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"Spinnenförmiger Riss" im Cockpit: Aufsicht knöpft sich Boeing vor

Vom Flaggschiff zum Sorgenkind: Eine Serie an beunruhigenden Pannen droht das Vorzeigeprodukt des US-amerikanischen Flugzeugbaus in einen ökonomischen Albtraum zu verwandeln. Jetzt muss Hersteller Boeing mit einer verschärften Prüfung rechnen.

Die Fehler müssen gefunden werden: Eine Havarie kann sich der Konzern nicht leisten.
Die Fehler müssen gefunden werden: Eine Havarie kann sich der Konzern nicht leisten.(Foto: REUTERS)

Die auffällige Häufung an technischen Schwierigkeiten beim neuen Boeing-Flugzeug Dreamliner ruft die US-Luftfahrtbehörde auf den Plan: Die Federal Aviation Administration (FAA) werde noch vor dem Wochenende die Presse über Fragen rund um die jüngsten Elektronikprobleme beim neuen Flugzeugmodell des US-Konzerns informieren, hieß es aus dem Umfeld der Luftfahrtaufsicht.

Zudem werde die FAA eine Untersuchung der Stromversorgungssysteme des Dreamliners ankündigen, berichtete der Informationsdienst Bloomberg vorab. Die Behörde lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Die Pressekonferenz ist für 16.30 Uhr (MEZ) geplant. Zuletzt hatten sich Zwischenfälle bei dem laut Listenpreis gut 200 Mio. Dollar teuren Prestigeflieger des EADS -Rivalen gehäuft.

Seit Anfang der Woche werden fast täglich neue Probleme aus dem Praxiseinsatz des Modells 787 bekannt: Das Spektrum reicht dabei von Schwierigkeiten mit den Bremsen bis hin zu einem Brand an Bord eines leeren Flugzeugs.

Harter Praxistest

Für den Hersteller, den Luftfahrt- und Rüstungskonzern Boeing, droht sich die Pannenserie mittlerweile zu einem unternehmerischen Debakel auszuweiten. Sollte sich bei einer Überprüfung erheben, dass die Probleme etwa auf konstruktive Mängel zurückzuführen sind, müsste der Flugzeugbauer unter Umständen die Baupläne ändern, die Produktion umstellen und kostspielig nachbessern.

Damit könnten nicht nur die Auslieferungspläne, sondern womöglich auch die Finanzplanungen des gesamten Konzerns durcheinander geraten. Wichtige Kunden könnten Bestellungen zurückziehen oder sich gleich nach Alternativen umsehen. Die gesamte zivile US-Flugzeugindustrie könnte im internationalen Wettbewerb zurückfallen.

Sprung im Cockpit-Fenster

Zuletzt sah sich der Boeing-Chefingenieur Mike Sinnett gezwungen, die Maschine öffentlich gegen Kritik zu verteidigen. "Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass die Maschine sicher ist", beteuerte Sinnett.

Doch bereits kurz darauf erreichten ihn die nächsten Hiobsbotschaften: Die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA), erster 787-Kunde, meldete kurz darauf einen "spinnenförmigen Riss" im Cockpit-Fenster eines Dreamliners. Der Schaden sei während eines Inlandsfluges aufgetreten, hieß es. Die Maschine aus Tokio landete sicher auf ihrem Zielflughafen im Westen des Landes, der Rückflug musste annulliert werden.

Bei einem anderen ANA-Flugzeug wurde nach der Landung im südlichen Miyazaki zudem ein Ölleck entdeckt. Erst Mitte der Woche hatte die Airline einen Inlandsflug nach Tokio wegen Problemen mit den Bremsen einer ihrer 787 streichen müssen.

Quelle: n-tv.de

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