Wirtschaft
Verkehrte Welt: Pedro Passos Coelho muss um Hilfe bitten. Jose Eduardo dos Santos gibt den gnädigen Zuhörer.
Verkehrte Welt: Pedro Passos Coelho muss um Hilfe bitten. Jose Eduardo dos Santos gibt den gnädigen Zuhörer.(Foto: picture alliance / dpa)

Ex-Kolonialherr bittet Ex-Kolonie: Angola soll Portugal helfen

Portugal steht das Wasser bis zum Hals. Nun bittet das Euroland sogar seine ehemalige Kolonie Angola um Unterstützung gegen die Schuldenkrise. Allerdings wollen die Afrikaner keine Hilfe zum Nulltarif gewähren. Angola profitiert derzeit von seinem großen Ölreichtum. Es ist für Portugal der wichtigste Handelspartner außerhalb der EU.

So verzweifelt ist Portugal liegt lahm , dass seine Regierung nun sogar die ehemalige Kolonie Angola um finanziellen Beistand bittet. Das ölreiche afrikanische Land soll mit Investitionen die Schuldenlast Portugals erleichtern und hat dadurch nun die Chance, seinen Einfluss in Lissabon deutlich auszubauen - vielleicht sogar zum Schnäppchenpreis. Wenn es gut läuft, könnte das boomende Nachbarland von Namibia und Sambia am Ende auch sein Ansehen in der gesamten EU mehren.       

"Angolanisches Kapital ist in Portugal sehr willkommen", warb der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho jüngst bei einem Besuch in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Ob bei den geplanten Privatisierungen oder über andere Möglichkeiten, "wir sehen ein angolanisches Investment in Portugal sehr positiv", umgarnte Coelho die Afrikaner. Deren Präsident Jose Eduardo dos Santos machte indes schnell klar, dass es Hilfe zum Nulltarif nicht geben werde. Beide Seiten müssten von einem solchen Vorhaben profitieren, erklärte er.    

"Das wird kein humanitäres Hilfsprojekt", wird da Filipe Garcia von der portugiesischen Beratungsfirma Informacao de Mercados Financeiros deutlicher. "Für Angola geht es um die Möglichkeit, von der aktuellen Lage zu profitieren und seine Position in Portugal auszubauen und Prestige in der EU zu gewinnen."

Angola mit zweistelligem Wachstum

Angola wurde erst 1976 von Portugal unabhängig und versank danach in einem Bürgerkrieg, der erst 2002 endete. Seitdem erholt sich das Land ökonomisch mit seinen 17 Millionen Einwohnern vor allem dank seines Ölreichtums. Ein prozentual zweistelliges Wirtschaftswachstum wird beim zweitgrößten Ölproduzenten Afrikas nach Nigeria auch 2012 erwartet.

Dabei hat Angola seine Einnahmen nicht nur zum Wiederaufbau der eigenen Infrastruktur genutzt, sondern auch für Auslandsinvestitionen in Portugal. So besitzt Angola heute bereits größere Anteile an den portugiesischen Banken Millenium BCP und Banco BPI, dem Ölkonzern Galp oder dem Kabelbetreiber Zon. Der staatliche angolanische Ölkonzern Sonangol - faktisch der Pensionsfonds des Landes - ist inzwischen so einflussreich, dass die Aktien von Millenium jüngst einzig wegen des Gerüchtes, Sonangol könne seinen Anteil an dem Geldhaus aufstocken, fast 40 Prozent in die Höhe schossen.        

Im Aufbruch: Blick auf Angolas Hauptstadt Luanda.
Im Aufbruch: Blick auf Angolas Hauptstadt Luanda.(Foto: Reuters)

Für Portugal wiederum ist Angola der wichtigste Handelspartner außerhalb der EU. Rund 7000 portugiesische Firmen sind in der Ex-Kolonie tätig, die meisten davon arbeiten am Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Bürgerkrieges. In der Schuldenkrise ist Portugal Anfang 2011 unter den Rettungsschirm von EU und IWF geschlüpft und kann auf Hilfen von 78 Milliarden Euro zurückgreifen. Im Gegenzug muss das Land aber einen scharfen Sparkurs fahren, der auch Privatisierungen vorsieht. Und genau darin könnten jetzt Angolas Chancen liegen.     

Wo genau sich Angola in Portugal einkaufen könnte, ist offen. Analysten halten es aber für wahrscheinlich, dass das Land bei den Notverkäufen von Staatsbeteiligungen zuschlägt. Das Portugal unter dem Diktat von EU und IWF schnell Erlöse durch Privatisierungen vorweisen muss, ist den Interessenten bekannt. Zudem lahmt die Weltwirtschaft - daher sind Schnäppchen gut möglich.

Quelle: n-tv.de

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