Wirtschaft
Hintergrund der Misere sind umstrittene Cum-Ex-Geschäfte und daraus erzielte Steuervorteile.
Hintergrund der Misere sind umstrittene Cum-Ex-Geschäfte und daraus erzielte Steuervorteile.(Foto: dpa)

Institut von Überschuldung bedroht : Bafin schließt Frankfurter Maple Bank

Die Finanzaufsicht erlässt gegenüber der Maple Bank wegen drohender Überschuldung ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot. Zudem wird die Bank für den Verkehr mit der Kundschaft geschlossen.

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Frankfurter Maple Bank geschlossen. Dem kleinen Institut, das namhaften kanadischen Eigentümern gehört, drohe wegen einer Steuerrückstellung die Überschuldung, teilte die Behörde mit. Die Bank ist Finanzkreisen zufolge das erste Opfer der Ermittlungen wegen umstrittener Geschäfte mit Dividendenpapieren ("Cum-Ex"), die die deutschen Ermittlungsbehörden seit Jahren vorantreiben.

Zum ersten Mal Schlagzeilen gemacht hatte das Institut 2008, als es dem Sportwagenbauer Porsche mit Derivaten half, sich heimlich an den größeren Volkswagen-Konzern heranzuschleichen. Doch die Übernahme scheiterte, und Porsche wurde seinerseits von Volkswagen geschluckt.

Die Maple Bank ist das erste deutsche Geldhaus seit mehr als drei Jahren, über die die BaFin ein sogenanntes Moratorium verhängt hat. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) betonte, das Institut habe mit einer Bilanzsumme von fünf Milliarden Euro keine Relevanz für das deutsche Finanzsystem und sei daher auch keine Bedrohung für die Finanzstabilität.

Von der Schließung betroffen seien vor allem institutionelle Kunden. Von den 2,6 Milliarden Euro, die bei der Bank angelegt seien, entfalle nur ein kleiner Teil auf Privatkunden. Wenn die BaFin offiziell den Entschädigungsfall feststellt, ist das Geld durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken abgesichert - bis zu 59,8 Millionen Euro je Kunde, wie ein Sprecher des Verbandes sagte. Mit dem Moratorium der BaFin sollen die Vermögenswerte gesichert werden.

Im September waren die Maple-Bank-Zentrale im Frankfurter Westend und mehrere Wohnungen von 300 Beamten wegen der Cum-Ex-Affäre durchsucht worden. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt legt den Bankern schwere Steuerhinterziehung zur Last, zum Teil auch Geldwäsche. Sie sollen den Fiskus von 2006 bis 2010 mit Cum-Ex-Geschäften um einen dreistelligen Millionen-Betrag geprellt zu haben. Dabei geht es um einen Handel mit Aktien rund um den Termin der Dividendenzahlung, bei dem Käufer und Verkäufer Kapitalertragsteuer kassierten. Das galt lange als Gesetzeslücke, die von vielen Banken und deren Kunden genutzt wurde. Inzwischen gehen die Behörden aber dagegen vor. Mehrere große Institute mussten Bußgelder zahlen.

In Zeitungsberichten war im Fall der Maple Bank von einem Steuerschaden von bis zu 450 Millionen Euro die Rede. Das wäre mehr als die Eigenmittel der Maple Bank, die sich zuletzt auf knapp 300 Millionen Euro beliefen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen