Sport

Buschi über ätzende Kommentare - und den Fall Hitzlsperger: Schumachers Unfall wühlt mich auf

In seiner ersten Kolumne für n-tv.de legt Frank Buschmann los wie gewohnt: Der TV-Kommentator regt sich über einige Reaktionen auf den Unfall von Michael Schumacher richtig auf - und sagt, was die Fans nach dem Coming-out von Thomas Hitzlsperger lassen sollten.

Ratatatata, ich freue mich, hier ab sofort jeden Mittwoch wichtige Sportthemen zu diskutieren.

"Natürlich bewegt Schumachers Schicksal viele Menschen."
"Natürlich bewegt Schumachers Schicksal viele Menschen."(Foto: imago sportfotodienst)

Ende 2013 hatte ich mir vorgenommen, ganz langsam ins WM- und Olympiajahr zu starten. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Der schwere Skiunfall von Ex-Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher mit schwersten Kopfverletzungen noch Ende des alten Jahres: Ich muss sagen, das hat mich unglaublich mitgenommen. Viele Stunden habe ich als Fan vor dem Bildschirm mit diesem Mann verbracht. Einer der Helden des deutschen Sports. Für mich ist es selbstverständlich, dass viele Menschen Anteil nehmen und Schumi und seiner Familie das auch zeigen.

Was ich aber nie verstehen werde: Es gab, vor allem in sozialen Netzwerken, viele Menschen, die diese Anteilnahme kritisierten und sich respektlos äußerten. Da platzt mir die Hutschnur. Natürlich bewegt Schumachers Schicksal sehr viele Menschen. Der Mann ist für viele ein Idol, eine Motorsportikone. Das hebt ihn nicht über Menschen, die ebenfalls schwer verunglücken, aber das macht ihn eben interessanter. Plötzlich wirkt dieser scheinbar unbesiegbare, oft unnahbar wirkende Held so verletzlich.

Ich fand die große Anteilnahme gut und absolut nachvollziehbar. Die Spekulationen über Unfallhergang und Genesungschancen waren dann eher kein Ruhmesblatt für einige Medienvertreter. Klar ist mittlerweile allen: Schumi ist nicht verunglückt, weil er ein Adrenalinjunkie ist. Er hatte einfach unglaubliches Pech! So, wie es jeder von uns morgen auch haben kann ... Ich drücke Michael Schumacher die Daumen, ihm und seiner Familie wünsche ich ganz viel Kraft!

Hört auf mit den Spekulationen!

Das zweite ganz große Thema aus der Sportwelt ist das Coming-out des ehemaligen Nationalspielers Thomas Hitzlsperger. Auch hier gab es eine unglaubliche Resonanz der Öffentlichkeit und in den Medien. Viele Sportreporter mutierten plötzlich zu Sozialwissenschaftlern und wurden genötigt - manche haben sich auch gedrängt - sich zu Homosexualität im Profifußball zu äußern. Auch ich habe viele Interviewanfragen zu dem Thema bekommen, aber kaum eine angenommen. Warum? Weil ich mich schwer tue, die Erwartungen vieler Fußballfans zu erfüllen. Es wird vorausgesetzt, dass wir Berichterstatter doch mehr wissen als die meisten anderen.

Und damit sind wir beim Punkt: Ich kann nicht beurteilen, wie der Großteil der Fans damit umgehen würde, wenn sich zum Beispiel ein noch aktiver Nationalspieler outet. Aber eins ist klar, einige Hirnlose würden ganz sicher Grenzen überschreiten und es einem schwulen Fußballer nicht gerade leicht machen. So supertolerant und weltoffen wie ich in einigen Talkshows gehört habe, sind wir nämlich längst nicht alle. Deshalb war Hitzlspergers Schritt mutig und wichtig, er hat großen Respekt verdient!

Ob sich durch dieses Coming-out etwas ändern wird im Umgang mit Homosexualität, ob jetzt aktive Spieler dem Ex-Nationalspieler folgen werden? Ich habe da große Zweifel, leider ... Ach eins noch, wir sollten alle aufhören mit diesen unsäglichen Spekulationen, wer denn in der Bundesliga sich doch jetzt endlich outen könne. Das hat mich schon vor der aktuellen Debatte extrem genervt.

Nächste Woche geht es hier dann um den Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga, ohne einen Weltfußballer 2013 ...

Bis dahin,

Euer Buschi

Ab sofort schreibt Frank Buschmann jeden Mittwoch auf n-tv.de über alles, was ihn bewegt.

Quelle: n-tv.de

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