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Aus für den Connex im Dezember: Die Linie zwischen Leipzig und Warnemünde wird eingestellt.
Aus für den Connex im Dezember: Die Linie zwischen Leipzig und Warnemünde wird eingestellt.(Foto: picture alliance / dpa)

Abstellgleis dank Fernbus-Booms: Interconnex gibt endgültig auf

Die hohe Nachfrage nach Fernbussen fordert ein weiteres Opfer: Der Konzern Veolia stellt seinen Betrieb im Fernverkehr zwischen Leipzig und Warnemünde ein. Kritik gibt es an der Politik. Der Fahrgastverband beklagt einen verzerrten Wettbewerb.

Der Bahn-Konkurrent Interconnex kapituliert vor den Fernbussen. Nach zwölf Jahren wird die Fernzug-Verbindung Leipzig-Berlin-Rostock/Warnemünde am 13. Dezember eingestellt, kündigte der Betreiber Veolia Verkehr an. Für Fahrgäste entfällt die günstige Alternative zum ICE. "Als wirtschaftlich handelndes Unternehmen können wir nicht Monat für Monat rote Zahlen schreiben", teilte Veolia mit. Grund für die Probleme sei die neue Konkurrenz durch Fernbusse. Laut Unternehmen sind von dem Aus 21 Mitarbeiter betroffen. Sie sollen im Konzern andere Beschäftigungsangebote erhalten. HKX als zweiter Bahn-Konkurrent im Fernverkehr will indes weiter fahren.

"Wir können mit den parallel verkehrenden Fernbuslinien, die keine Straßenmaut bezahlen müssen, und deren Preisen nicht konkurrieren", erklärte Veolia-Verkehr-Chef Christian Schreyer. Eine Zugfahrt koste dagegen 1700 Euro, etwa an Gebühren für Strecken und Bahnhöfe. Das Unternehmen bietet derzeit täglich jeweils zwei Verbindungen zwischen Leipzig und Berlin an. Einer dieser Züge fährt dabei weiter bis Rostock und Warnemünde.

Zugleich verwies das Unternehmen darauf, dass andere Verkehre der Veolia Verkehr von der Entscheidung nicht betroffen seien. Diese würden im Auftrag der Bundesländer betrieben und hätten daher eine solide wirtschaftliche Grundlage.

Verband: Staat verzerrt Wettbewerb

Der Lobbyverband "Allianz pro Schiene" kritisiert, dass Fernbusse anders als Lastwagen keine Maut auf den Autobahnen zahlen müssten. Dies verzerre den Wettbewerb zusätzlich. "Solange Fernbusse von der Politik künstlich billig gehalten und von der Mautpflicht befreit bleiben, wird auch kein neuer Anbieter auf der Schiene diesen ruinösen Preiskampf aufnehmen können", sagte Geschäftsführer Dirk Flege.

In Deutschland wurde 2013 der Fernbusmarkt freigegeben, der bis dahin zum Schutz der Schiene stark eingeschränkt war. Dies hat einen Boom von Unternehmensgründungen und neuen Streckenangeboten ausgelöst, unter dem auch die Deutsche Bahn leidet. Fernbus-Tickets sind in der Regel deutlich billiger als die der Bahn.

Auch der Marktführer Deutsche Bahn spürt die Konkurrenz, seit der Markt für Busfahrten über 50 Kilometer Anfang 2013 freigegeben wurde. Das Bundesunternehmen fürchtet, dieses Jahr bis zu 120 Millionen Euro Umsatz an die Busse zu verlieren, und schreckt deshalb vor Preiserhöhungen im Fernverkehr weitgehend zurück. Die Bahn ist im Fernverkehr nahezu Monopolist.

HKX will weitermachen

Als Konkurrent bleibt jetzt nur HKX. Man habe "nicht vor, den Betrieb auf seiner Stammstrecke zwischen Hamburg und Köln einzustellen", versicherte eine Sprecherin in Köln. Das Unternehmen streicht jedoch Ende Oktober einige Fahrten am Freitag und Samstag, wie es vergangene Woche angekündigt hatte.

Der Hamburg-Köln-Express (HKX) war 2012 an den Start gegangen, hat aber noch nicht die gewünschten Umsätze erreicht, wie Geschäftsführer Carsten Carstensen im Sommer zugab. Er führte das auf veränderte Marktbedingungen zurück: Beim Start gab zwischen beiden Städten weniger Flüge und keine Fernbusse.

Veolia hatte vor zwölf Jahren versucht, auch auf weiteren Strecken mit Angeboten gegen die Deutsche Bahn anzutreten. Bis auf die Route Berlin-Rostock wurden die Verbindungen aber eingestellt. Anders als der Nahverkehr muss der Fernverkehr in Deutschland ohne Subventionen auskommen.

Im Nahverkehr schreiben die Länder Verbindungen aus, die vor allem von Berufspendlern genutzt werden. Wer die geringsten Subventionen verlangt, erhält den Zuschlag. Hier treten neben Veolia noch eine Reihe anderer Unternehmen an. Die Deutsche Bahn hat aber auch im Nahverkehr noch einen Marktanteil von rund 70 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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