Wirtschaft
Laut dem Statistischen Bundesamt ist jeder sechste Deutsche von Armut bedroht.
Laut dem Statistischen Bundesamt ist jeder sechste Deutsche von Armut bedroht.(Foto: picture alliance / dpa)

Jeder Sechste ist gefährdet: 13 Millionen Deutschen droht Armut

Von Hannes Vogel

Trotz der guten Konjunktur haben Millionen Deutsche so wenig Geld, dass sie in die Armut abrutschen könnten. Im Rest Europas sieht es allerdings weit schlimmer aus - besonders für Frauen.

Trotz der vergleichsweise guten Lage am Arbeitsmarkt droht fast jedem sechsten Deutschen Armut. 13 Millionen Menschen waren laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2013 gefährdet - rund 16,1 Prozent der Bevölkerung. Wer einen Job hat, gerät vergleichsweise selten in Bedrängnis. Hier sind nur 8,6 Prozent gefährdet, bei den Arbeitslosen sind es dagegen 69,3 Prozent.

Wirtschaftswachstum und Rekordbeschäftigung ändern kaum etwas an der Lage. Der Anteil der armutsgefährdeten Menschen liegt immer noch genauso hoch wie 2012. Besonders hoch ist das Risiko für Alleinerziehende, Singles und Frauen. 35,2 Prozent der Alleinerziehenden laufen laut den Zahlen Gefahr in die Armut abzurutschen, bei den Singles sind es 31,9 Prozent.

Kinder senken das Armutsrisiko: Nur 11,1 Prozent aller Familien mit einem Kind sind laut der Erhebung von Armut bedroht. Bei Familien mit zwei Kindern sind es sogar nur 8,5 Prozent. Das könnte daran liegen, dass viel mehr staatliche Leistungen an Familien fließen als an Singles.

Durch alle Altersgruppen hindurch sind Frauen viel gefährdeter als Männer. Bei den 18- bis 64-Jährigen gelten fast 18 Prozent der Frauen als von Armut bedroht, aber nur 16 Prozent der Männer. Noch deutlicher wird der Unterschied bei den über 65-Jährigen: Hier sind 17 Prozent aller Frauen, aber nur 12,7 Prozent aller Männer gefährdet. Ein Grund dafür könnte sein, dass Frauen durch Kindererziehungszeiten häufig viel geringere Rentenansprüche erwerben als Männer.

Armutsgrenze ist willkürlich

Festlegen wollen sich die Statistiker allerdings nicht: Sie erheben nur beschreibende Daten zur Armutsgefährdung, untersuchen in der Erhebung aber nicht, welche Faktoren zu Armut führen. Die höhere Armutsgefährdung von Frauen ist zwar auch europaweit die Regel. Die Ausnahme bilden allerdings Spanien, Portugal, Ungarn, Dänemark und Island: Hier haben Männer ein höheres Risiko in die Armut abzurutschen als Frauen.

Die Armutsgefahr ist allerdings in allen Ländern eher statistisch, nicht unbedingt real. Denn als gefährdet gilt bereits, wer weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens der Gesamtbevölkerung verdient. Eingerechnet werden alle Transferleistungen des Staates wie Kindergeld, Wohngeld oder Hartz IV und Renten. Im Jahr 2013 lag der Schwellenwert in Deutschland für eine alleinlebende Person bei 979 Euro im Monat, für eine Familie mit zwei Kindern bei 2056 Euro monatlich.   

Die Armutsgrenze von 60 Prozent des Medianeinkommens haben die EU-Staaten 2003 festgelegt, um die Lebensverhältnisse europaweit vergleichen zu können. Als willkürlicher Schwellenwert ist sie damit wie viele statistische Indikatoren angreifbar. Und so dramatisch die Zahlen scheinen: Im Rest Europas sieht es weit schlimmer aus als in Deutschland.  

Die Armutsgefährdung liegt hierzulande mit 16,1 Prozent leicht unter dem europaweiten Durchschnitt von 16,7 Prozent. Spitzenreiter aller EU-Länder ist Griechenland: Hier sind 23,1 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Auch in Spanien, Italien, Portugal oder Polen liegt die Zahl höher. Frankreich, Großbritannien, Dänemark oder Norwegen schneiden hingegen deutlich besser ab. In Tschechien sind sogar nur 8,6 Prozent aller Einwohner armutsgefährdet, die niedrigste Quote in ganz Europa.

Quelle: n-tv.de

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