Reise

Schluchtensteig im Schwarzwald: Wo Wutach und Wehra rauschen

Der Schluchtensteig ist nichts für Warmduscher. Auf 118 Kilometern führt der Fernwanderweg von der Schweizer Grenze durch 17 Schwarzwald-Gemeinden. Wer die Tour in sechs Etappen schaffen und 3000 Höhenmeter überwinden will, muss Kondition mitbringen.

Orientierung ist ebenso wichtig wie Kondition. Die Strecke ist immerhin 118 Kilometer lang.
Orientierung ist ebenso wichtig wie Kondition. Die Strecke ist immerhin 118 Kilometer lang.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

So klein wie Spielzeugautos erscheinen die Fahrzeuge auf der kurvenreichen Wehratalstraße aus 200 Metern Höhe. Hoch oben an den Berghängen zwischen Todtmoos und Wehr windet sich die 22 Kilometer lange, letzte Etappe des Schluchtensteiges vorwärts. Ganz schmal ist der Wanderpfad an manchen Passagen, fast senkrecht geht es den Abhang hinunter in die Wehraschlucht.

"Wanderungen auf dem Schluchtensteig sind kein Sonntagsspaziergang", sagt Klaus Nieke vom Tourismusbüro des Landratsamtes in Waldshut. Als Projektleiter entwickelte Nieke den Fernwanderweg, auf dem seit 2008 immer mehr Wanderer den südlichen Schwarzwald entdecken. Die Strecke mit der Gesamtlänge von 118 Kilometer verläuft von Stühlingen an der Schweizer Grenze durch drei Landkreise und 17 Gemeinden nach Wehr am Hochrhein. Jede der sechs Tagesetappen ist rund 20 Kilometer lang. "Gute Kondition sollte man schon haben, denn sechs Tage hintereinander jeweils 20 Kilometer bergauf und bergab zu tippeln ist schon eine Herausforderung", sagt Nieke. "Schließlich überwindet man dabei rund 3000 Höhenmeter."

Wild- romantische Wutachschlucht: Schon seit 1939 ist sie Naturschutzgebiet. Botaniker haben dort 500 Schmetterlingsarten und rund 2800 Pflanzen wie Streifenfarn, Türkenbund und Silberblatt entdeckt.
Wild- romantische Wutachschlucht: Schon seit 1939 ist sie Naturschutzgebiet. Botaniker haben dort 500 Schmetterlingsarten und rund 2800 Pflanzen wie Streifenfarn, Türkenbund und Silberblatt entdeckt.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Gurgelnde Bäche, steile Felswände, bemooste Baumriesen, rauschende Wasserfälle und tief eingeschnittene Talkerben kennzeichnen den Schluchtensteig. Handtuchschmale Trails wechseln sich ab mit breiten Forstwegen, Wiesenpfade führen an Sonnenhängen über bucklige Bergwiesen und durch Jahrhunderte alte Buchen- und Eichenwälder.

Wer das abenteuerliche Erlebnis der Schluchten sucht, erwandert am besten an zwei Tagen die zweite und dritte Etappe von Blumberg über die Schattenmühle bis nach Fischbach in der Nähe des Schluchsees. Diese beiden Teilstücke führen auf 28 Kilometern ins Herzstück des Schluchtensteiges, in die Wutachschlucht und die benachbarte Haslachklamm.

Oft nur schmaler Trail

An den Ufern von Wutach und Haslach windet sich die Route oft nur als schmaler Trail vorwärts, zum Teil direkt zwischen tosenden Fluten und senkrecht aufragenden Felsen, in die sich die beiden ungezähmten Wildströme bis zu 200 Meter tief eingegraben haben. Deutschlands Grand Canyon begeistert die Wanderer auf dem Schluchtensteig, der hier an manchen Stellen über Geröll und blanken Fels führt.

Blick auf den Schluchsee - Wanderer auf dem Schluchtensteig bekommen immer wieder tolle Ausblicke geboten.
Blick auf den Schluchsee - Wanderer auf dem Schluchtensteig bekommen immer wieder tolle Ausblicke geboten.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Die Wandersaison auf dem Schluchtensteig beginnt im Mai und endet an den letzten Oktobertagen. Als ruhige Wanderzeiten gelten die Wochen außerhalb der Schulferien und der Brückentage. Wer den Blick in die offenen Fernen liebt, sollte das 18 Kilometer lange Teilstück von St. Blasien bis nach Todtmoos unter seine Füße nehmen: Von den unbewaldeten Bergrücken oberhalb des Dörfchens Oberibach bieten sich - je nach Wetterlage - tolle Ausblicke über sattgrüne Bergwiesen und das Hochrheintal bis zum Schweizer Alpenpanorama.

St. Blasien punktet mit seinem 1781 fertiggestellten Dom - dessen Kuppel hat einen Durchmesser von 36 Metern und gilt als drittgrößte in Europa.
St. Blasien punktet mit seinem 1781 fertiggestellten Dom - dessen Kuppel hat einen Durchmesser von 36 Metern und gilt als drittgrößte in Europa.

St. Blasien und Todtmoos bieten sich als Standorte an, um auch ein Stück Kultur des Südschwarzwaldes zu erleben. So punktet St. Blasien mit dem im Jahr 1781 fertig gestellten Dom. Dessen imposante Kuppel weist einen Durchmesser von 36 Metern auf und gilt nach dem Petersdom in Rom und dem Dom in Florenz als drittgrößte Kirchenkuppel in Europa. Todtmoos lockt mit der umfangreichen volkskundlichen Sammlung im "Heimethus" und der Wallfahrtskirche, deren Madonnenbild seit dem Mittelalter Jahr für Jahr Ziel vieler Pilger ist. Und in der Kleinstadt Wehr, dem Endpunkt des Wanderweges, ist der Besuch des privaten Textilmuseums lohnend.

Informationen: Schwarzwald Tourismus , Schwenningerstraße 3, 78048 Villingen-Schwenningen, Telefon: 07721/84 64 10, E-Mail: service@schwarzwald-tourismus.info.

Quelle: n-tv.de

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