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Gelb kassiert, Wadenbein gebrochen: Sokratis zahlt für sein hartes Foul.
Gelb kassiert, Wadenbein gebrochen: Sokratis zahlt für sein hartes Foul.(Foto: imago/Team 2)

"Collinas Erben" leiden: Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Von Alex Feuerherdt

Die Schiedsrichter kämpfen auch am 11. Spieltag mit einer Neuerung. In Freiburg riskiert Felix Zwayer nach einem Handspiel alles - und gewinnt. Die älteren Referees leisten passiven Widerstand gegen das Freistoßspray.

Wäre die Abseitsregel ein Beziehungsstatus bei Facebook, dann könnte die entsprechende Angabe derzeit nur lauten: "Es ist kompliziert". Denn seit der Reformierung dieser Regel im Sommer 2013 ergeben sich ein ums andere Mal Situationen, die nicht nur Spieler wie Zuschauer vor Rätsel stellen, sondern auch die Schiedsrichter und ihre Assistenten in außergewöhnlichem Maße fordern. So wie kürzlich im Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart, als man geteilter Meinung darüber sein konnte, ob die Abseitsposition des Torschützen zum 1:1 ahndungswürdig war oder nicht.

Auch in der Auftaktpartie des elften Spieltags zwischen Hertha BSC und Hannover 96 kam es zu einer schwer zu durchschauenden Szene: Bei einem schnellen Angriff der Hannoveraner in der 56. Minute versuchte der kurz zuvor eingewechselte Berliner John Anthony Brooks, einen Pass von Hiroshi Kiyotake in die Spitze zu klären, doch der Ball kam zu Hannovers Leonardo Bittencourt, dessen Hereingabe wiederum Kiyotake zum vermeintlichen 0:2 einschob. Vorlagengeber Bittencourt befand sich dabei klar in Abseitsposition, doch dieses Abseits wäre aufgehoben gewesen, wenn der Ball direkt von Gegenspieler Brooks gekommen wäre. Denn dessen Rettungsaktion hätte als absichtliches Spielen des Balles gezählt und nicht nur als Abfälschen.

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Der Ball kam aber nicht direkt von Brooks, denn die Fußspitze von Kiyotake war noch dazwischen. Damit hatte Bittencourt den Ball von einem Mitspieler erhalten und war aktiv im Abseits - denn bei der angreifenden Mannschaft spielt es in Bezug auf die Frage "Abseits oder nicht?" keine Rolle, ob das Zuspiel kontrolliert oder zufällig erfolgt. Kompliziert? Gewiss, vor allem in Echtzeit auf dem Platz. Peter Sippel und sein Assistent taten dann auch das einzig Richtige: Sie ließen zunächst weiterspielen und rekapitulierten die Szene, nachdem der Ball im Tor lag, das Spiel also unterbrochen war. Ergebnis der Beratung: Der Treffer wurde annulliert. Hut ab vor dem Gespann, in dieser extrem engen, schwer zu beurteilenden und regeltechnisch kniffligen Situation die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Vorteil genutzt

Viel Augenmaß bewies auch Referee Felix Zwayer beim Führungstor des SC Freiburg gegen Schalke 04 in der 22. Minute. Schalkes Weltmeister Benedikt Höwedes hatte im eigenen Strafraum eine Flanke von Sebastian Freis mit der Hand abgelenkt, und eigentlich wäre dafür ein Strafstoß fällig gewesen. Doch Zwayer zögerte mit dem Pfiff, weil der Ball zum völlig freistehenden Freiburger Christian Günter gelangte, der dann auch sein erstes Bundesligator erzielte. Der Schiedsrichter wandte hier in geradezu vorbildlicher Weise die Vorteilsregel an.

Doch was wäre passiert, wenn Günter vorbeigeschossen hätte? Ganz einfach: Ein nachträglicher Elfmeterpfiff wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Etwa drei Sekunden lang hat der Unparteiische Zeit, um abzuwarten, ob sich trotz eines Vergehens ein Vorteil für die betreffende Mannschaft ergibt. Ist das nicht der Fall, kann er den ursprünglichen Verstoß noch ahnden. Eingetreten war der Vorteil hier in dem Moment, als Günter den Ball - und das ist entscheidend - ungehindert aus acht Metern aufs Schalker Tor schießen konnte. Ein größerer Vorteil hätte auch ein Strafstoß nicht sein können.

Freistoßspray? Muss nicht ...

Manche Diskussion gab es über das rüde Foul von Dortmunds Verteidiger Sokratis gegen den Mönchengladbacher André Hahn in der 82. Minute. Schiedsrichter Dr. Felix Brych zeigte dem Griechen lediglich die Gelbe Karte - und das war ganz richtig so. Denn bei Sokratis' Einsteigen handelte es sich keineswegs um ein brutales Spielen mit offener Sohle und ohne Rücksicht auf Verluste, sondern um ein taktisches und mit einiger Dynamik ausgeführtes Beinstellen, das zweifellos hart, aber nicht wirklich gesundheitsgefährdend war. Jedenfalls nicht für André Hahn - Sokratis selbst trug in dieser Szene allerdings einen Wadenbeinbruch davon.

Ein Kuriosum offenbarte sich aufmerksamen Beobachtern beim Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem Hamburger SV: Schiedsrichter Knut Kircher hatte kein Freistoßspray an seinem Hosenbund befestigt. Ob bewusst oder unabsichtlich, ist nicht überliefert. Auffällig ist allerdings, dass sich insbesondere die älteren Unparteiischen mit dieser Neuerung, die am achten Spieltag erstmals zur Anwendung kam, nicht so recht anzufreunden scheinen. Einige von ihnen setzen die Sprühdose nur im absoluten Ausnahmefall ein, Kircher ließ sie sogar gleich ganz in der Kabine. Ein Verstoß ist das gleichwohl nicht. Denn das Spray ist ein Kann respektive Soll. Aber es ist kein Muss.

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Quelle: n-tv.de

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