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Drastisches Sparprogramm: Bahn berät ihr Geschäftsmodell

Die Bahn gerät durch den Fernbus-Boom unter Druck. Offenbar will das Unternehmen nun sein Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen. Zwar werden angebliche Pläne zur Abschaffung der Bahncard dementiert. Allerdings könnte das Rabattmodell geändert werden.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn berät am kommenden Mittwoch über mögliche Änderungen am Geschäftsmodell für den Fernverkehr. Das Kontrollgremium will in der turnusmäßigen Sitzung aber keinen Beschluss zu Änderungen an der Preisstruktur fassen, wie dpa aus zwei zuverlässigen Quellen erfahren hat. Es gebe dazu auch keine Beschlussvorlage.

Angesichts eines entsprechenden Medienberichts hatte das Unternehmen zuvor ein angebliches Aus der Bahncard dementiert. Diese Behauptung sei eine "dreiste Falschmeldung", hieß es. Zuvor hatte der Radiosender HR Info unter Berufung auf eine vertrauliche Vorlage für den Aufsichtsrat über entsprechende Pläne berichtet.

Demnach wolle sich das Management am 10. Dezember die Pläne vom Aufsichtsrat genehmigen lassen, berichtete der Sender. Sie solle zu einem Kundenkonto umgewandelt werden. Damit reagiere die Bahn auf Qualitätsmängel im Fernverkehr und auf die erstarkte Konkurrenz durch Fernbusse. Dazu äußerte sich das Unternehmen bislang jedoch nicht. Trotz des Dementis beharrt der Sender auf seiner Darstellung. "Die Bahncard wird zum Kundenkonto", heiße es in der Vorlage. Dieses Kundenkonto garantiere nur noch "Rabatte gemäß Auslastung eines Zuges und individuelle Rabatte nach Kundenumsatz", also für Großkunden und Vielfahrer.

Abschlussbericht bis März 2015

Darüber hinaus berichtet der Sender, dass der Staatskonzern im Fernverkehr drastisch sparen und die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken will. Unwirtschaftliche Linien sollten eingestellt und die Nachtzüge nur noch "abhängig vom Optimierungspotenzial" weitergeführt werden. Der Umsatzverlust durch die Fernbus-Konkurrenz werde mit mittelfristig 240 Millionen Euro pro Jahr beziffert. 2014 seien es rund 120 Millionen. Zu den "angeblichen Veränderungen im Fernverkehr" will sich das Unternehmen im Tagesverlauf äußern.

Laut dpa liegt dem Kontrollgremium eine 33-seitige Unterlage des Managements vor. Darin werden verschiedene Szenarien für Änderungen an der Preisstruktur und am Zugangebot dargestellt. Der "Zwischenbericht" solle als Diskussionsgrundlage dienen. Der Bahn-Vorstand habe den Auftrag, bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März 2015 einen Abschlussbericht mit konkreten Vorschlägen zu erarbeiten, hieß es.

Nach Angaben des Unternehmens sind derzeit etwa fünf Millionen Bahncards im Umlauf. Dabei sei die Bahncard 25 die beliebteste und wird von rund 3,5 Millionen Kunden genutzt. Zudem gebe es 1,5 Millionen Bahncard-50-Kunden. Etwa 43.000 Reisende nutzen die Bahncard 100. Laut dem Konzern sind darüber hinaus 700.000 Kinder und Jugendliche im Besitz einer Jugend-Bahncard.

Erster Anlauf zur Bahncard-Reform 2003 gescheitert

Im ersten Halbjahr 2014 war der Umsatz der Bahn im Fernverkehr um 1,6 Prozent auf rund 1,98 Milliarden Euro zurückgegangen. Insgesamt hatte der Konzern seinen Umsatz im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2013 um 1,9 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro gesteigert. 

Im September hatte die Bahn angekündigt, am Jahresende nur leicht an der Preisschraube zu drehen. In Fernzügen gibt es für die zweite Klasse keine Erhöhung. Fahrscheine für die erste Klasse werden ab 14. Dezember durchschnittlich 2,9 Prozent teurer, sind dann aber inklusive Platzreservierung und im ICE auch mit WLAN-Nutzung. Die Bahn hatte damals auf die Konkurrenz durch Fernbusse verwiesen, aber auch durch Carsharing und Mitfahrzentralen.

Bereits 2002 und 2003 hatte ein neues Preissystem der Bahn mit Änderungen an der BahnCard heftige Proteste ausgelöst. Die Bahn wollte damals Frühbucher mit Preisnachlässen belohnen. Auf die BahnCard sollte nur noch 25 statt 50 Prozent Rabatt gewährt werden. Nach Querelen um das neue Preissystem führte die Bahn im Sommer 2003 die alte Bahncard mit der 50-Prozent-Rabattkarte wieder ein.

Quelle: n-tv.de

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