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"Warum nicht nach Guantánamo?": Chiellini und Maradona verteidigen Suárez

In Uruguay brodelt die Volksseele - ist die Sperre für "Beißer" Luis Suárez zu hart? Diego Maradona vermutet ein "Mafia-Ding" der Fifa, Fürsprache kommt auch aus Italien: "Opfer" Chiellini plädiert für eine mildere Strafe. Und Barcelona will die Ablösesumme drücken.

Nach der drakonischen Strafe für Luis Suárez findet Uruguays gestürzter Fußball-Held Unterstützung nur noch in seiner Heimat, bei Diego Maradona - und bei seinem "Opfer" Giorgio Chiellini: "In mir gibt es keine Freude, Rache oder Wut gegen Suárez. Ich respektiere den Fifa-Beschluss, die Strafe ist aber zu streng", sagte der Abwehrspieler von Juventus Turin. Auf seiner Homepage schrieb der Profi von Juventus Turin: "Ich glaube, dass die ausgesprochene Sanktion übertrieben ist. Ich hoffe ehrlich, dass er bei den Partien wenigstens in der Nähe der Teamkollegen sein darf, denn so ein Bann ist für einen Spieler wirklich entfremdend."

Giorgio Chiellini: Gebissen, aber milde.
Giorgio Chiellini: Gebissen, aber milde.(Foto: REUTERS)

Der Stürmer war nach seiner Beißattacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini im letzten Gruppenspiel vom Weltverband Fifa für neun Partien beziehungsweise vier Monate gesperrt worden. Der Wiederholungstäter darf dem Urteil zufolge an keinerlei Aktivitäten in Zusammenhang mit Fußball teilnehmen und musste dementsprechend auch seine WM-Akkreditierung abgeben. Zudem verhängte die Fifa eine Geldstrafe gegen ihn in Höhe von 82.000 Euro. Uruguays Verband hat Einspruch gegen das Urteil angekündigt.

Ex-Weltmeister wettert

Argentiniens einst als Dopingsünder entlarvte Ikone Maradona wittert indes hinter der Sperre gegen den beißwütigen Stürmerstar des FC Liverpool wieder mal eine Verschwörung des Weltverbandes Fifa: "Warum schickt man ihn nicht gleich nach Guantánamo? Wen hat er getötet? Das ist ein unglaubliches Mafia-Ding", wetterte der Weltmeister von 1986 im venezolanischen Fernsehen. Maradonas ganz spezielle Sicht der Dinge ist für Uruguays brodelnde Volksseele kurz vor dem WM-Achtelfinale gegen Kolumbien Balsam auf eine tiefe Wunde.

Suárez landete derweil in Uruguay und wurde auf dem Flughafen in Montevideo von Hunderten Fans begeistert empfangen. Die Anhänger hielten Plakate mit Aufschriften wie "Luis, ganz Uruguay ist mit Dir" in die Höhe, nachdem der gefallene Star vom FC Liverpool die Privatmaschine verlassen hatte. Suárez machte sich nach der Ankunft auf den Weg in die Stadt Canelones, um dort seine Mutter zu besuchen.

Diego Maradona wittert Verschwörung.
Diego Maradona wittert Verschwörung.(Foto: AP)

Unterstützung durch das Opfer, Verschwörungsanschuldigungen durch Maradona – noch mehr Grund für Uruguay, das Fifa-Urteil als himmelschreiende Ungerechtigkeit zu empfinden. "Ein ganzes Land ist in Aufruhr", fasste die Zeitung El Pais die Stimmung unter den rund drei Millionen Einwohnern sowie unzählige Twitter-Kommentare zu einer angeblichen "Lynchjustiz" der Fifa zusammen. Das Blatt La Republica sah "Suárez gekreuzigt". Uruguays früherer Außenminister Didier Opertti, einst Präsident der UN-Generalversammlung und Experte für internationales Recht, bezeichnete Suárez' Verbannung als "Menschenrechtsverletzung" und "Verletzung des Grundrechts auf Arbeit".

Härte in England

Außer in seiner Heimat erfährt Suárez allerdings kaum Mitleid. "Suárez zerfleischt", titelte die Gazzetta dello Sport mit Wortwitz. Scharfer Wind schlug dem Torschützenkönig der Premier League besonders aus seiner Wahlheimat England entgegen. "Natürlich wird Suárez wieder andere Leute beschuldigen: die englischen Medien, die italienischen Medien, die italienischen Spieler und vielleicht auch seine Frau", kommentierte der Mirror das Fifa-Urteil. "Suárez bezahlt teuer für seine beißende Schande", konstatierte der Daily Telegraph.

Tatsächlich lässt der Fifa-Bannstrahl Suárez auch finanziell bluten. Schon am Freitag beendete ein Online-Glücksspiel-Unternehmen seinen Werbevertrag mit dem Stürmer. Der Sportartikel-Hersteller Adidas kündigte nach dem sofortigen Stopp sämtlicher WM-Aktivitäten mit dem Südamerikaner eine "Überprüfung unserer künftigen Pläne mit Luis Suárez" an. Das englische Boulevardblatt The Sun sagte Suárez einen Einbruch seines Marktwertes um umgerechnet 25 Millionen Euro voraus. Paradoxerweise jedoch könnte gerade eine solche Entwicklung den Wechselplänen des bis zum 26. Oktober gesperrten Angreifers in die Karten spielen.

Bald beim FC Barcelona?

Während sein derzeitiger Klub Liverpool noch nicht auf den langen Ausfall seines Top-Torschützen reagiert hat, will der spanische Renommierklub FC Barcelona laut der Sportzeitung Marca das derzeitige "Anti-Suárez-Klima" ausnutzen: Angeblich möchten die Katalanen den auch von Champions-League-Sieger Real Madrid umworbenen Goalgetter, der seit ähnlichen Ausfällen bei Ajax Amsterdam und später im Trikot der "Reds" den Spitznamen "Kannibale" trägt, für 50 Millionen Euro statt der bislang aufgerufenen Ablöse von 90 Millionen Euro von der Anfield Road weglocken.

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Quelle: n-tv.de

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