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Angst vor Grexit wieder da: Athen: Eine Einigung ist schwierig

Griechenland, EU, EZB und IWF pokern zur Stunde über die neuen Athener Sparvorschläge. Ministerpräsident Tsipras teilt mit, dass der IWF von zahlreichen Athener Sparvorhaben nicht überzeugt ist. In der griechischen Hauptstadt wächst die Sorge.

Griechenlands Gläubiger sollen Athen neue Gegenvorschläge präsentiert haben, um die Differenzen zu überbrücken. Das teilte ein Insider aus dem Umfeld der Verhandlungen mit. Details sind nicht bekannt. Zuvor hatte bereits der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras vor seinem Abflug nach Brüssel die Haltung der Geldgeber zu den griechischen Reformvorschlägen kritisiert. Athen habe Maßnahmen präsentiert, die den Anforderungen der Gläubiger genügten, sagte Tsipras.

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Nach übereinstimmenden Berichten der griechischen Presse soll unter anderem der Internationale Währungsfonds (IWF) zahlreiche Athener Sparvorhaben als Maßnahmen kritisiert haben, die die Rezession förderten. Der IWF fordere, dass die von Athen vorgeschlagene Erhöhung der Unternehmen-Besteuerung von 26 auf 29 Prozent nicht gelten sollte. Höchstens sollte diese Belastung die 28 Prozent erreichen. Zudem sollen nach Ansicht des IWF die Renten gekürzt werden. Die Rüstungsausgaben sollen um weitere 200 Millionen Euro gekürzt werden. "Der IWF besteht auf allgemeine Kürzungen. Eine Einigung ist demnach schwierig", sagte Arbeitsminister Panos Skourlatis.

Der Chefunterhändler der Griechen, Euklides Tsakalotos, riet zum Abwarten. "Erst wenn wir ein umfassendes Bild haben, werden wir beurteilen können, was Sache ist", sagte er im Staatsfernsehen. Zur Stunde stimmen sich in Brüssel EU, EZB und IWF vor dem abendlichen Treffen der Euro-Finanzminister ab. Tsipras stieß am Mittag zu der Runde dazu.

Lösung ohne IWF nicht denkbar

Deutsche Regierungskreise rechnen mit einer gemeinsamen Einschätzung der drei Institutionen zu Griechenland. Eine Lösung ohne den IWF sei für die Bundesregierung nicht denkbar, hieß es. Zudem sei die Frage nach Schuldenerleichterungen derzeit kein Thema.

Der Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagt, in den Verhandlungen mit Griechenland sei noch "ein weites Stück Weg" zurückzulegen. Es sei an den Griechen, sich zu bewegen. Regierungssprecher Steffen Seibert unterstreicht, Grundlage für die Befassung der Euro-Gruppe mit den Reformvorschlägen aus Athen sei eine gemeinsame Bewertung der drei Gläubiger-Institutionen EU, EZB und IWF.

Börsianer wieder mit zittrigen Händen

Die Anleger an den europäischen Aktienbörsen haben vor dem Showdown für Griechenland kalte Füße bekommen. Dax und EuroStoxx50 nahmen die negative Stimmung in Brüssel mit Bedenken auf und gaben rund ein Prozent auf 11.408 beziehungsweise 3593 Punkte ab. Nach dem Höhenflug der vergangenen Tage machten die Investoren sicherheitshalber Kasse. Die Hoffnung auf ein Happy End im Schuldenstreit hatte die Börsen seit Montag rund vier Prozent nach oben getrieben.

Quelle: n-tv.de

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