Wirtschaft
Die größte Last der griechischen Hilfspakete wird von Deutschland getragen. Im Fall eines Grexit würde Athen deutsche Unternehmen wegen Korruption an den Pranger stellen.
Die größte Last der griechischen Hilfspakete wird von Deutschland getragen. Im Fall eines Grexit würde Athen deutsche Unternehmen wegen Korruption an den Pranger stellen.(Foto: picture alliance / dpa)

Siemens muss sich verteidigen: Athen könnte deutsche Konzerne verklagen

Für den Fall, dass Griechenland plötzlich und ungeordnet insolvent geht, gibt es einen Alternativplan, der wieder Geld ins Land bringen soll: Ausgerechnet deutsche Unternehmen sollen in Athen vor Gericht gestellt werden.

Der griechische Alternativplan für den Fall einer von den Gläubigern erzwungenen ungeordneten Insolvenz sah offenbar auch Korruptionsermittlungen gegen deutsche Unternehmen vor. Bei Anwendung des Plans wären entsprechende Ermittlungen gegen in Griechenland tätige deutsche Konzerne wie Siemens, Lidl, Allianz, MAN und Hochtief eingeleitet worden, berichtet die griechische Zeitung "Efimerida ton Syntakton".

Deutschland trägt die größte Last der Hilfspakete für Griechenland und zählt zu den schärfsten Kritikern der Reformbemühungen in dem Land. CDU-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte zudem ein vorübergehendes Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro ins Spiel gebracht.

Gegen Siemens-Mitarbeiter läuft in Griechenland bereits ein Prozess wegen eines Bestechungsskandals: Sie sollen 1997 etwa 70 Millionen Euro Schmiergelder an die griechische Telekommunikationsgesellschaft OTE gezahlt haben, um die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes übernehmen zu können. Rund ein Dutzend damaliger Siemens-Vertreter und rund 40 weitere Angeklagte stehen deshalb seit März vor Gericht.

Auch Verstaatlichungen und Mautgebühren geplant

Ein weiterer Punkt in Athens Alternativplan waren der Zeitung zufolge Verstaatlichungen. So sei etwa die Verstaatlichung des erst 2013 privatisierten Glücksspielunternehmens Opap vorgesehen gewesen, schreibt das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Geplant gewesen seien auch Mauterhebungen an den Autobahnen und an der größten Brücke des Landes. Ziel des Plans sei es gewesen, "die Kosten für den Bruch" für die Gläubiger zu erhöhen.

Die Regierung in Athen wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte allerdings am Freitag im Parlament gesagt, er habe Ex-Finanzminister Giannis Varoufakis angewiesen, einen "Abwehrplan" für den Fall auszuarbeiten, dass Griechenland den Euro verlassen müsse. Details zu den Inhalten des Plans nannte er aber nicht.

Quelle: n-tv.de

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