Wirtschaft
Firmengründer Hans-Peter Wild (hier im Jahr 2009) trennt sich von seinem Unternehmen - behält aber den Fruchtsaft-Hersteller.
Firmengründer Hans-Peter Wild (hier im Jahr 2009) trennt sich von seinem Unternehmen - behält aber den Fruchtsaft-Hersteller.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Gründer behält "Capri Sonne": Aromenhersteller Wild Flavors verkauft

In der Familie findet der Unternehmer Hans-Peter Wild keinen Nachfolger für die Firma. Also verkauft er den Aromenhersteller mit den gut 2500 Beschäftigten - und ist nun Millionär. Doch von der bekannteste Marke kann der 73-Jährige noch nicht lassen.

Der deutsch-schweizerische Aromenhersteller Wild Flavors wird in die USA verkauft. Der Agrarkonzern Archer Daniels Midland (ADM) hat nach eigenen Angaben für 2,3 Milliarden Euro das Rennen gemacht und weitet damit seine Produktpalette aus. Die Amerikaner setzten sich dabei gegen den japanischen Gewürzhersteller Ajinomoto durch.

Der Mehrheitseigentümer Hans-Peter Wild trennt sich damit endgültig von seinem Lebenswerk. Er hatte bereits vor vier Jahren den US-Finanzinvestor KKR mit 35 Prozent an Bord geholt. Dieser steigt nun mit einem beträchtlichen Gewinn aus. Die 1931 als "Zick-Zack-Werke Rudolf Wild" in Heidelberg gegründete Firma sitzt mittlerweile im Steuerparadies Zug in der Schweiz.

Düfte, Aromen, Fruchtauszüge

Der 73-jährige Wild kassiert allein gut 1,4 Milliarden Euro. Er hatte in der Familie keinen Nachfolger für das Unternehmen gefunden, das sich mit Lebensmittelzutaten aus natürlichen Grundstoffen einen Namen gemacht hat. Wild produziert eine Vielzahl von Düften, Aromen, Fruchtauszügen und Lebensmittelfarben, die bei der Herstellung von Getränken und Nahrungsmitteln verwendet werden. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr rund eine Milliarde Euro Umsatz und laut Finanzkreisen ein operatives Ergebnis von 130 Millionen bis 140 Millionen Euro. Seit 2010 hatte Wild noch einmal kräftig zugekauft.

Neben dem Aromengeschäft mit rund 2500 Mitarbeitern verkauft Wild auch die kleinere Wild Dairy Ingredients an ADM, die Fruchtstückchen für Joghurts liefert und an der KKR nicht beteiligt war. Das bekanntestes Produkt aus dem Firmenimperium, das Fruchtsaftgetränk "Capri-Sonne", bleibt dagegen im Besitz des Firmenpatriarchen.

KKR pokert hoch - erfolgreich

Der Einstieg von KKR mit einem Minderheitsanteil - und nur mit Eigenkapital - bei einem deutschen Mittelständler galt als gewagt, hat sich aber offenbar ausgezahlt. 770 Millionen Euro gehen nach Reuters-Berechnungen an den Investor. "Das war ein guter Deal für KKR", sagte ein am Prozess Beteiligter. ADM und Ajinomoto hatten den Preis nach oben getrieben; ursprünglich hatte Wild mit weniger als zwei Milliarden Euro gerechnet. "Das war ein knappes Rennen. Andere Finanzinvestoren hatten wegen des hohen Preises keine Chance", sagte der Insider. Wilds Börsenpläne waren schon zuvor zu den Akten gelegt worden.

"Die Partnerschaft war speziell auf die Bedürfnisse eines Familienunternehmens zugeschnitten", sagte KKR-Deutschland-Chef Johannes Huth. KKR habe Wild dabei geholfen, sein Unternehmen zu einem global integrierten Hersteller von Aromen und Grundstoffen zu machen.

Auch andere Aromenhersteller wie Symrise hatten sich für Wild Flavors interessiert. Das Rennen machte aber ein Konzern, der in diesem Geschäft noch nicht aktiv ist. Bei ADM soll die künftige Wild Flavors and Specialty Ingredients als eigene Sparte geführt werden. ADM-Vorstandschefin Patricia Woertz erklärte, Wild könne mit dem Zutaten-Geschäft von ADM eine breitere Produktpalette anbieten, und ADM habe damit mehr Möglichkeiten, seine Lebensmittel-Zusatzstoffe an den Mann zu bringen. Woertz erwartet durch den Zukauf innerhalb von drei Jahren Umsatz- und Kosteneffekte von 100 Millionen Euro.

Quelle: n-tv.de

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