Wirtschaft
Neues gibt es nicht nur auf den Auto Shows, sondern auch vom europäischen Absatzmarkt: Experten sehen die Trendwende geschafft.
Neues gibt es nicht nur auf den Auto Shows, sondern auch vom europäischen Absatzmarkt: Experten sehen die Trendwende geschafft.(Foto: REUTERS)

Europa will es wieder krachen lassen: Automarkt fährt aus der Krise

Mit einem deutlichen Neuzulassungsplus verabschiedet sich der europäische Automobilmarkt aus dem Jahr 2013. Obwohl es der vierte Zuwachs in Folge ist, reicht er nicht aus, um den Jahresabsatz ins positive zu drehen. Aber 2014 wird alles besser.

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Auf den letzten Drücker versucht der europäische Automarkt die Jahreszahlen noch positiv zu gestalten, mehr als ein satter Dezemberzuwachs kommt allerdings nicht heraus. Zum Abschluss des damit eher durchwachsenen Autojahres 2013 kletterten die Neuzulassungen in den 27 Staaten der EU (ohne Malta) sowie den Ländern der europäischen Freihandelszone um 13 Prozent auf knapp 950.000 Pkw, wie der Branchenverband Acea mitteilte. Das sei jedoch immer noch der drittschlechteste Dezember-Wert seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen.

Getragen wurde dieses deutliche Wachstum von allen wichtigen Märkten Europas. So wurden in Deutschland im Dezember 5,4 Prozent mehr Autos neu zugelassen; in Frankreich waren es 9,4 Prozent, in Spanien 18,2 Prozent und in Großbritannien 23,8 Prozent mehr.

2014 wird es besser

Insgesamt verzeichnete der europäische Automarkt damit vier Monate in Folge Zuwächse. Allerdings reichten diese nicht aus, um den schwachen Jahresstart wettzumachen. So wurden im gesamten vergangenen Jahr mit rund 12,308 Millionen Fahrzeugen 1,8 Prozent weniger neue Autos zugelassen als 2012. Von den großen Märkten konnten 2013 nur Großbritannien (plus 10,8 Prozent) und Spanien (plus 3,3 Prozent) zulegen.

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Zum Vergleich: In China kletterten die Neuzulassungen pber die 18-Millionen-Marke. Nichtsdestotrotz sagen mehrere Branchenexperten für das laufenden Jahr eine weitere Fortsetzung der Erholung voraus. N-tv.de-Autoexperte Helmut Becker rechnet weltweit gesehen sogar mit einem "Auto-Boomjahr".

"Der Erholungsprozess in Europa kommt offenbar in Gang, die Menschen fassen wieder Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung - und damit steht der Neuwagen ganz oben auf der Einkaufsliste der Bürger", betonte Matthias Wissmann, Präsident des deutschen Branchenverbands VDA.

Besonders erfreulich sieht er die Entwicklung in den bisherigen Krisenstaaten wie Griechenland, Spanien und Portugal, die im Dezember jeweils deutlich zweistellig zulegen konnten. Insgesamt rechnet der VDA 2014 in Westeuropa deshalb seit vier Jahren erstmals wieder mit einem Plus, das der Verband bei 2 Prozent sieht.

Mehrere Gründe für Optimismus

Ähnlich äußern sich andere Branchenvertreter. Die Analysten von Kepler Cheuvreux passten erst kürzlich ihre Absatzprognose für Europa nach oben an. Sollte der Markt für leichte Fahrzeuge ursprünglich um 2,3 Prozent wachsen, dürfte er nach Einschätzung der Experten jetzt um 2,8 Prozent zulegen. Gerade das Abschlussquartal habe sich besser entwickelt, deshalb hebe man die Prognose für Europa bereits zum vierten Mal an, heißt es in dem Papier der Branchenbeobachter.

Die Gründe liegen für sie auf der Hand: Beispielsweise ist die Arbeitslosenquote in Europa gegen Ende des vergangenen Jahres leicht gesunken, zum ersten Mal seit Jahren. Auch einige Stimmungsbarometer der Wirtschaft, die üblicherweise eng verzahnt seien mit der Entwicklung des Autoabsatzes, zeigen wieder bessere Werte.

Kein "krasses" Comeback

Die Branchenexperten des Analysehauses ISI sind sogar noch optimistischer in ihrer Prognose: Sie rechnen 2014 mit einem Plus von 4,2 Prozent, nach zuvor 2,8 Prozent. Sie ziehen unter anderem die Gebrauchtwagenpreise heran, die sich seit vergangenem Sommer sukzessive verbessert hatten. Üblicherweise seien die ein guter Indikator für die Entwicklung des Neuwagenabsatzes. Denn ein Käufer, der eigentlich aus Kostengründen ein Gebrauchtfahrzeug kaufen möchte, findet schneller wieder den Weg zum Händler, wenn zwischen einem Neuwagen und einem gebrauchten Fahrzeug kein allzu großer Preisunterschied mehr liegt. Zudem ist die Finanzierung, beispielsweise über Leasingangebote, nach wie vor sehr günstig und damit attraktiv.

Doch trotz all der positiven Stimmung sind sich die Branchenbeobachter in einem Punkt einig: Ein krasses Comeback, wie es sich im vergangenen Jahr überraschenderweise im US-Markt gezeigt hatte, wird es in Europa nicht geben. In den USA kletterten die Verkäufe wieder um 7,5 Prozent, und im Wachstumsmarkt China ging es mit 23 Prozent deutlich nach oben. Das Wachstum für den breiten Markt findet also eher außerhalb Europas statt.

VDA-Präsident Wissmann spricht deshalb mit Blick auf Europa eher von "einer Seitwärtsbewegung, denn einem kraftvollen Aufschwung". Auch Automanager sprechen von Stabilisierung und leichter Erholung. "In vielen europäischen Märkten liegt das schlimmste der Krise hinter uns, auch wenn es nur eine langsame Erholung geben wird", sagte Allan Rushforth von Europas Hyundai-Tochter.

Und auch die Analysten, die jüngst ihre Wachstumsprognosen nach oben korrigierten, bleiben mit ihren Erwartungen auf dem Boden. Denn der Markt geht von einem sehr niedrigen Niveau aus. So rechnen die Experten des Analysehauses ISI vor, dass auch ihr prognostiziertes Plus von 4,2 Prozent in absoluten Zahlen derzeit nur etwas mehr als eine halbe Million Fahrzeuge ausmacht. Der Weg zu Zeiten vor der Finanzkrise, als in Europa rund 16 Millionen Autos neu zugelassen wurden, ist noch weit.

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Quelle: n-tv.de

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