Wirtschaft
Spritpreis an einer Tankstellenzapfsäule in Brooklyn. Die Ölpreise sind in den vergangenen 18 Monaten um 70 Prozent eingebrochen - nicht nur wegen der Ölschwemme, sondern auch wegen der stotternden Konjunktur in China.
Spritpreis an einer Tankstellenzapfsäule in Brooklyn. Die Ölpreise sind in den vergangenen 18 Monaten um 70 Prozent eingebrochen - nicht nur wegen der Ölschwemme, sondern auch wegen der stotternden Konjunktur in China.(Foto: REUTERS)

Wie geht es weiter mit dem Ölpreis?: Am Ölmarkt regiert das Prinzip Hoffnung

Seit dem 13-Jahrestief im Februar hat der Preis für US-Öl 45 Prozent gutgemacht. Auch wenn das noch keine Entwarnung für die Ölförderer bedeutet, mit steigenden Preisen schwindet das Interesse an einer Begrenzung der Produktion doch erheblich. Ausgang offen.

Das Prinzip Hoffnung hat es so an sich, dass es auf keinen oder wenigen soliden Daten fußt. Das sieht man fast nirgendwo besser als am Ölpreis. Am Montag machte er erst wieder einen weiteren kräftigen Satz nach oben. Hintergrund war die Zuversicht, dass die Produktion des Rohstoffs weltweit gebremst werden könnte und die wichtigsten Förderländer ein Abkommen zur Drosselung der Ölflut ungeachtet aller unterschiedlichen Interessen zustande bringen könnten.

Seit dem 13-Jahrestief im Februar hat der Preis für US-Öl bereits 45 Prozent gutgemacht. Die Anleger blicken gebannt auf die Gespräche der Ölförderländer über ein Einfrieren der Produktion. Zugleich steigt die Erwartung, dass die Förderung in den USA sinkt.

Aber es gibt auch eine Reihe warnender Stimmen. Einige Analysten erinnern an die noch immer vollen Lager bei Öl und bei Raffinerieprodukten. So liegen in Amerika die Rohölbestände auf dem höchsten Niveau seit über 80 Jahren. 

Nichtsdestotrotz: Am Montag kletterte der Preis für Öl der US-Sorte WTI um 5,5 Prozent auf 37,90 Dollar. Öl der Nordseesorte Brent stieg erstmals seit Anfang des Jahres über 40 Dollar und verteuerte sich um 5,5 Prozent auf 40,48 Dollar je Barrel. Damit erreichten die beiden Sorten das höchste Settlement seit dem 24. Dezember bzw. seit dem 4. Dezember.

Verbraucher zahlen mehr für Benzin

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Die Ölpreisrally hat mittlerweile sogar die Verbraucher erreicht. Der nationale Durchschnittspreis für eine Gallone an den Tankstellen in den USA ist in der vergangenen Woche um sechs Cent gestiegen, der größte Wochengewinn seit Anfang 2016, wie Daten der American Automobile Association (AAA) belegen. Mit aktuell 1,812 Dollar je Gallone liegt der durchschnittliche Benzinpreis aber noch immer 64,6 Cent unter dem Preis von vor einem Jahr. Die Benzinpreise dürften weiter zulegen, vermutet die AAA. Denn die Raffinerien produzierten gegenwärtig wegen der saisonalen Wartungsarbeiten weniger Treibstoff.

Dass das nicht das Ende der Öl-Achterbahnfahrt ist, sieht man jedoch am Dienstag.  Wegen schwacher  China-Daten schlugen die Ölpreise erst einmal wieder die Richtung  nach Süden ein. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai 40,37 US-Dollar. Das waren 47 Cent weniger als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im April fiel um 40 Cent auf 37,50 Dollar.

Begonnen hatte der große Verfall des Ölpreises Mitte 2014. Er zwang Unternehmen der Branche zu Ausgabenkürzungen bei neuen Bohranlagen. Am Montag teilte der Öldienstleister Baker Hughes mit, die Zahl der Förderanlagen für Öl und Erdgas rund um den Globus sei im Februar um weitere 130 auf 1761 gefallen und damit auf das niedrigste Niveau seit 2002. In den USA liegt deren Zahl sogar auf dem tiefsten Stand seit 1999.

Ungeachtet dieses Rückgangs ist die US-Produktion allerdings langsamer gefallen als viele Anleger und Analysten erwartet hatten. Denn die Unternehmen haben auch Kosten gesenkt und ihre Effizienz erhöht. Zudem sind neue Hochseeprojekte im Golf von Mexiko in Angriff genommen worden. 

Förderländer wollen Preise stützen

Einige Marktteilnehmer sehen aber einen deutlich beschleunigten Rückgang beim US-Ausstoß in diesem Jahr, weil Unternehmen bereits neue Kostensenkungen angekündigt haben. Die Energy Information Administration rechnet für April gegenüber März mit einem Sinken der Ölproduktion in den sieben wichtigsten US-Ölschieferregionen um mehr als 100.000 Barrel je Tag.

Bereits in den vergangenen Wochen war der Ölpreis stetig gestiegen, befördert unter anderem durch eine Einigung der Produzenten Russland, Saudi-Arabien, Venezuela und Katar. Die vier vereinbarten vergangenen Monat, die Produktion auf dem Januar-Niveau einzufrieren, um die Preise zu stützen. Ein umfassenderes Treffen von Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern der Opec wird in diesem oder im kommenden Monat erwartet.

Am Montag hatte der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate gesagt, die gegenwärtigen Preise zwängen alle Anbieterländer zum Einfrieren ihrer Produktion. "Es ist nicht sinnvoll, angesichts der aktuellen Preise die Produktion auszuweiten", sagte Suhail bin Mohammed al-Mazrouei Reportern am Rand einer Luftfahrt-Konferenz in Abu Dhabi und mahnte zur Geduld.

Next stop: Treffen in Quito

Überdies teilte der Außenminister Ecuadors per Twitter mit, dass sich die lateinamerikanischen Ölproduzenten am Freitag in Quito, Ecuador, treffen wollen, um eine gemeinsame Position zu den Ölpreisen zu erarbeiten. Preisrally vermindert Chance auf Einigung

Andererseits hat Iran einem Einfrieren der Produktion eine Absage erteilt. Vielmehr wird damit gerechnet, dass das Land seinen Ausstoß in diesem Jahr steigern wird. "Das große Risiko ist, dass sich das Treffen der Förderländer als Enttäuschung entpuppt und die Preise wieder zurückfallen", warnt denn auch Barclays-Analyst Kevin Norrish.

Die jüngste Preisrally vermindert ohnehin die Chance auf eine Begrenzung der Produktion, wie der Broker PVM in einer Studie schreibt: "Die aktuelle Ölpreisstärke dürfte die finanziell leidgeplagten Förderländer in Versuchung führen, einer Begrenzung gegenzusteuern."

Die wachsenden Lagerbestände könnten die Preise wieder talwärts schicken, besonders in den USA, wie Analysten vermuten. So teilte der Datenanbieter Genscape am Montag mit, dass die Bestände im zentralen Lager in Cushing, Oklahoma, in der Woche zum 4. März auf ein neues Hoch gestiegen seien.

"Die Ölpreisrally der vergangenen Tage war aus unserer Sicht weniger einer Veränderung der fundamentalen Lage geschuldet, sondern einer Erholung beim Sentiment", sagt Norbert Rücker, Leiter der Rohstoffanalyse bei Julius Bär: "Wir gehen weiter davon aus, dass die Ölpreise nur kurzfristig aufwärts laufen und keine langfristige Erholung vollziehen." Er verweist auf die steigende Produktion in Iran und den widerstandsfähigen Ausstoß in den USA. Den Verbraucher würde das freuen, die Ölförderer aber setzt das unter Druck.

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Quelle: n-tv.de

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