten wie Rab, Cres, Brac und Hvar gibt es Fährverbindungen, Krk und Pag sind über Brücken zu erreichen.

Von Süddeutschland aus fährt man rund 800 Kilometer bis an die Küste Kroatiens. Der Weg über Villach (Kärnten) und Slowenien ist der schnellere, der schönere führt durch Tirol und über den Plöckenpass nach Italien, dort an Udine und Triest vorbei an die Kvarner-Bucht nahe der eher industriell geprägten Hafenstadt Rijeka.

Touri-Hochburg oder einsamer Strand?

Angekommen an der Küste, reiht sich Hotel an Hotel, besonders in Opatija, einem der ältesten Touristenstädte des Landes. Die Architektur des Habsburger Reiches gibt dem Ort einen herrschaftlichen Touch, vor dem geistigen Auge lustwandeln auf der Promenade Damen in langen Kleidern, geschützt durch Hüte und viktorianische Sonnenschirme. Über 12 Kilometer erstreckt sich der Uferweg, immer wieder finden sich zwischen den Ortschaften kleine Strände, an die sich nur wenige Touristen verirren. Dennoch: Wer es etwas ruhiger und weniger pauschaltouristisch mag, verlässt die Kvarner-Bucht lieber schnell.

Mit dem Bulli lässt sich das Land besonders gut erkunden.
Mit dem Bulli lässt sich das Land besonders gut erkunden.(Foto: Christian Bartlau)

Gerade im Herbst lohnt ein Abstecher Richtung Westen nach Istrien – besonders für Reisende, die ein Surfbrett im Gepäck haben. Auf der Halbinsel Kap Kamenjak warten keine großen Hotels, sondern nur Pensionen und Campingplätze auf die Gäste. Im Naturschutzgebiet lassen sich mit etwas Glück menschenleere Badestellen aufspüren, auf jeden Fall aber die heimischen Pflanzen in all ihrer Vielfalt bewundern. Richtung Osten führt die D8, die sich an der Küste entlangschlängelt und wundervolle Ausblicke auf das Meer und die Inseln wie Krk und Rab bietet. Viel schneller als Durchschnittstempo 50 wird es nicht. Wer es eilig hat, spart bei längeren Strecken mit einem Umweg zur Autobahn Zeit, nicht aber Geld - die Mautgebühren sind gerade mit größeren Autos oder Wohnmobilen recht happig, die Faustregel: 10 Euro für 100 Kilometer Strecke.

In den Ewigen Jagdgründen

Auch im Landesinneren beeindruckt Kroatien mit Naturschönheiten wie den Plitwitzer Seen und dem umliegenden, leider notorisch überlaufenen Nationalpark. Dicht an der Küste, auf mittlerer Strecke zwischen Zadar und Split, gute vier Fahrtstunden von Rijeka entfernt, liegt der Krka-Nationalpark. Er diente wie einige andere Orte im ehemaligen Jugoslawien als Kulisse für die Karl-May-Verfilmungen der 1960er-Jahre – kein Wunder, schöner können auch die Ewigen Jagdgründe nicht sein. Die Wasserfälle bei Skradin, wo Old Shatterhand und Nscho tschi sich in "Winnetou I" nahekommen, teilt man allerdings selbst in der Nebensaison mit vielen Touristen, die sich auf den Wanderpfaden auf die Füße treten. Glücklich, wer gut zu Fuß oder sogar auf dem Fahrrad unterwegs ist und auf einen der weniger belebten Eingänge des Nationalparks ausweichen kann, um die spektakuläre Flusslandschaft entspannt zu genießen.

Wie wäre es mit einem Abstecher nach Split?
Wie wäre es mit einem Abstecher nach Split?(Foto: imago/Pixsell)

Wieder auf der D8, passiert man Split und erreicht die wohl schönste Passage der dalmatischen Adriaküste, die Makarska Riviera. Hier liegt Punta Rata, 2004 vom Magazin "Forbes" zum schönsten Strand Europas erklärt - aber keine Sorge, wenn in der Nähe kein Platz in einem Autokamp frei ist: Entlang der Riviera könnte so gut wie jede Bucht einen Platz unter den Top100 beanspruchen. Für Individualreisende empfiehlt sich allerdings eine möglichst große Distanz zum Hauptort Makarska, einer Bettenburg mit Ballermann-Feeling.

Die kargen Riesen des Biokovo-Gebirges schützen die Gegend oft vor schlechtem Wetter - selbst wenn es anderswo an der Küste regnet, besteht eine gute Chance, dass es hier trocken bleibt. Bricht der heimtückische Bora-Wind aus, hat aber auch das Gebirge keine Chance, gegen die kalten Böen helfen nur wetterfeste Kleidung und ein paar gute Bücher im Gepäck. 

In King's Landing

In Dubrovnik ist immer viel los.
In Dubrovnik ist immer viel los.(Foto: imago/Pixsell)

Den wohl größten Touristen-Hotspot Kroatiens sollte man selbst als Klaustrophobiker nicht auslassen: Rund drei Stunden Fahrtzeit hinter der Makarska Riviera liegt Dubrovnik. Mit dem Auto in die Stadt einzufahren ist umständlich und teuer, stattdessen sollte man eines der unzähligen Autokamps vor oder hinter Dubrovnik aufsuchen. Die kleinen Ortschaften haben alle eine Bushaltestelle, meist ohne verständlichen Fahrplan, aber keine Sorge: Ein Bus wird kommen. Oder, wo ein Hafen ist, eben ein Schiff – für rund 15 Euro gelangt man etwa von Mlini aus auf dem Wasserweg nach Dubrovnik und zurück. Die Anfahrt ist atemberaubend: An einem Hotelkomplex der Armee vorbei, der im Bürgerkrieg bombardiert wurde und noch heute verlassen daliegt wie eine Geisterstadt, und zwischen den Festungen Revelin und Tvrđava Svetog Ivana direkt in den alten Hafen Dubrovniks hinein.

Selbst wer die erste Schiffsverbindung am Tag erwischt, kommt schon in einer gut gefüllten Stadt an. Quasi rund um die Uhr füllen Touristen den Luža, den Hauptplatz. Den obligatorischen Gang auf der vollkommen intakten Stadtmauer absolvieren die Besucher im Entenmarsch, es lohnt sich, als Alternative einfach ein paar Treppen in einer der Seitengassen hochzusteigen, der Ausblick ähnelt sich.

Abseits der Hauptstraße Placa huschen vielerorts nur Katzen durch die schattigen Gassen - und vielleicht ein paar verpeilte Backpacker mit Restalkohol, die sich auf der Suche nach den Drehorten von "Game of Thrones" verirrt haben. Die Macher der US-Serie haben in Dubrovnik den perfekten Drehort für "King's Landing" gefunden – die bis zu 20 Meter dicken Festungsmauern, der blank polierte Stein der Straßen, die fast perfekt erhaltenen Kirchen und Bürgerhäuser, die in ihrer jetzigen Form nach dem großen Erdbeben von 1667 erbaut wurden, das alles findet sich in der Serie wieder. Die Stadt empfindet das als Ehrung und vermarktet die hippe Seite der alten Republik Ragusa mit eigenen Führungen und Geschäften voll mit T-Shirts und Tassen mit "Game of Thrones"-Aufdruck.

Zurück nach Deutschland – oder einfach weiter?

Von Dubrovnik aus dauert die Rückreise nach Bayern gut und gerne 12 Stunden. Wer noch ein paar Tage Zeit hat, kann auch einfach weiter an der Küste entlang nach Montenegro reisen, seit 2006 unabhängiger Ministaat mit Ostblockcharme und Euro.

Eine besondere Empfehlung: die 150 Kilometer ins Landesinnere in den Durmitor-Nationalpark fahren und dort auf den beeindruckenden Hochplateaus wandern oder eine Rafting-Tour in der zweittiefsten Schlucht der Welt wagen.

Quelle: n-tv.de

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