Wirtschaft
Auf neun Prozent in neun Monaten? Diese Kernkapitalquote sei in so kurzer Zeit nicht zu schaffen, sagt Sparkassen-Präsident Haasis.
Auf neun Prozent in neun Monaten? Diese Kernkapitalquote sei in so kurzer Zeit nicht zu schaffen, sagt Sparkassen-Präsident Haasis.(Foto: picture alliance / dpa)

Sparkassen schlagen Alarm: Barroso-Pläne nicht umsetzbar

Das Basel-III-Abkommen sieht eine Kernkapitalqoute der Banken von sieben Prozent bis 2018 vor. EU-Kommissionspräsident Barroso will die Institute nun dazu zwingen, eine Quote von neun Prozent in neun Monaten bereits zu erreichen - notfalls auch mit Staatshilfen. Die Branche schreit auf.

Die Banken können ihr Eigenkapital nach Ansicht von Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis nicht innerhalb weniger Monate auf neun Prozent aufstocken. Das sei ausgeschlossen, sagte er im Deutschlandfunk. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte angesichts der Euro- und Bankenkrise stärkere Schutzwälle der Institute gefordert. In Medienberichten hieß es, die Banken sollten ihre sogenannte harte Kernkapitalquote binnen neun Monaten auf neun Prozent anheben - notfalls auch mit Staatshilfen.

Haasis betonte, durch das Basel-III-Abkommen sei bis 2018 eine Quote von sieben Prozent vorgesehen. Eine höhere Aufstockung in deutlich kürzerer Zeit sei nicht zu machen. Auch eine Staatsbeteiligung zur Erhöhung der Quote lehnte er ab. Das sei "Unsinn" und wäre für die Steuerzahler nicht günstiger, sagte er.

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes wiederholte seine Einschätzung, dass sich bei der aktuellen Krise nicht um eine Bankenkrise handele. Wenn die Staaten garantierten, dass jeder seine Schulden zahle, gebe es kein Problem, sagte Haasis.

Nach Schätzungen der Investmentbank Morgan Stanley müssten sich die betroffenen Banken insgesamt 275 Mrd. Euro besorgen, um die von der EBA geforderte Kapitalquote zu erreichen.

Großes Paket gegen die Angst

In Europa geht derzeit die Angst um, eine mögliche Pleite Griechenlands könnte Banken mit den Abgrund reißen, die milliardenschwere Anleihen aus dem Land in den Büchern haben. Ohnehin müssen die Institute wegen der Schuldenkrise hohe Abschreibungen auf Staatspapiere auch aus Portugal und Irland vornehmen.

Barroso schlug deshalb "vorübergehend höhere Kernkapitalquoten" vor, Details soll die europäische Bankenaufsicht EBA ausarbeiten.

Nach Barrosos Plänen sollen zudem Banken, die neues Kapital brauchen, auf Dividendenauszahlungen an ihre Aktionäre und auf Bonizahlungen an die Mitarbeiter verzichten. Sie sollten zunächst versuchen, sich über den Markt zu finanzieren. Erst wenn das nicht gelinge, würden die Staaten mit Kapitalspritzen eingreifen. In letzter Konsequenz könnte auch der Euro-Rettungsfonds EFSF einspringen.

Barroso legte die Vorschläge eineinhalb Wochen vor dem EU-Gipfel vor, der für den 23. Oktober geplant ist. "Vertrauen kann nur wiederhergestellt werden, wenn alle nötigen Elemente zur Krisenlösung sofort eingesetzt werden", sagte er.

Am Wochenende war der belgisch-französische Bankkonzern Dexia zerschlagen worden, der die jüngsten Stresstests für die Branche vom Juli bestanden hatte. Ein neuer Stresstest sei nun zwar nicht geplant, erklärte die EBA in London und widersprach damit Medienberichten. Eine Sprecherin der Behörde erklärte jedoch am Mittwoch, die EBA sammle aktualisierte Daten über die Kapital-Positionen der Banken und über ihre Staatsanleihen.

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Quelle: n-tv.de

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