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Schiedsrichter, Elfmeter! Fünfmal forderten die Bremer und ihr Trainer Robin Dutt einen Strafstoß.
Schiedsrichter, Elfmeter! Fünfmal forderten die Bremer und ihr Trainer Robin Dutt einen Strafstoß.(Foto: imago/Contrast)

"Collinas Erben", skurril und brutal: Werder weinerlich, Werner im Glück

Von Alex Feuerherdt

Am Anfang steht ein umstrittener Strafstoß. Und am Ende auch. Andernorts fordert man an diesem siebten Spieltag der Fußball-Bundesliga mehrfach und vergeblich einen Elfmeter. In Wolfsburg agiert ein Augsburger eher skurril als brutal.

Elfmeter oder nicht? Eigentlich ist es ja ganz einfach: "Begeht ein Spieler bei laufendem Spiel eines der zehn Vergehen, die mit direktem Freistoß zu bestrafen sind, innerhalb des eigenen Strafraums, wird gegen das Team des fehlbaren Spielers ein Strafstoß ausgesprochen." So klar steht es jedenfalls in der Regel 14, die auch "Strafstoß" heißt. Zu den zehn Vergehen gehören: das Treten, Beinstellen, Anspringen, Rempeln, Schlagen, Stoßen, Bedrängen, Halten und Anspucken eines Gegners sowie das absichtliche Handspiel. So weit die Theorie.

In der Praxis gestaltet sich die Sache allerdings etwas komplizierter, wie an diesem siebten Spieltag der Fußball-Bundesliga deutlich zu Tage trat. Zum einen ist Fußball nun mal ein Kontaktsport und bei so manchem Zweikampf kann man trefflich darüber streiten, ob er noch unter die Rubrik "fußballtypische Härte" fällt oder bereits als "verbotenes Spiel" anzusehen ist. Hier kommt es letztlich auf das Ermessen des Schiedsrichters an, der für sein Urteil gewisse Spielräume nutzen kann und soll. Zum anderen ist der Elfmeter die härteste Spielstrafe, die das Regelwerk kennt, schließlich ist bei ihm die Torgefahr besonders groß. Deshalb sollen die Unparteiischen diese Sanktion auch nur dann verhängen, wenn sie sich ihrer Sache besonders sicher sind.

Fünf Mal liegt Kircher richtig

So wie Deniz Aytekin am Freitagabend zwischen Hertha BSC und dem VfB Stuttgart. In der 21. Minute schien der Stuttgarter Carlos Gruezo den Ball im eigenen Strafraum bereits unter Kontrolle bekommen zu haben, als der Berliner Valentin Stocker plötzlich doch noch ein Bein zwischen Gruezo und den Ball brachte - und unmittelbar danach zu Boden ging.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Fußball-Verband Mittelrhein und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Aytekin gab einen Strafstoß, und tatsächlich deutete vieles darauf hin, dass der sichtlich überraschte Gruezo den Herthaner in seiner Not recht unbeholfen zu Fall gebracht hatte. Erst nach mehreren Zeitlupen konnte man sehen, dass Stocker den von beiden Spielern gleichermaßen verursachten Kontakt genutzt hatte, um mehr freiwillig denn gezwungen zu stürzen.

Gleich fünf Mal forderten die sportlich arg gebeutelten Bremer im Heimspiel gegen den SC Freiburg einen Elfmeter: in der 14. Minute, als Freiburgs Marc Torrejon ein Bein herausstellte, der Bremer Zlatko Junuzovic allerdings schon vorzeitig zum Sturz ansetzte; in der 25. Minute, als Torrejon im Luftkampf Alejandro Galvez leicht mit dem Unterarm touchierte; in der 43. Minute, als Marc-Oliver Kempf ein wenig am Trikot von Franco Di Santo zog und dieser daraufhin langsam zu Boden sank; in der 54. Minute, als Junuzovic den Ball gegen den (angelegten) Arm von Stefan Mitrovic schoss; und in der 61. Minute, als Vladimir Darida sein Bein ein bisschen zu hoch gestreckt und Santiago Garcia seinen Kopf etwas zu tief gehalten hatte. Fünfmal ließ Schiedsrichter Knut Kircher weiterspielen - fünfmal lag er damit richtig.

Auf der anderen Seite gab es nur eine Szene, bei der sich die Frage stellte: Strafstoß oder nicht? Und hier zeigte der Referee schon nach acht Minuten auf den Elfmeterpunkt, nachdem Sebastian Prödl dem Freiburger Maximilian Philipp im Zweikampf ein Bein gestellt hatte. Es war von allen strittigen Strafraumsituationen die einzige, in der ein Elfmeter wirklich angemessen war, auch wenn die Bremer das partout nicht wahrhaben wollten. Knut Kircher, einem der erfahrensten und besten Bundesliga-Schiedsrichter, gebührt ein Kompliment dafür, seine Linie durchgezogen und sich nicht zu einer Konzessionsentscheidung hinreißen lassen zu haben.

"Ich wollte den Schuh hochlupfen"

Kontrovers diskutiert wurde einmal mehr auch über das Thema Handelfmeter. In Leverkusen sprang dem Paderborner Daniel Brückner der Ball nach 78 Minuten im eigenen Strafraum aus kürzester Distanz an die Hand, wobei er seinen Arm weder unnatürlich gehalten noch in Richtung des Spielgeräts bewegt hatte. Schiedsrichter Günter Perl ließ deshalb folgerichtig weiterspielen. In Mönchengladbach haderten die Gastgeber mit dem Unparteiischen Manuel Gräfe, der einen Elfmeter für die Gäste aus Mainz gab, als Julian Korb eine Flanke mit dem Unterarm ins eigene Toraus beförderte. Regeltechnisch gesehen lag hier eine "Vergrößerung der Körperfläche" vor - schließlich hatte Korb seinen Arm angespannt und leicht abgewinkelt. Den Strafstoß hätte Gräfe allerdings durchaus wiederholen lassen können, schließlich waren gleich mehrere Mainzer Spieler deutlich zu früh in den Strafraum gelaufen.

Die kurioseste Szene des Spieltags war zweifellos in Wolfsburg zu sehen: Augsburgs Tobias Werner verhinderte die Ausführung eines Einwurfs durch Kevin De Bruyne, indem er seinen unfreiwillig gelockerten Schlappen in Richtung des Wolfsburgers kickte und diesen dort traf, wo Männer normalerweise besonders empfindlich sind. De Bruyne zuckte jedoch nicht einmal zusammen und beschwerte sich auch kaum. "Mir wurde vorher im Zweikampf der Schuh ausgezogen, darauf wollte ich den Linienrichter hinweisen", erklärte Werner nach dem Spiel kleinlaut. "Ich wollte den Schuh hochlupfen und selber auffangen. Eine dumme Aktion, aber das war nie und nimmer Absicht."

So sah es auch Schiedsrichter Markus Schmidt, der sich deshalb entschloss, in Werners kurios anmutendem Vorgehen keine Tätlichkeit, sondern nur eine Unsportlichkeit zu erkennen. Dementsprechend gab es lediglich die Gelbe statt der - durchaus möglichen - Roten Karte. "Das war in Ordnung so", fand Wolfsburgs Manager Klaus Allofs, und selbst der Getroffene war einverstanden mit der Entscheidung des Unparteiischen: "Kein Rot", sagte De Bruyne. Mit Recht, denn das Ganze war letztlich eher skurril als brutal. Hätte Werner dem Wolfsburger allerdings ernsthaft weh getan, wäre ein Platzverweis unumgänglich gewesen - unabhängig davon, was der Augsburger Mittelfeldspieler beabsichtigte.

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Quelle: n-tv.de

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