Wirtschaft
Das Internet-Urgestein erzielt mit seinen Alt-Abonnenten heute noch einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich.
Das Internet-Urgestein erzielt mit seinen Alt-Abonnenten heute noch einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich.(Foto: picture alliance / dpa)

Vergessliche Abonnenten: AOL verdient kräftig an Uralt-Nutzern

Von Kai Stoppel

"Bin ich immer noch drin oder was?" Das sollten sich einige Kunden von AOL sicherlich mal fragen. Denn obwohl die Einwahl-Software des Unternehmens schon lange überflüssig ist, zahlen Millionen Kunden weiter brav ihre Beiträge.

Lange sind sie her, die Zeiten, als man sich noch ins Internet einwählen musste. Der US-Konzern AOL war damals ganz vorne mit dabei - mit seiner Einwahl-Software samt kostenpflichtigem Abonnement. Sogar Boris Becker zeigte sich Ende der 90er Jahre in einem AOL-Werbespot verblüfft, wie einfach dies funktioniert. "Bin ich schon drin oder was?"

Lange scheint dies her zu sein. Doch wie der US-Technologie-Blog "Recode" berichtet, gibt es immer noch etwa 2,3 Millionen Alt-Kunden, die für ihren AOL-Internetzugang bezahlen. Dabei dürfte es höchst unwahrscheinlich sein, dass die Abonnenten diesen tatsächlich noch nutzen. Denn seit dem Erfolg von Breitband-DSL und Internet-Flatrates ist die AOL-Einwahl-Software schlichtweg überflüssig.

Auch aus diesem Grund hat sich AOL mittlerweile als Inhalteanbieter positioniert und macht seine Erlöse vor allem mit Werbung auf Websites. Zum Unternehmen gehört unter anderem die Online-Zeitung "Huffington Post".

Alt-Kunden sorgen für ein Viertel des Umsatzes

Dem US-Unternehmen selbst dürfte die Vergesslich- oder Bequemlichkeit der Ex-Nutzer nicht nur egal, sondern vielmehr höchst willkommen sein: Laut jüngstem Geschäftsbericht sind diese Uralt-Kunden immer noch eine sprudelnde Einnahmequelle.

Denn diese Abonnenten sorgen aktuell noch für etwa ein Viertel des Umsatzes. Und der Internet-Pionier verzeichnete mit dieser Sparte einen operativen Gewinn von 143 Millionen Dollar (107 Millionen Euro) im vergangenen Quartal - was mehr ist als der operative Gewinn aller Unternehmenszweige zusammengenommen.

Unterm Strich verdiente AOL im zweiten Quartal 28,2 Millionen Dollar - ein Rückgang von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Aktie hat es nicht geschadet - sie legte am Mittwoch, dem Tag der Veröffentlichung der Quartalszahlen, kräftig zu. So dürfte man am AOL-Unternehmenssitz in New York nur hoffen, dass auch künftig nicht allzuviele Kunden ihre Abrechnungen gründlich hinterfragen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen