Wirtschaft
Viele Güterzüge der Deutschen Bahn stehen bereits still. Ab Mittwoch trifft der Streik auch die Fahrgäste.
Viele Güterzüge der Deutschen Bahn stehen bereits still. Ab Mittwoch trifft der Streik auch die Fahrgäste.(Foto: REUTERS)

Güterzüge stehen - Wirtschaft bangt: Bahnstreik beginnt

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer macht ihre Drohung wahr. Ihre Mitglieder begannen mit Arbeitsniederlegungen im Güterverkehr der Bahn. Jeder Streiktag werde Deutschlands Wirtschaft dreistellige Millionenbeträge Kosten, warnen Experten.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihren fast dreitägigen Streik bei der Deutschen Bahn begonnen. Zunächst blieben viele Güterzüge stehen. Von Mittwochfrüh um 2.00 Uhr an soll dann der gesamte Personenverkehr bestreikt werden - bis Donnerstagabend um 21.00 Uhr. Im Güterverkehr sollen die Züge erst am Freitagmorgen um 9.00 Uhr wieder rollen.

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Es ist die siebte Warnstreik- oder Streikaktion seit Beginn dieses Tarifkonflikts. Zuletzt hatten die Lokführer Anfang November gestreikt. Die Bahn bereitet Notfahrpläne vor. Bis dahin hätten für die Versorgung wichtige Züge Vorrang, kündigte die Bahn an. Während des Streiks soll nach Bahnangaben ein Drittel der Fernzüge nach Fahrplan fahren. Im Regionalverkehr will die Bahn 50 bis 60 Prozent des regulären Fahrplans aufrechterhalten, wie Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg sagte.

Wirtschaftsvertreter befürchten hohe Verluste durch den Streik. "Die GDL handelt verantwortungslos und hat jedes Augenmaß verloren", erklärte Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der deutschen Industrie. Bei durchgängigen Streiks sind nach Ansicht des BDI in der Industrie empfindliche Produktionsausfälle zu erwarten. Streikbedingte Schäden könnten "von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf bis zu 100 Millionen Euro Schaden pro Tag anwachsen", warnte Schweer.

Stahlindustrie ist größter Bahnkunde

Der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Alexander Schumann, kritisierte den Streik in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" als "Gift für den Standort Deutschland". Täglich würden 1 Million Tonnen Güter per Bahn transportiert. Im Güterverkehr führten Streiks "bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen", denn Bahntransporte könnten oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden. Vom Güterverkehr entfallen nach seinen Angaben derzeit rund 16 Prozent auf die Schiene.

In Schlüsselbranchen wie der Autoindustrie sei die Produktionskette komplett auf Just-in-time-Produktion ausgerichtet. Warenlager könnten nur in den ersten Tagen helfen. "Dann gerät die Fertigung ins Stocken", warnte Schumann. Er verwies auch auf die mehr als sechs Millionen Berufspendler, die täglich auf die Bahn angewiesen seien. "Das ist nicht nur ein Ärgernis für die Betroffenen, sondern stellt auch die Unternehmen vor besondere Herausforderungen und kann in vielen Fällen auch erheblich Geld kosten."

Die Stahlindustrie zeigte sich tief besorgt über den Güterverkehrsstreik, durch den Kosten in Millionenhöhe entstünden. "Ein Drei-Tage-Streik im Schienengüterverkehr stellt die Stahlunternehmen vor riesige Probleme," sagte Hans-Joachim Welsch, Vorsitzender des Verkehrsausschusses der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Ein kurzfristiges Ausweichen auf andere Verkehrsträger sei nur sehr eingeschränkt möglich. Die Stahlindustrie sei der größte Güterverkehrskunde der Deutschen Bahn, die für die Branche rund 65 Millionen Tonnen im Jahr und damit über 50 Prozent ihrer Transportmengen bewege.

Quelle: n-tv.de

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