Wirtschaft
Apple-Chef Cook: Niedrigerer Steuersatz wäre vernünftiger.
Apple-Chef Cook: Niedrigerer Steuersatz wäre vernünftiger.(Foto: picture alliance / dpa)

Befragung durch US-Senat: Apple-Chef muss Steuertricks erklären

Apple-Chef Tim Cook muss vor dem US-Senat die Finanzschiebereien des Konzerns erklären. Denn seine Auslandsgewinne bunkert Apple wie viele multinationale Konzerne in Steueroasen, um sich vor dem Fiskus zu drücken. Cook würde die geheimen Geldspeicher gerne anzapfen. Doch zahlen will er am liebsten weniger als er müsste.

In der Debatte über globale Steuertricks von Großkonzernen wollen US-Politiker nun auch Apple-Chef Tim Cook vor einen Ausschuss zitieren. Das Unternehmen bestätigte, dass Cook am Dienstag im US-Kongress zum Thema befragt werden solle. In einem Interview der "Washington Post" kündigte der Apple-Chef an, er wolle dem Senatsausschuss ein paar Kompromissvorschläge unterbreiten.

So bezeichnete Cook den gegenwärtigen Steuersatz von 35 Prozent für Erträge, die Unternehmen vom Ausland zurück in die USA überweisen, als sehr hoch. "Wir schlagen nicht vor, dass es null Prozent sein müssen", sagte Cook. Aber ein niedrigerer Steuersatz wäre in diesem Fall vernünftiger. Vor dem Ausschuss haben bereits Spitzenvertreter von Hewlett-Packard und Microsoft ausgesagt.

Dass Cook offensiv für niedrige Steuern wirbt, hat gute Gründe: Zum ersten Mal in seiner Geschichte will Apple seinen Aktionären bis 2015 eine Dividende ausschütten, um den Aktienkurs aufzupeppen, der zuletzt darunter gelitten hatte, dass die Gewinne auch beim Branchenprimus Apple durch die wachsende Konkurrenz zurückgehen. Cook hätte dafür die prall gefüllten Geldspeicher des Konzerns anzapfen können. Doch zwei Drittel der 145 Mrd. Dollar, die bei dem Konzern auf der hohen Kante liegen, bunkert Apple in Steueroasen rund um den Globus. Bevor Cook das Geld an die Aktionäre in den USA ausschütten kann, müsste er es zurückführen. Dabei würden enorme Steuern fällig - die möchte Cook nun am liebsten noch weiter senken.

Geld leihen statt Steuern zahlen

Um das Problem kurzfristig zu lösen, zapfte Apple mit "iBonds" genannten bereits Anleihen lieber den Kapitalmarkt an – und sammelte bei Anlegern die Rekordsumme von 17 Mrd. US-Dollar ein, mit denen der Konzern seine Aktionäre nun bald beglücken will. Obwohl der Konzern im Geld schwimmt, lieh er sich lieber Geld, um keine Steuern zahlen zu müssen – in der Logik von Apple ergibt das Sinn.

Aus Sicht der Steuerzahler im Ausland dagegen weniger. Apple macht einen Großteil seiner Gewinne in Europa, hat auf diese Erträge aber bislang so gut wie keine Steuern gezahlt. Stattdessen hat der Konzern seine Erträge über komplizierte Rechtskonstrukte lieber in Steuerparadiese verschoben. In den USA und Europa sind viele Konzerne wie Apple wegen dieser Tricks in die Kritik geraten. So zahlte Amazon trotz eines Umsatzes von umgerechnet 4,7 Mrd. Euro in Großbritannien dort nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr nur 2,9 Mio. Euro Steuern. Google setzte in Großbritannien von 2006 bis 2011 etwa 18 Mrd. US-Dollar um, zahlte aber nur 16 Mio. US-Dollar an Steuern.

Über Schlupflöcher in der Steuergesetzgebung können sich internationale Konzerne wie Apple, Amazon, Google und Co., die vor allem immaterielle Güter oder Dienstleistungen verkaufen armrechnen, indem sie die Staaten gegeneinander ausspielen: Einen Download in Deutschland kann man auch über eine Gesellschaft in Luxemburg abrechnen. Der Widerstand gegen dieses Finanzgebaren wächst zunehmend - schließlich transportieren Unternehmen wie Amazon ihre Waren beispielsweise über Straßen, für die andere Steuern zahlen. Die OECD will in den nächsten Monaten einen Maßnahmenkatalog vorlegen, um die Steuertricks großer Konzerne zu erschweren. Das Thema steht auch auf der Agenda der G20-Staaten.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen