Reise
Dienstag, 22. Juni 2010

Angelurlaub in Norwegen: Wenn im Fjord das Wasser kocht

Der verzweigte Romsdalsfjord, inmitten von Bergen, auf denen auch im Sommer Schnee glitzert, zieht sich von Molde bis Andalsnes und ist ein beliebtes Ziel für Angelurlauber.

Abendstimmung am Romsdalsfjord: Vor allem Deutsche und Niederländer kommen gerne hierher zum Angeln.
Abendstimmung am Romsdalsfjord: Vor allem Deutsche und Niederländer kommen gerne hierher zum Angeln.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Theoretisch ist Angeln einfach: Man tauscht die Sandalen mit den Gummistiefeln und tuckert mit dem Mietboot auf den Fjord. Doch wohin? Um Fische zu fangen, muss man zur richtigen Zeit am richtigen Platz sein.

Das gilt auch für den weit verzweigten Romsdalsfjord in Norwegen. Er zieht sich - eingekesselt von Bergen, auf denen auch im Hochsommer Schneefelder glitzern - von Molde bis Andalsnes und ist ein beliebtes Ziel für Angelurlauber.

Ob die Rute wohl hält? Zum Angeln in den norwegischen Fjorden sollte kein schwaches Zubehör mitgenommen werden.
Ob die Rute wohl hält? Zum Angeln in den norwegischen Fjorden sollte kein schwaches Zubehör mitgenommen werden.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Also, wohin? In die Mitte des Fjords? Lieber nicht. Dort ist er mehr als 400 Meter tief, und wenn man nur 200 Meter Schnur auf der Angelrolle hat, bleibt die Pfanne abends leer. Am besten schaut man sich um: Wo sind andere Anglerboote auf dem Gewässer auszumachen?

Dass so viele Urlauber hierher kommen, liegt an der Bergwelt ringsherum, am Fischreichtum und an der guten Erreichbarkeit, denn vom Osloer Fährhafen fährt man mit dem Auto nur sechs Stunden bis Andalsnes. Allerdings ist es auch fast egal, an welchen der vielen Fjorde man reist: Überall lockt neben den Fischen auch der skandinavische Komfort inmitten der Natur. Saubere Campingplätze oder gemütliche Ferienhäuser am Wasser, ein solides Boot vor der Tür, eine überdachte Terrasse: Das sind die Zutaten eines guten Angelurlaubs.

Was für ein Fang: Aus dem Romsdalsfjord ziehen Angler nicht nur Makrelen, sondern manchmal auch solch einen schönen Dorsch.
Was für ein Fang: Aus dem Romsdalsfjord ziehen Angler nicht nur Makrelen, sondern manchmal auch solch einen schönen Dorsch.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Hunderte von Möwen kreischen in der Luft und stoßen immer wieder auf die Wasseroberfläche. An dieser Stelle prickelt das Wasser, als würde es kochen. "Das sind kleine Sprotten, die an der Oberfläche herumspringen, weil sie von den Makrelen gejagt werden", erklärt der Holländer Albert Baan, der seit 21 Jahren an den Romsdalsfjord reist. Auf dem Wasser beginnt ein wahres Fischereifest: Die Sprotten spritzen an die Oberfläche, denn von unten werden sie von den Makrelen attackiert, während von oben die Möwen im Sturzflug jagen. Mittendrin dümpeln die Boote der Angler, die Makrele um Makrele aus dem Wasser ziehen. Mit etwas Glück erwischt man auch einen Dorsch oder einen Köhler, der in Deutschland fast immer "Seelachs" heißt.

Wie in einer Fischfabrik

An manchen Abenden geht es am Schlachtplatz hinter dem Bootshafen zu wie in einer Fischfabrik. Dorsche, Makrelen, Pollack und Schollen werden ausgenommen und filetiert. Anschließend zieht der Duft von frisch gegrillten Fischen über den Platz, denn viele Camper heizen ihre Grills oder sogar kleine mitgebrachte Räucheröfen an.

An vielen Fjorden können Angler auch mit einem Kutter in See stechen. John Kofoed aus Andalsnes zum Beispiel ist im Sommer ständig mit Anglern auf dem Fjord unterwegs. "Da vergeht kein Tag, an dem nicht Ruten brechen oder Schnüre zerreißen", sagt er. Viele Leute kämen mit zu schwachem Gerät - und wenn ein großer Seelachs zupackt und in einem Rutsch 50 Meter Schnur von der Rolle zieht, benötigt man schon eine kräftige Rute und eine richtig eingestellte Schnurbremse.

Die Möwen als ständige Begleiter: In Norwegen können Angelurlauber auch zu organisierten Kutterfahrten aufbrechen.
Die Möwen als ständige Begleiter: In Norwegen können Angelurlauber auch zu organisierten Kutterfahrten aufbrechen.

Manche Gäste fangen bei einer Kuttertour so viel, dass sie ihre Beute einfrieren müssen. "Heutzutage nehmen die Angler meist nur noch Filets mit nach Hause, keine ganzen Fische", sagt Odd Anniken vom Campingplatz im kleinen Ort Mandalen. Das hängt damit zusammen, dass Touristen inzwischen nur noch 15 Kilogramm geangelten Fisch ausführen dürfen, denn auch im fischreichen Norwegen werden die Dorsche knapper. "15 Kilo sind doch völlig ausreichend", meint Alfred Baan dazu. "Wer hier mit Frau und zwei Kindern anreist, könnte sogar 60 Kilo Fischfilets mitnehmen." Die Fährgesellschaften halten dafür auf dem Autodeck extra Kühltruhen oder Tiefkühl-Schließfächer bereit.

Informationen

Innovation Norway, Postfach 11 33 17, 20433 Hamburg, Telefon 040/229 41 50, E-Mail: germany@innovationnorway.no

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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