Wirtschaft
Die Krisenherde nicht erkannt: Die ersten beiden Stresstests brachten mehr Wirbel als belastbare Ergebnisse.
Die Krisenherde nicht erkannt: Die ersten beiden Stresstests brachten mehr Wirbel als belastbare Ergebnisse.(Foto: REUTERS)

Zu stressig für die Banken?: Aufseher sagen Stresstest ab

Es ist ein Schritt, der an den Märkten beifälliges Nicken auslöst: Die Europäische Bankenaufsicht sagt ihren Stresstest für 2013 endgültig ab. Bevor es in Europa zur nächsten Belastungsprobe kommen kann, muss die Eurozone mit dem Großprojekt Bankenunion vorankommen.

Den Finanzmärkten und der europäischen Bankenbranche bleibt ein umstrittener Unruhefaktor in diesem Jahr wohl erspart: Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA sagt ihren für 2013 angekündigten europaweiten Stresstest vorsorglich ab.

Eigentlich wollten die EBA-Aufseher die Kreditinstitute Europas in der zweiten Hälfte des Jahres erneut genauer unter die Lupe nehmen. Dabei sollte es wie in den Stresstests zuvor um die Widerstandskraft der Geldhäuser gegen erwartbare und unter Umständen auch extreme Krisenbelastungen - etwa durch neue Turbulenzen vom Ausmaß eines Lehman-Kollaps - gehen.

In der Bankenbranche sind diese Test höchst unbeliebt: Die Kreditinstitute müssen dabei zentrale Kennziffern ihrer Geschäftstätigkeit offenlegen und sich dem Röntgenblick der Tester stellen. Dabei können durchaus auch Ergebnisse zutage treten, die unter Großinvestoren neue Diskussionen auslösen - und Kleinanleger verunsichern.

Da es europaweit stark unterschiedliche Ansätze zur Bewertung der Bankvermögen gebe, sei ein solcher Stresstest derzeit nicht sinnvoll möglich, teilte die European Banking Authority (EBA) mit. Die beiden bisherigen Stresstests in den Jahren 2010 und 2011 gelten mittlerweile allgemein als Fehlschlag. Wichtige Schwachstellen im europäischen Bankensystem - etwa in Spanien - wurden nicht oder nur teilweise erkannt und nur unzureichend umrissen. Die Aussagekraft der Testergebnisse - und der generelle Nutzen eines solchen Unterfanges - wurde daraufhin angezweifelt.

Mit einem neuen Test will die Behörde nun warten, bis sich die Gesetzgeber auf die genauen Regeln für die künftige Bankenaufsicht geeinigt haben. Angesichts der komplizierten Entscheidungswege in Europa dürfte das noch dauern.

Zunächst sollen die Großbanken der EU einer Bestandsaufnahme unterzogen werden, erklärte die EBA das weitere Vorgehen. Dies solle sicherstellen, dass die Stresstests fehlerfrei über die Bühne gingen. Die Mitteilung enthielt ein freimütiges Geständnis: Frühere Tests hätten dabei versagt, Schwachstellen in den Bilanzen der Banken aus Ländern der Eurozone wie Spanien, Irland und Zypern aufzuspüren. In diesen Ländern hatten marode Banken anschließend Rettungsanträge stellen müssen - ein Schritt, der die Staatshaushalte der betroffenen Euro-Mitglieder zusätzlich in Schieflage gebracht hatte.

Erst Bankenunion, dann ...

Bevor die Europäische Zentralbank (EZB) die Aufsicht über die Großbanken innerhalb der geplanten Bankenunion übernehme, müsse sie Klarheit über mögliche Mängel haben, hieß es weiter. So soll die EZB die Bestandsaufnahme in den 17 EU-Ländern, die der Bankenunion beitreten, selbst vornehmen. In den verbleibenden zehn EU-Mitgliedsländern obliegt die Analyse den nationalen Aufsehern. Der genaue Zeitpunkt für die Bestandsaufnahme und den nachfolgenden Stresstest soll festgelegt werden, sobald das neue Gesetz, das die EZB als Bankenaufsicht in den 17 Ländern der Eurozone etabliert, in Kraft tritt. Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme sollen zusammen mit denen des Stresstests im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hatte auf eine Verschiebung des nächsten Stresstests der EBA gedrungen, weil sie eine Verwirrung durch die verschiedenen Ergebnisse befürchtete. Zuvor war der September als Termin für die neuen Belastungsproben für die Geldhäuser ins Auge gefasst worden. Die EBA ist die europäische Bankenaufsicht, die die Finanzinstitute in den vergangenen Jahren auf ihre Kraft, Krisen zu bewältigen, abklopfen sollte. Mit dem Plan einer zentralen Bankenaufsicht bei der Europäischen Zentralbank waren zuletzt vermehrt Gerüchte aufgetaucht, die Behörde könne die Tests verschieben.

Mit der anvisierten Bankenunion soll die Aufsicht über die Großbanken in der Eurozone auf die EZB übergehen. Der Londoner EBA bleibt dann nur die Rolle, ein einheitliches Regelwerk für die Branche in allen 27 EU-Staaten sicherzustellen. Die beiden vorhergegangenen Stresstests 2010 und 2011 hatten in der Branche und bei Experten massive Kritik auf sich gezogen, da der Aufwand hoch war und das Ziel, die Märkte über den Zustand der Banken in Europa zu beruhigen, nicht erreicht wurde.

Quelle: n-tv.de

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