Reise
Dienstag, 13. April 2010

Kataloniens Klöster: Nonnenzellen als Fremdenzimmer

Auf Gaudís Spuren in Barcelona, Partymarathon am Strand von Lloret de Mar oder eine Wanderung durch die Pyrenäen - Katalonien hat viele Gesichter. Eine kaum bekannte Facette der Region: Klöster, in denen Menschen für einige Tage zur Ruhe kommen können.

Kreuz, Schreibtisch, Lampe: Im Kloster Santa María de Vallbona sind viele Nonnenzellen zu Fremdenzimmern geworden.
Kreuz, Schreibtisch, Lampe: Im Kloster Santa María de Vallbona sind viele Nonnenzellen zu Fremdenzimmern geworden.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

"Die meisten suchen Frieden und Erholung", sagt Ordensschwester María Frederica. "Aber auch immer mehr Studenten nutzen die absolute Ruhe, um sich in unserem Kloster auf die Klausuren vorzubereiten." Die zerbrechlich wirkende 79-Jährige lebt schon seit 54 Jahren im Nonnenkloster Santa Maria de Vallbona in der Nähe von Tàrrega am Fuße des Tallat-Gebirges. Im 14. Jahrhundert gab es hier noch mehr als 70 Nonnen. Doch immer weniger Frauen fühlen sich zum Klosterleben berufen. Viele Zimmer stehen leer, und die Instandhaltung des alten Zisterzienserklosters ist teuer. Deshalb entschlossen sich die Ordensfrauen, aus Nonnenzellen Fremdenzimmer zu machen.

Die meterhohen Klostermauern machen Eindruck: Monestir de Santa María de Poblet, die größte bewohnte Abtei Europas.
Die meterhohen Klostermauern machen Eindruck: Monestir de Santa María de Poblet, die größte bewohnte Abtei Europas.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Santa Maria de Vallbona ist nur eines von drei Klöstern auf der Zisterzienserroute, die den Besucher durch reizvolle Landschaften und Dörfer des katalanischen Hinterlandes von der Küste Tarragonas bis hin zu den ersten Pyrenäenausläufer bei Lleida führt. Die alten Klöster sind die kulturellen Höhepunkte der Route. Das größte und wichtigste Kloster auf dem Weg ist das Kloster Santa María de Poblet in der Nähe von Montblanc, seit 1991 Weltkulturerbe.

Das Kloster aus dem 12. Jahrhundert ist heute die größte bewohnte Abtei Europas. Viele katalanische und aragonesische Könige sind hier bestattet, da das Kloster viele Jahrhunderte auch Königssitz war. Poblet ist umgeben von einer 600 Meter langen und 11 Meter hohen Klostermauer. Dahinter rankt Wein so weit das Auge reicht. Den Klostertropfen können Besucher natürlich probieren. Auch das dritte Zisterzienserkloster Santes Creus stammt aus dem 12. Jahrhundert. Dort leben heute keine Mönche mehr.

Yoga am Kreuzgang: Die Monestir des les Avellanes bietet ihren Gästen neben Spirituellem auch viel Sportliches.
Yoga am Kreuzgang: Die Monestir des les Avellanes bietet ihren Gästen neben Spirituellem auch viel Sportliches.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

In Kataloniens Klöstern - egal, ob es sich um Häuser der Benediktiner, Franziskaner, Zisterzienser oder Kapuziner handelt - sind Kultur, Spiritualität und Stille das einzige Programm. Im Kloster Monestir de les Avellanes in der Nähe von Os de Balaguer ist das ein wenig anders: Es gibt 72 Gästezimmer, ein hervorragendes Restaurant und ein breites Sportangebot. Im romanischen Kreuzgang finden regelmäßig Yoga- und Meditationskurse statt. Das Kloster organisiert Wanderungen durchs Ager-Tal und vermietet Mountainbikes. Die Region ist mit ihren vielen Stausseen auch ein hervorragendes Gebiet für Kanu- und Kajakausflüge.

Hoch oben auf der Landzunge Cabo de Creus über dem Fischerdorf El Port de la Selva liegt das Benediktinerkloster San Pere de Rodes. Die burgähnliche Anlage mit Kirche und Wehrturm aus dem 11. Jahrhundert beherbergt heute ein Restaurant und ein Gästehaus.

Reizvolle Lage über dem Mittelmeer: Das Kloster San Pere de Rodes ist ein Ziel und eine Herberge für viele Wanderer.
Reizvolle Lage über dem Mittelmeer: Das Kloster San Pere de Rodes ist ein Ziel und eine Herberge für viele Wanderer.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Noch spektakulärer als von San Pere de Rodes ist der Ausblick vom Kloster Montserrat, dem "heiligen Herz Kataloniens" unweit von Barcelona. In dem heute größten Wallfahrtsort Kataloniens fanden Hirten um 880 nach Christus die weltberühmte schwarze Madonnenstatue. Bereits 200 Jahre später errichteten Benediktinermönche im zerklüfteten Gebirge eine Kapelle, die zu einer Klosteranlage mit zweieinhalb Millionen Besuchern jährlich heranwuchs.

Quelle: n-tv.de

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