Wirtschaft
(Foto: REUTERS)

Lösung mit Eurozone: Athen bittet Moskau angeblich nicht um Hilfe

Mit Spannung und einem gewissen Unbehagen wird das Treffen zwischen Athens Regierungschef Tsipras und Russlands Präsident Putin beobachtet. Vor der Zusammenkunft sickern aus der griechischen Delegation aber Signale der Entspannung durch.

Griechenland will nach Angaben eines Regierungsvertreters seine Finanzprobleme ohne russisches Geld mit seinen Euro-Partnern lösen. "Wir haben nicht um Finanzhilfe nachgesucht", sagte ein griechischer Regierungsvertreter vor einem Treffen von Ministerpräsident Alexis Tsipras mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau. "Wir wollen die Fragen in Zusammenhang mit unseren Schulden ... in der Eurozone lösen", ergänzte er.

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Griechenland leidet derzeit unter akuten Finanznöten und versucht bislang erfolglos, in Gesprächen mit seinen Euro-Partnern die Freigabe von Milliardenhilfen zu erreichen.

Derweil ist für Österreich ein ungeplanter Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone trotz der Hängepartie über weitere Finanzhilfen nicht wahrscheinlicher geworden. "Alle haben erkannt, auch Griechenland, dass der Unfall das größtmögliche Problem darstellt", sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling im ORF-Radio. "Wenn es eine Art geordneten Rückzug geben würde, dann kann man ja diskutieren, wie man das machen kann", fügte er hinzu.

Österreich warnt vor Verlassen der EU-Linie gegen Russland

"Ich sehe natürlich schon das Problem, dass die Zeit drängt", sagte Schelling weiter. Denn Griechenland benötige beträchtige Summen. Eine stärkere Hinwendung Griechenlands zu Russland fürchte er aber nicht. Das Mittelmeerland sei sich bewusst, dass es seine Finanzprobleme nicht ohne die EU lösen könne. "Daher ist meine Sorge eine eingeschränkte. Ich glaube auch - Russland würde diese Beträge gar nicht zur Verfügung stellen können", sagte Schelling.

Doch was könnte Moskau dem taumelnden Mittelmeer-Land bieten? Nach Ansicht von Alexander Kritikos, Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist dies Dreierlei: Zum einen billigeres Gas. Zum Zweiten - was für Griechenland wahrscheinlich noch wichtiger sei als ein anderer Kredit - die Aufhebung des russischen Embargos als einzelner Schritt gegenüber Griechenland. "Denn Griechenland wurde am stärksten getroffen von diesem Embargo. Insofern ist hier sicherlich eine gewisse Hoffnung, dass der griechische Export dadurch ein wenig an Fahrt gewinnen könnte", sagte er n-tv. Erst die dritte Möglichkeit sei dann ein Kredit.

Im Gegenzug - aber auch dies sei vage - könnte Moskau erwarten, "dass Griechenland bei einem weiteren Embargo gegen Russland, das im Sommer anstehen sollte, ausschert. Hier kommt es dann im Prinzip zum Schwur für Griechenland, auf welcher Seite es steht." Vor einem Alleingang in Sachen Sanktionen warnte jedoch Schelling das Land. Das wäre "ein Riesenproblem". Damit würde Athen die EU-Linie verlassen.

Kritik am Besuch kommt unterdessen aus Kiew. Der ukrainische Wirtschaftsminister Aivaras Abromavicius zeigte sich enttäuscht. "In unserem Land wurden Menschen verschleppt, verprügelt, gefoltert und haben ihr Leben verloren, weil sie für die Werte Europas aufgestanden sind. Es ist enttäuschend zu sehen, dass einige Nationen in Europa kurzzeitige ökonomische Vorteile über das Leben von Menschen heben", sagte er dem "Tagesspiegel". "Die zunehmende Uneinigkeit und fehlende Geschlossenheit der europäischen Staaten in ihrem Verhältnis zu Russland beobachte ich mit großer Sorge", sagte Abromavicius.

Quelle: n-tv.de

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