Reise
Zwölf Schafe pro Einwohner: Die großen Herden prägen - wie hier in der Nähe von Queenstwon auf der Südinsel - an vielen Stellen das Landschaftsbild in Neuseeland.
Zwölf Schafe pro Einwohner: Die großen Herden prägen - wie hier in der Nähe von Queenstwon auf der Südinsel - an vielen Stellen das Landschaftsbild in Neuseeland.(Foto: picture-alliance / gms)
Dienstag, 14. Februar 2012

Zwischen Kiwis und Schafen: Neuseeland bietet Naturspektakel

Weiter weg vom europäischen Winter geht es nicht. Dabei bietet Neuseeland nicht nur Kiwis und Schafe. Längst strömen Touristen wegen der Schätze der Natur ans Ende der Welt.

Ein ungewöhnlicher Vogel: Der Kiwi ist das Nationalsymbol Neuseelands.
Ein ungewöhnlicher Vogel: Der Kiwi ist das Nationalsymbol Neuseelands.(Foto: picture-alliance / gms)

Es ist stockdunkel, doch ganz hinten im Gehege ist eine schemenhafte Gestalt zu erkennen: ein Vogel mit langem Schnabel: der Kiwi. Der Schnepfenstrauß ist das Nationalsymbol Neuseelands; wer das Land besucht, muss ihn einfach gesehen haben.

Dazu bieten die Inseln im Südpazifik viele Gelegenheiten, etwa in Whakarewarewa. Der Park in Rotorua auf der Nordinsel und seine Umgebung versammeln etliche Attraktionen: faszinierende Kulturtechniken der Ureinwohner, atemberaubende Naturspektakel und auch das abgedunkelte Kiwi-Gehege.

Meterhohe Geysire

Fast am Ende der Welt: Neuseelands Nordinsel bietet gemäßigtes Klima, die Südinsel ewiges Gletschereis und wilde Fjordlandschaften
Fast am Ende der Welt: Neuseelands Nordinsel bietet gemäßigtes Klima, die Südinsel ewiges Gletschereis und wilde Fjordlandschaften(Foto: picture-alliance / gms)

Meterhohe Fontänen pusten die Geysire von Whakarewarewa in die Luft, die schwefelhaltigen Thermalquellen hinterlassen auf Jeans und T-Shirts ihre Spuren. Bis vor 15 Jahren heizten die Bewohner von Rotorua ihre Wohnungen mit der geothermischen Energie, heute sprudeln die Quellen nur noch zum Vergnügen. Whakarewarewa ist ein Wort aus der Sprache der Maori. Jeder zehnte Neuseeländer ist ein Nachfahre der Ureinwohner, die Region um Rotorua ist ihr kulturelles Zentrum.

Ein großer Spaß besonders für Kinder ist der Besuch des "Agrodome" in Rotorua. Lincoln, Perendale oder Merino, so lernt man dort, sind verschiedene Schafrassen. Stellvertretend für die knapp 50 Millionen Tiere in Neuseeland ist im Agrodome je ein Repräsentant auf der Bühne zu bewundern. Auch ein schwarzes Schaf darf dabei nicht fehlen.

Zwei Millionen Touristen pro Jahr

Der Tourismus hat die Landwirtschaft in Neuseeland bereits vor Jahren als wichtigster Wirtschaftszweig überrundet. Schätzungen der neuseeländischen Regierung zufolge hängt jede zehnte Arbeitsstelle im Land vom Tourismus ab. Etwa zwei Millionen Touristen besuchen das Land jedes Jahr. Auch Deutsche kommen gern - und bleiben meist mehrere Wochen, da sich der lange Flug ans andere Ende der Welt sonst kaum lohnt. "Deutsche Besucher schätzen die intakte Umwelt und die menschenleere Landschaft. In Neuseeland steht man nie Schlange", sagt Reinhard Hueber, der vor 40 Jahren vom Chiemsee ans andere Ende der Welt auswanderte.

Rotorua ist ein paar Autostunden von der Metropole Auckland entfernt. Wer Kiwis, Schafe und Geysire schon gesehen hat, sollte den Ausblick vom ruhenden Vulkan Tarawera riskieren, einem heiligen Berg der Maori. Per Helikopter oder im Wagen mit Allradantrieb geht es zum Gipfel mit den insgesamt neun Kratern.

Art déco in Napier

Die Stadt Napier im Osten der Nordinsel wurde in den 1930 Jahren im Art-déco-Stil wieder aufgebaut. Eines der Prunkstücke ist das Rothmans Building.
Die Stadt Napier im Osten der Nordinsel wurde in den 1930 Jahren im Art-déco-Stil wieder aufgebaut. Eines der Prunkstücke ist das Rothmans Building.(Foto: picture-alliance / gms)

Ein weiteres Ziel auf der Nordinsel ist Napier, das zwischen Klippen an der Hawke Bay des Pazifischen Ozeans liegt. Dort begegnet den Besuchern möglicherweise ein freundlicher Herr, der weite Hosen und ein blau-gelb gestreiftes Jackett mit Fliege und einen Strohhut trägt: Bertie scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Der Gentleman und sein Outfit verkörpern die dreißiger Jahre und den Stil, in dem die meisten Gebäude Napiers gebaut wurden: Art déco.

Napier wurde 1931 von einem Erdbeben mit anschließenden Großfeuer weitgehend vernichtet. Die Einwohner entschieden, die Stadt im Art-déco-Stil mit seinen geometrischen, aber verspielten Formen wieder aufzubauen. Mehr als 50 Jahre später bemerkten ihre Enkel dann, dass Napier ein architektonisches Kleinod darstellt: In kaum einer anderen Stadt der Welt findet sich Art déco in so einheitlicher Bauweise.

Weinebene statt ohne Weinberg

Wie hier in der Region Marlborough wird Wein in Neuseeland überall zu ebener Erde angebaut - "Weinberge" gibt es in der Hügellandschaft nicht.
Wie hier in der Region Marlborough wird Wein in Neuseeland überall zu ebener Erde angebaut - "Weinberge" gibt es in der Hügellandschaft nicht.(Foto: picture-alliance / gms)

Hawke Bay ist auch der Name eines Weinanbaugebietes, das wenige Kilometer von Napier entfernt liegt. Trotz der hügeligen Landschaft sucht man Weinberge vergeblich - die Reben werden ausschließlich in der Fläche angepflanzt. Die rund 300 Weingüter des Landes wollen in den kommenden Jahren den Export ihrer edlen Tropfen ausbauen und haben dabei auch Deutschland im Visier. Als vorzüglich gelten die hier angebauten Chardonnay und Sauvignon Blanc.

Nicht komplett ist eine Neuseeland-Reise ohne den Besuch der Südinsel mit ihrer alpinen Bergketten und der zerklüfteten Küste des Fjordlandes ganz im Süden. Wer vor allem Einsamkeit sucht, sollte hier den längeren Teil seines Aufenthalts verbringen. Als touristisches Zentrum gilt Queenstown, das im Winter - also von Juli bis September - zum Skifahren einlädt und zur Hauptsaison, die im November beginnt, viele Varianten des Abenteuerurlaubs bietet.

Zum Beispiel das Bungy-Jumping, das zwar bereits vor zehn Jahren seinen Höhepunkt als Funsport erlebte, aber angeblich von einem Einheimischen in Queenstown erfunden wurde. Oder eine halsbrecherische Fahrt mit einem Schnellboot durch die Schluchten des Flusses Shotover.

Expeditionen ins Ewige Eis

Von der Südinsel Neuseelands ist das Ende der Welt nun wirklich nicht mehr weit. Das wird besonders deutlich im International Antarctic Centre auf dem Flughafengelände in Christchurch. Von hier aus brechen Wissenschaftler zu Expeditionen ins ewige Eis auf - in nur sechs Stunden erreicht das Flugzeug die Antarktis. Im Centre werden unter anderem historische Expeditionen an den Südpol und der Alltag eines Lebens bei deutlich unter null Grad Celsius dargestellt. Der Flug in die Antarktis ist aber nur Forschern gestattet. Wer eines Tages einmal dabei sein möchte, kann sich an der nahen Universität von Canterbury für das Fach "Antarktische Studien" einschreiben.

Quelle: n-tv.de

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