Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Die Tricksereien der Großkonzerne: Apple, Google und Amazon am Steuerpranger

"Apple besitzt einen hohen moralischen Anspruch", sagt Konzernchef Cook. Den Vorwurf, den Staat um sein Geld zu bringen, muss er sich dennoch gefallen. Ebenso wie Amazon und Google in Großbritannien. Die beiden Konzerne setzen in sechs Jahren 41 Mrd. Dollar auf der Insel um, zahlen aber nur 25 Mio. Dollar Steuern. Der Aufschrei ist groß.

Amazon und Google stehen in Großbritannien wegen ihres Steuergebarens in der Schusslinie von Politik und Öffentlichkeit. In den USA mischt sich nun Apple-Chef Tim Cook in die Debatte um die Steuermoral von Großkonzernen ein. Bei seinem Auftritt vor einem Ausschuss des US-Senats am kommenden Dienstag will er auf eine "dramatische Vereinfachung" der amerikanischen Unternehmenssteuern drängen. Damit meint er vor auch: Die Abgaben auf im Ausland erzielte Gewinne müssten sinken.

"Wenn man heute sein Geld in die USA holt, muss man 35 Prozent davon abführen. Das ist eine sehr hohe Zahl", sagte Cook der "Washington Post". "Wir schlagen nicht vor, dass es null sein sollte. Ich weiß, dass viele unserer Mitbewerber dies glauben. Aber ich sehe das anders. Es sollte allerdings angemessen sein."

Apple steht wegen seiner Steuerpraxis in der Kritik. So lieh sich der iPhone-Hersteller jüngst am Kapitalmarkt 17 Mrd. Dollar (13,2 Mrd. Euro), um für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe nicht auf seine Reserven zurückgreifen zu müssen. Denn die liegen großteils im Ausland. Analysten rechneten aus, dass Apple durch seinen Schachzug 9,2 Mrd. Dollar an Steuern gespart habe.

Cook wehrte sich gegen den Vorwurf, den Staat um sein Geld zu bringen. "Vielleicht wissen sie es nicht, aber Apple ist wahrscheinlich der größte Steuerzahler unter den US-Unternehmen." Jede Stunde zahle der Konzern alleine 1 Mio. Dollar an Ertragssteuern im Inland. "Apple besitzt einen hohe moralischen Anspruch. Wir glauben daran, dass ein Unternehmen seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten muss."

Amazons "ernste Angelegenheit"

Amazons Steuerpracis steht in Großbritannien auf dem Prüfstand. Der US-Konzern muss sich auf unbequeme Fragen vor einem Parlamentsausschuss gefasst machen, nachdem die Nachrichtenagentur Reuters über umfangreiche Finanztricks des weltgrößten Internet-Versandhändlers berichtet hatte. "Wir müssen Amazon ganz dringend noch einmal vorladen und sie mit all dem konfrontieren, was Sie enthüllt haben", sagte die Vorsitzende des Ausschusses für Öffentliche Angelegenheiten im Unterhaus, Margaret Hodge. Sollte sich herausstellen, dass Amazon das Parlament bei einer früheren Anhörung belogen habe, wäre dies eine "sehr ernste Angelegenheit".

Wegen ihrer Tricks zur Minderung der staatlichen Abgaben waren zuletzt auch der Suchmaschinenbetreiber Google und die Cafekette Starbucks in die Kritik geraten. So setzte Google in Großbritannien von 2006 bis 2011 etwa 18 Mrd. Dollar um, zahlte aber nur 16 Mio. Dollar Steuern. Amazon zahlte in den vergangenen sechs Jahren trotz eines Umsatzes im Königreich von 23 Mrd. Dollar nur rund 9 Mio. Dollar Steuern.

Als Grund hatte der Amazon-Spitzenmanager Andrew Cecil bei einer ersten Anhörung im November angeführt, dass das britische Geschäft nicht eigenständig sei und die wichtigen Entscheidungen am Firmensitz in Luxemburg gefällt würden. Dies sei der Grund, weshalb Amazon vor allem dort Steuern zahle. In Luxemburg gelten deutlich niedrigere Steuersätze. Die Ausschuss-Vorsitzende Hodge forderte die Steuerbehörden auf, noch einmal genau zu prüfen, inwieweit Amazon wirklich alle Steuern gezahlt habe, die es nach geltendem Recht an das Königreich hätte entrichten müssen.

Virtuelle Zweigstellen

Nach den Reuters-Recherchen ist es Amazon.com gelungen, mit Hilfe seiner Luxemburger Firmen-Konstruktion rund zwei Milliarden Dollar steuerfrei beiseitezulegen - Geld, das nun für die Expansion der Firma genutzt wird. Aus Amazon-Mitteilungen, Stellenausschreibungen sowie Schilderungen ehemaliger Amazon-Mitarbeiter und Zulieferer geht hervor, dass die britische Sparte Amazon.co.uk Ltd. alles andere als eine virtuelle Zweigstelle des globalen Konzerns ist und über recht ähnliche Strukturen wie gewöhnliche Einzelhändler verfügt - nur mit dem Unterschied, dass diese deutlich mehr Steuern zahlen.

Amazon lehnte eine Stellungnahme zu der Frage ab, ob britische Mitarbeiter Management-Entscheidungen fällen und für die Profitabilität einzelner Produktbereiche verantwortlich sind. Auch Amazons Buchprüfer Ernst and Young wollte sich nicht äußern. Der Konzern beschäftigt in Großbritannien mehr als 4000 feste Mitarbeiter sowie Tausende Zeitarbeiter, während in Luxemburg lediglich 500 Angestellte für Amazon tätig sind.

Die OECD will im Sommer einen Maßnahmenkatalog vorlegen, wie Staaten den Konzernen ihre Steuertricks erschweren könnten. Das Thema steht auch auf der Agenda der G20-Staaten.

Quelle: n-tv.de

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