Wirtschaft
Entspannt ins Jahr 2013: Sky Deutschland hat zwar viel vor, aber auch einen potenten Inhaber.
Entspannt ins Jahr 2013: Sky Deutschland hat zwar viel vor, aber auch einen potenten Inhaber.(Foto: picture alliance / dpa)

Murdoch übernimmt die Macht: 1,6 Mrd. in Sky Deutschland

Anfang 2008 steigt Murdochs News Corp. beim damaligen Premiere ein. Sky Deutschland entsteht, bleibt aber defizitär. Der Einstieg lohnt sich dennoch, den es gibt riesige Verlustvorträge. 2013 strebt der Bezahlfernsehsender operativ schwarze Zahlen an, Zeit für Murdoch die Macht an sich zu reißen.

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Medienmogul Rupert Murdoch hat sich endgültig die Macht über den Bezahlfernseh sender Sky gesichert. Murdoch stocke seine Beteiligung auf 54,5 Prozent auf und nehme dafür 374 Mio. Euro in die Hand, teilte Sky mit. Über seinen News-Corp-Konzern erwirbt Murdoch die Sky-Aktien aus einer Kapitalerhöhung. Bislang hielt der Australier etwas weniger als die Hälfte an dem Münchner Unternehmen. Zusammen mit einem zweiten Aktiendeal werden Sky insgesamt 438 Mio. Euro zufließen. Die Transaktionen sind Kernteil einer komplexen Neufinanzierung von Sky, mit der die Firma endgültig unter die Kontrolle des 81-jährigen kommt. Murdoch hat in den vergangenen fünf Jahren damit 1,6 Mrd. Euro in das Pay-TV-Unternehmen gebuttert.

Das Timing ist nicht zufällig: Ende November ebnete das Finanzamt München den Weg. Die Behörde hatte entschieden, dass Murdoch seinen Sky-Anteil auf mehr als 50 Prozent erhöhen darf, ohne einen in den vergangenen Jahren angehäuften Steuerbonus zu verlieren. Der Wert der Gutschrift ist gewaltig: 2,1 Mrd. Euro. Der Posten ist so groß, da die vormals als Premiere bekannte Firma seit der Gründung vor gut zwei Jahrzehnten so gut wie nie profitabel war. Das Steuerrecht erlaubt, die früheren Verluste später mit Gewinnen zu verrechnen, womit die Steuerlast sinkt.

Mit Überschreiten der 50-Prozent-Schwelle muss Murdoch nach Aussagen eines Sky-Sprechers kein Übernahmenangebot für die restlichen Aktien abgeben. Gesetzlich ist ein Pflichtangebot bei einer Beteiligung ab 30 Prozent vorgesehen. Diese Schwelle hatte Murdoch bei Sky schon vor längerem überschritten, 2009 aber von der Finanzaufsicht Bafin einen Freibrief bekommen, da das Unternehmen ein Sanierungsfall war.

2013 steht operativ die schwarze Null

Murdoch war Anfang 2008 eingestiegen, um aus dem dauerdefizitären Bezahlkanal eine Cash-Cow nach dem Vorbild seiner Sender in Großbritannien und Italien zu machen. Die Manager, die er an die Isar schickte, lieferten zunächst nur Hiobsbotschaften. So kam bald heraus, dass der Sky-Vorläufer Premiere seine Abo-Zahlen aufgeblasen hatte. Geplagt von Problemen mit der Technik bekamen die Manager auch den Kundenexodus nicht in den Griff. Die Wende kam erst mit dem neuen Chef Brian Sullivan, der 2009 das Ruder übernahm. Der Amerikaner, der vorher 13 Jahre beim britischen Murdoch-Ableger BSkyB gearbeitet hatte, krempelte Kundenbetreuung und Werbung um und führte ein Reihe technischer Neuerungen wie Sky-Programme (Apps) für Tabletcomputer ein, die bei den Kunden gut ankamen.

Rupert Murdoch: Medienmogul, Gründer von News Corp.
Rupert Murdoch: Medienmogul, Gründer von News Corp.(Foto: picture alliance / dpa)

Wichtiger Faktor für den Erfolg waren auch die zahlreichen HD-Kanäle, die Sky lange vor anderen Sendern an den Start brachte. Das Rezept ging auf: 2012 konnte die Zahl der Abonnenten um 351.000 auf 3,363 Millionen gesteigert werden, wie Sky mitteilte. Das Unternehmen bestätigte seinen Ausblick und will 2013 operativ schwarze Zahlen schreiben. 

An der Börse kamen der Abo-Boom und die neueste Geldspritze für Sky gut an. Die Aktien des im MDax gelisteten Unternehmens zogen um rund 1 Prozent an, hatten aber bereits zuvor deutlich hinzugewonnen.

Große und kostspielige Ziele

Der Geldregen von 440 Mio. Euro kommt Sky gelegen, da  ab diesem Jahr eine Kostenlawine auf den TV-Konzern zurollt. Sky hat bei der Versteigerung der Live-Rechte an der Fußball-Bundesliga im Frühjahr 2012 die Deutsche Telekom aus dem Feld geschlagen - allerdings zu einem hohen Preis. Ab Sommer zahlen die Münchner pro Saison 486 Mio. Euro, fast doppelt so viel wie bisher. Für die gesamte Ausschreibungszeit von 2013 bis 2017 legt der Sender mehr als 1,9 Mrd. Euro auf den Tisch. Um die Fußball-Offensive zu finanzieren, braucht Sky neue Abonnenten. Einem Konzernsprecher zufolge dient das frische Geld deshalb dazu, das Wachstum zu beschleunigen.

Neben einem neuen Call-Center in Teltow bei Berlin werde vor allem in die Anschaffung von Settop-Boxen investiert, auf der Hunderte von Filmen und Serien aufgezeichnet werden könnten, erläuterte er. Die neuen Empfangsgeräte kauft Sky und vermietet sie dann an die Kunden weiter - das kostet. Nach Aussage von UBS-Analyst Polo Tang hat Sky darüber hinaus noch kostspielige Neuerungen in der Pipeline: Der Sender dürfte bereits am HD-Nachfolgestandard UltraHD arbeiten, mit dem TV-Bilder nochmals detailreicher werden sollen, sowie an einer reinen Internet-Variante seiner Bezahlprogramme. Settop-Boxen wären dann überflüssig.

Quelle: n-tv.de

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